"And the Oscar goes to" die wichtigste Ankndigung im Filmgeschft. Millionen verfolgen jedes Jahr vor den Fernsehgerten die Verleihung des Academy Award of Merit, bei der die Creme de la Creme der internationalen Filmszene anwesend ist. Wer eine solche Auszeichnung gewinnt, ist in aller Munde Schauspieler knnen ihre Gagen erhhen, Regisseure ihre Produktionskosten. Auf die Frage, wer vor kurzem einen Deutschen Filmpreis gewonnen hat, wird man dagegen auf der Strae kaum jemanden mit einer richtigen Antwort finden knnen. Dabei ist dieser Preis das Kernstck der Filmfrderung der Bundesrepublik und gilt als die renommierteste Auszeichnung fr den deutschen Film, als deutscher Oscar. Soviel also zu unserem Kulturverstndnis.

Um die Frage zum Teil zu beantworten: Fatih Akin erhielt fr sein Meisterwerk "Auf der anderen Seite" insgesamt drei Auszeichnungen (bester Spielfilm in Gold, beste Regie und bestes Drehbuch) und setzt damit nach Erfolgen beim Filmfest in Cannes, bei den Csar Awards und beim European Film Award seine Siegserie fort. Zusammen mit einer weiteren "Lola" fr den besten Schnitt war "Auf der anderen Seite" damit nicht zu schlagen. Und so martialisch die Begriffe "Sieg" und "schlagen" jetzt auch klingen mgen der deutsche Filmpreis 2008 hatte etwas von einer Auseinandersetzung. Zumindest in der Kategorie "Bester Spielfilm", die erstmals in Wettkampfmanier mit Gold, Silber und Bronze bedacht wurde. Die etwa tausend Mitglieder der Deutschen Filmakademie, die als Jury fungiert, verwiesen Doris Drries "Kirschblten Hanami" und Dennis Gansels "Die Welle" auf die hinteren Pltze und gaben Akin den Vorzug.

Eine andere Art von Auseinandersetzung lieferte sich Till Schweiger stillschweigend mit der Akademie. Nachdem aus formalen Grnden seine erfolgreiche Komdie "Keinohrhasen" noch nicht einmal nominiert wurde, lud er am spten Abend zu einer eigenen Party ein, um sich dennoch zu feiern. Natrlich sollte dies keine Gegenveranstaltung sein, sagte Schweiger, der trotz der Zwistigkeiten der Verleihung beiwohnte. Damit war er der Star des Abends, dem sowohl Akin als auch Bundesstaatsminister Bernd Neumann ein Lob fr seinen Film aussprachen eine Art Trostpflaster fr den geschundenen Schauspieler und Regisseur, der wahrscheinlich neben dem Preis fr den besten Film auch auf den fr die beste mnnliche Hauptrolle geschielt hatte. So ging dieser an Elmar Wepper, der in "Kirschblten" als verlorener und trauernder Witwer durch Tokio taumelt und schon auf der Berlinale alle Kritiker auf seine Seite schlagen konnte. Ebenso wie Nina Hoss, die nach einem silbernen Bren fr ihre Leistung in Christian Petzolds "Yella" nun auch eine Lola fr die beste weibliche Hauptrolle ihr eigen nennen kann. Bei den Nebenrollen gingen die Auszeichnungen an Christine Schorn ("Frei nach Plan") und Frederick Lau ("Die Welle").

Und noch eine dritte Art von Auseinandersetzung fand whrend der Gala statt: die zwischen den Geehrten und den sie Ehrenden. Denn so sehr vor allem Fatih Akin sich auch ber die Lobeshymnen fr "Auf der anderen Seite" freute, lie er doch in seinen Dankesworten keinen Zweifel daran, dass er mit dem Auswahlverfahren der Deutschen Filmakademie nicht einverstanden ist. "Nicht fr die Akademie machen wir Filme, sondern fr das Leben", stellte er fest. Eine solche Aussage wre im vom Kommerz getriebenen Hollywood nicht denkbar und insofern ist es vielleicht ganz gut, dass alle Welt immer noch auf den Oscar starrt. Denn so werden hoffentlich auch in Zukunft einige junge Regisseure in Deutschland nicht unbedingt auf Massentauglichkeit schauen. Oder auf sechs Millionen Zuschauer.

Artikel drucken