Campus-Web Bewertung: 3,5/5
   
Preisfrage: Ein Monster, so gro wie ein Wolkenkratzer, greift New York an - woher kennen wir das? Richtig, Godzilla mal wieder. Diesmal werden es bestimmt seine Sprsslinge sein, die in Roland Emmerichs Hollywood-Abenteuer seinerzeit die Tr fr eine Fortsetzung aufstieen, oder?

Nur teilweise richtig. Zwar kam J.J. Abrams (der auch schon den TV-Hit Lost entwickelte) die Idee zum Film, als er einen Plastik-Godzilla auf einer Shoppingtour mit dem Sohnemann entdeckte. Jedoch will er nicht die Geschichte des Ungeheuers erzhlen - es soll auch weder die Hauptrolle spielen, noch benannt oder definiert werden. Im Mittelpunkt steht das eigentliche Erleben der Katastrophe, die aus der Sicht einer Handvoll Mittzwanziger gezeigt wird. Diese feiern eine Abschiedsparty, bis sie von einem vermeintlichen Beben aufgerttelt aufs Hochhausdach steigen und der Gefahr ins Auge blicken mssen.

Da die Feier auf Video festgehalten werden sollte, ergibt es sich, dass der komplette Film aus der Sicht der Handkamera abluft, Blair Witch Project lsst gren. Dabei gewinnt die Realittsnhe, unweigerlich fhlt man sich an den 11. September zurckerinnert, als CNN in Dauerschleife Privataufnahmen aus den Straen Manhattans laufen lie, inmitten von Schockzustnden und Husertrmmern. Der Eindruck der Terrorgefahr ist den Figuren zu Beginn der Attacke gegenwrtig, obgleich die Macher keine Al Kaida-Parabel schaffen wollen. Der Zuschauer wei zu keinem Zeitpunkt mehr als der Mann hinter der Kamera, die gesamte Situation ist ein Rtsel, welches aus nackter Todesangst gar nicht erst gro hinterfragt wird.

Nachteil der Erzhlweise ist die Anstrengung, die dem Zuschauer bei stndiger Ruckelei und unerklrlichen Schnitten abverlangt wird. Ein gnstiger Preis aber, den wir dafr zahlen, von dem sonst so daherpltschernden Genre der Katastrophen-Blockbuster gepackt zu werden. Special Effects werden reichlich geboten, doch geschehen diese am Rande der Erzhlung und am Rande der Leinwand. Das tut einem derart konzipiertem Film sichtlich gut, da eine glaubwrdig animierte Schreckenskreatur noch nicht geschaffen wurde. Auch Dialoge oder Darsteller rcken in den Hintergrund, es dominiert die Flucht vor der ultimativen Bedrohung, angetrieben von vollstndiger Ahnungslosigkeit.

Cloverfield wirft uns in einen unaufhrlichen Wust von Hektik und Panik, der leider aber noch Platz fr die obligatorische Heldengeschichte lsst. Neben der Nokia-Schleichwerbung der einzige Punkt, an dem man dem Film das Gelingen der Progressivitt und die Weigerung, gngige Hollywoodmuster zu bedienen, absprechen muss. Angesichts der immensen Werbekampagne, die in den USA ins Rollen gebracht wurde, um die Neugier auf das Spektakel zu schren, berrascht dies wenig. Dennoch, auf der Habenseite steht der bis dato interessanteste Actionreier mit Riesenechsen-Beteiligung, und auch wenn hierbei die Konkurrenz nicht allzu ruhmvoll ist, darf es als Kompliment verstanden werden.

Cloverfield
USA 2008
Regie: Matt Reeves
Darsteller: Michael Stahl-David, Lizzy Caplan, Jessica Lucas
FSK: ab 12
Lnge: 85 Minuten
Start: 31.01.2008

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