Campus-Web Bewertung: 5/5
   
Wie beschreibt man einen Film wie "Machtlos", dessen Geschichte so erschreckend realistisch und grausam ist, dass man es kaum in Worte fassen kann?

Gavin Hood, der zuletzt mit dem sozialkritischen Drama Tsotsi auf sich aufmerksam machte, wendet sich auch in seinem neuesten Werk wieder einer realen Begebenheit zu. Es geht vor allem um eins: Extraordinary rendition (auerordentliche Auslieferung). Traurigerweise eine praktizierte Vorgehensweise der Vereinigten Staaten. Das Land der unbegrenzten Mglichkeiten! Dieser Slogan wirkt nahezu lcherlich und peinlich angesichts der Tatsache, dass des Terrors bezichtigte Menschen in ausgelagerten Gefngnissen in Lndern der dritten Welt gefoltert werden knnen, um an Informationen zu kommen!

Laut Gavin Hood lautet das Motto einiger amerikanischer Politiker In diesen Lndern wird ja ohnehin gefoltert, da fllt es auch nicht auf, wenn wir das machen. Sptestens seit diesem Film, in dem ein gyptischstmmiger Amerikaner seiner Familie entrissen und in den Gefngnissen Afrikas fast zu Tode gefoltert wird, fllt es mir ernsthaft schwer, die USA als Vorreiter in Menschenrechtsfragen ernst zu nehmen.

Hood stellt in Machtlos einen Fall von auerordentlicher Auslieferung aus der Perspektive vier vllig unterschiedlicher Menschen da. Alle haben mehr oder weniger konkret mit der Terrorbekmpfung zu tun. Isabella Fields El- Ibrahimi (Reese Witherspoon), die hochschwangere Frau des entfhrten gyptischstmmigen Geschftsmannes, kommt den Machenschaften der CIA durch Nachforschungen auf die Spur. Hierbei stt sie auf die Leiterin der CIA-Anti-Terror-Einheit, Corrine Withman (Meryl Streep), die den Befehl gab, Isabellas Mann nach Afrika zu verschleppen, um ihm dort zu verhren. Douglas Freeman, ein junger CIA-Analytiker (Jake Gyllenhaal) soll die Verhre des Familienvaters berwachen und der CIA darber berichten. Auf die Auskunft an seine Chefin Withman, dass dies seine erste Folter sei, erwidert diese heuchlerisch, aber scheinbar berzeugt : The United States don't torture anybody!.

Zunchst scheint Freeman die Verhre vllig teilnahmslos zu beobachten. Doch als er herausbekommt, dass Anwar El- Ibrahimi lgen muss, um seiner Folter zu entgehen, siegt sein Begriff fr Menschlichkeit und er befreit den Familienvater. Die Folter-Verhre werden von einen scheinbar skrupellosen muslimischen Afrikaner durchgefhrt, der erst Gefhle zu zeigen in der Lage ist, als er erfhrt, dass seine Tochter bei einem Terroranschlag ums Leben kam.

Im Gegensatz zu vielen anderen aktuellen Filmen hngen die Handlungsstrnge zwar eng zusammen, werden aber nicht zu einem gemeinsamen Ende verknpft. Vielmehr nimmt jede einzelne Geschichte ihr eigenes, berraschendes und bedrckendes Ende.

Trotz der Grausamkeit, die in diesem Film deutlich wird, erheben die Autoren nicht mahnend den Zeigefinger. Wieviel Menschlichkeit steckt in jedem von uns? Wieviel Menschenrechtsverletzung ist erlaubt, um mglicherweise viele zu retten? Diese Fragen beantwortet jeder Protagonist nach seiner eigenen Moralvorstellung. Bedenkt man jedoch einmal, wie viele unschuldige Menschen durch diese Foltermethoden zerstrt werden und wie viele unbrauchbare Informationen aus purer Angst bei solchen Verhren herauskommen, stellt sich die Frage nach der Rechtfertigung fr mich persnlich nicht.

Machtlos ist kein seichter Unterhaltungsfilm, sondern regt zum nachdenken und Diskutieren an. Die meisten Zuschauer werden sich am Ende dieses ergreifenden Films fragen: Was ist Recht und was Unrecht? Drfen Menschenrechte derart grausam vernachlssigt werden? Warum tut niemand etwas dagegen? Wie kann ein solches Verfahren in einer hochmodernen Welt wie der unseren noch stattfinden?

Kinostart: 22. November 2007.

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