Sonntagnacht hie es in Los Angeles zum 80. Mal: And the Oscar goes to. Erst drohte die Verleihung aufgrund des Autorenstreiks ins Wasser zu fallen, am Sonntag machte das Wetter den Veranstaltern mit Wasser von oben einen Strich durch die Rechnung. Schleunigst wurde der rote Teppich mit einem Zelt berdacht, sodass das Who-is-who Hollywoods unbeschadet den langen Weg ins Kodak-Theatre berwinden konnte.

Durch den Abend fhrte wie bereits vor zwei Jahren Latenight-Talker John Stewart. Charmant-galant und mit einer guten Portion beiendem Wortwitz meisterte er seine Aufgabe souvern, wenn ihm auch ein bisschen die Lockerheit seiner Vorgngerin Ellen DeGeneres fehlt, die es im vergangenen Jahr stellenweise schaffte, die Oscarverleihung zu ihrer ganz privaten Show zu machen.

Dem Jubilum entsprechend stand die Geschichte des Oscars ganz im Mittelpunkt der Veranstaltung. Erinnerungen an vergangene Shows und Preistrger dominierten den Showanteil und lie so manchen in Erinnerungen schwelgen.

Interessant waren in diesem Jahr die Nominierungen: kaum ein kommerzieller Kassenschlager fand sich unter den Auserwhlten, Autorenkino scheint wieder gro angesagt zu sein in Hollywood. There will be blood und No country for old man waren mit jeweils acht Nominierungen die groen Favoriten und Konkurrenten zugleich. Das Duell konnte das dstere No country for old man der Coen-Brder fr sich entscheiden. Mit einem Oscar fr das beste Drehbuch, beste Regie und das beste Drehbuch konnten sie alle groen Kategorien fr sich entscheiden. Zudem erhielt der Spanier Javier Bardem fr seine Rolle des eiskalten Killers im Coen-Film dem Oscar als bester Nebendarsteller. Die Coen-Brder kehren mit ihrem neuen Thriller, der demnchst auch in deutschen Kinos zu sehen ist, zu ihren groen frheren Werken wie Fargo oder Barton Fink zurck und bezeichnen die Gangster-Ballade als ihren bislang brutalsten Film. Paul Thomas Andersons epochales There will be blood ein Drama ber verbitterten Zweikampf
zwischen einem besessenen lmagnaten und einem fanatischen Prediger zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dass Kritker angesichts seiner wuchtigen Bilder und der grandiosen Darsteller jubeln lie, musste sich mit zwei Goldjungen zufrieden geben. Einen gabs fr die Kamerafhrung von Robert Elswitt, den anderen verdient fr Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis fr die beeindruckende Darstellung des lbarons Daniel Plainview, den er mit bengstigender Intensitt spielte. Die groe berraschung war die Auszeichnung Marion Cotillards als beste Schauspielerin in La vie en rose. Ihre Darstellung der franzsischen Chanson-Legende Edith Piaf berzeugte die Academy und rhrte Madmoiselle Cotillard dann auch zum trnenreichsten Auftritt des Abends. Mit Tilda Swinton als beste Nebendarstellerin im Thriller-Drama Michael Clayton war das europische Sieger-Quartett bei den Darstellerpreisen komplett.

Und auch die deutschen konnten sich in diesem Jahr zumindest wieder mitfreuen: Nachdem Florian Henckell von Donnersmark im vergangenen Jahr die Academy mit seinem Stasi-Drama Das Leben der anderen fr sich gewinnen konnte, ging der Auslands-Oscar in diesem Jahr nach sterreich. Die Flscher ist eine sterreichisch-deutsche Koproduktion und erzhlt die Geschichte von jdischen Hftlingen im Dritten Reich, die gezwungen wurden, auslndische Banknoten herzustellen. In seiner Dankesrede gedachte Regisseur Stefan Ruzowitzky so groer Namen wie Billy Wilder, Fred Zinnemann und Otto Preminger groe Regisseure, die allesamt auf der Flucht vor dem Nazi-Terror in die USA emigrierten und einen entscheidenden Beitrag zur Filmgeschichte leisteten.

Die diesjhrige Oscar-Verleihung war ein spannender Abend im Zeichen anspruchsvoller Filme und tatschlich groen Kinos. Kaum sind die Statuen verteilt, geht das Rennen um die Academy-Awards wieder los. Hoffen wir auf ein neues Oscar-Jahr mit spannenden und berhrenden Filmen und freuen wir uns auf die nchste rauschende Oscar-Nacht.

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