Dieser Film ist ebenso laut und authentisch wie das politische und sthetische Nein von Punk. Punk im Osten, das war Subkultur im anderen Deutschland, das war Tumult, das war totale Verweigerung. Die Punks in der DDR stieen an die Grenzen eines Systems, das seine Jugend steuern wollte, von dem sie sich aber nicht lenken lieen. Im Konflikt zwischen Kollektiv und Individuum, Zukunftsnorm und Lebenslust, schrieben sie ein bizarres Kapitel ostdeutscher Geschichte. Entlud sich das soziale Elend englischer Teenager in dem Aufschrei no future, so ist das Elend einer verplanten DDR-Jugend treffender mit too much future beschrieben.
Punkbands wie Wutanfall, Schleimkeim LAttentat, Betonromantik oder Planlos stemmten sich gegen einen verordneten Zukunftsoptimismus und eine soziale berversorgung. Der Film portrtiert die Biografi en einiger Protagonisten der frhen Ostpunk-Bewegung ber den DDR-Infarkt hinaus, erzhlt von Anpassung, Konsequenz, Zwngen, Unabhngigkeit und von der Verwandlung der Ablehnung in knstlerische und politische Praxis. So gert der Film nicht zur Musealisierung einer Bewegung oder zur ideologischen Abrechnung, sondern zum mitreienden Portrt einer Subkultur, einer der wertvollsten und folgenreichsten Eruptionen im unerschtterlichen Glauben an eine Utopie, die zur Ideologie geriet.

ostPUNK! too much future erzeugt durch rhythmisch montierte Bildcollagen einen Sog. Aktuelle Filmaufnahmen werden mit unverffentlichtem original Super-8-Material kombiniert,
DDR-Propagandafi lme prallen auf Animationen mit Clipcharakter. Fotos und Filme zu Ostpunk waren in dieser Flle bisher nicht zu sehen. Die ehemals illegalen Aufnahmen
von DDR-Punkbands drften in dieser Bandbreite bisher einmalig sein. Der Dokumentarfi lm ist daher zugleich Pop und ein Musikfilm. Er ist eine kritische wie kraftvolle Auseinandersetzung mit der Gegenkultur im Osten und ihrer Repressionsgeschichte.

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