Copyright 2016 Double Play Films, LCC
   
 

Copyright 2016 Double Play Films, LCC
   
 

Copyright 2016 Double Play Films, LCC
   
Porto: dster und dreckig am Rio Douro gelegen. Pflastersteine und Stahl. Diese schne jedoch heruntergekommene Stadt ist der Schauplatz des Erstlingswerks des Regisseurs Gabe Klinger. Dabei verdient die Stadt alle Aufmerksamkeit. Streitig macht ihr diese ein verstorbener Hauptdarsteller, der Schlagzeilen machte, weil ihn sein eigenes Auto berrollte und der klangvolle Name Jim Jarmusch, der den Film als Produzent untersttzt.

Ich kann dich nicht vergessen

Porto
Verleih: MFA+
Genre: Drama
Darsteller: Lucie Lucas, Anton Yelchin, Aude Ppin, Franoise Lebrun, Paulo Calatr
Regie: Gabe Klinger
Filmlaufzeit: 74 Min.
Porto ist eine traurige Stadt. Sie ist voll von Melancholie und Trbsinn. Das ureigene portugiesische Gefhl der saudade ist tief in dieser Stadt verankert. Diese Gefhlsmischung spiegelt sich in den beiden Hauptdarstellern wieder. Der Film erzhlt die Geschichte der Franzsin Mati und dem amerikanischen Studenten Jake. Ist ihr Treffen vorherbestimmt? Zufall? Schicksal? Das fragen sich die beiden Protagonisten auch. Sie philosophieren ber Liebe und Leben, Sein oder nicht Sein.

Ein sprlich eingerichtetes Zimmer, eine sprlich beleuchtete Strae, eine sprlich beleuchtete Zukunft, genauso uneben wie die grauen Pflastersteine auf ihrem Weg durch die nchtliche Stadt. Die Szenerie drckt Sehnsucht aus. Die Sehnsucht nach einem Abenteuer, das zur Sehnsucht nach Wrme und Geborgenheit, nach Ankommen wird. Jene Sehnsucht, die sich in der Stadt zeigt, wenn sie als berleitung zwischen Szenen gezeigt wird. Und nicht zuletzt die Sehnsucht im Titel. So heit Porto schlicht und einfach Hafen, das Symbol des Aufbruchs und des Ankommens. Mati und Jake treffen sich in einer Bar, fr eine Nacht. Doch diese Nacht bringt ihr Leben aus dem Gleichgewicht. Erweckt schlafende Sehnsucht nach Aufbruch und Ankommen.

Zwei Perspektiven, drei Kameraeinstellungen

"Porto" erzhlt die Geschichte der Liebenden nicht linear. Er wechselt zwischen Zeitebenen und Erzhlperspektiven, mal aus Jacks, mal aus Matis Sicht. Genauso wie der Blickwinkel wechselt, ndert sich auch die Erzhlweise. Er ist hektisch, doch gleichzeitig lethargisch in seinem Auftreten. Sein Verhalten ist unheimlich und seine Beharrlichkeit macht Angst, dass er zu weit gehen knnte. Anton Yelchin spielt den Studenten Jack mit solch Intensitt und Hingabe, dass er den Zuschauer von der ersten Minute an in seinen Bann zieht. Seine Partnerin Lucie Lucas, welche die franzsische Promotionsstudentin Mati spielt, steht Yelchin in nichts nach. Auf der einen Seite wirkt sie kalt und abweisend, auf der anderen lsst sich Mati voller Hingabe in diese Nacht fallen. Wird der Film aus Matis Sicht erzhlt, ist er weich, aber auch zweifelnd. Die Bilder wirken unsicher, auch wenn Mati sehr bestimmt und khl wirkt. Auch Lucas gibt ihrer vielschichtigen Rolle Raum, sich zu entfalten und den Zuschauer zu faszinieren.

Regisseur Klinger hat den Film in drei verschiedenen Kameraformaten gedreht und nimmt so Einfluss auf die Intimitt der Situation. So wechselt er zwischen 8-, 16- und 35-mm-Material. Werden Aufnahmen der Stadt gezeigt, ist der Winkel weit, gezeigt in 35mm-Optik. Die ganze Schnheit der Hafenstadt entfaltet sich. Befindet sich der Zuschauer aber mit Jack und Mati in der kleinen Wohnung, wird es intim, fast beengend. Das 8mm Schmalbildformat sorgt dafr, dass der Zuschauer das Gefhl hat, dass er mit im Raum ist. Er ist Teil des Geschehens. Alles ist fremd und vertraut zugleich. So wie es fr die beiden Liebenden sein muss. Auf diese Weise gelingt Klinger ein vorzgliches Spiel zwischen Enge und Weite, das trotzdem immer noch genug Freiheit fr die eigenen Gedanken lsst.

"Kann das weg?" - "Nein, das ist Kunst!"

Erst irritiert der Film. Er ist nicht perfekt. Der Zuschauer schwankt zwischen Abneigung und Begeisterung. Doch genau das macht seine Schnheit aus: Der Film ist poetisch, ohne dabei stylisch, gezwungen oder gewollt zu wirken. Er ist unsichere Kunst, die nach ihrem Bestimmungsort sucht. "Porto" ist fr Menschen, die sich in der Schnheit der Bilder verlieren und der Sehnsucht der Charaktere hingeben mchten. Gerne mehr davon!



Artikel drucken