Tom Trambow
   
 

Tom Trambow
   
 

Christine Schrder
   
In einer Winternacht des Jahres 1912 kmpft sich eine hochschwangere Frau durch die schneebedeckte Landschaft Norwegens. Wenige Stunden spter wird sie ihr Kind gebhren, die kleine Eva. Mit Schrecken und Erstaunen stellen die Anwesenden fest, dass Eva jedoch eine Besonderheit besitzt. Ihr ganzer Krper ist fellgleich mit dnnen, blonden Haaren bedeckt. Sie leidet an einem Gendefekt, den die Medizin so klangvoll als Hypertrichose bezeichnet.

Einsame Kindheit

Das Lwenmdchen
Verleih: NFP
Genre: Drama
Darsteller: Rolf Lassgrd, Ken Duken, Burghart Klauner, Connie Nielsen, Kjersti Tveters, Aurora Lindseth Lkka (Eva, 7 Jahre alt), Mathilde Thomine Storm (Eva, 14 Jahre alt), Ida Ursin-Holm (Eva, junge Frau)
Regie: Vibeke Idse
Filmlaufzeit: 118 Min.
Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Erik Fosner Hansen beginnt tragisch. Kurz nach Evas Geburt verstirbt ihre Mutter. Ihr Vater, der Stationsmeister Gustav (Rolf Lassgrd), muss sie alleine groziehen. Er begegnet seiner Tochter mit Verachtung, weil er die Reaktion der Menschen und die Schdigung seines Rufes frchtet. Diese Angst verfolgt ihn bis zu seinem Tod. Immer wieder sperrt er Eva in eine kleine Abstellkammer unter der Treppe ein, damit sie niemand durch das Fenster sehen kann. Nur Hannah (Kjersti Tveteras), eine junge Frau, die Gustav fr Evas Erziehung eingestellt hat, wei die Verunsicherung des ansonsten gutmtigen Mannes zu beruhigen. Hannah wird gewissermaen zur Mutter, die Eva nie hatte. Trotz aller Vorsicht erfhrt die lokale Presse bald von Eva und berichtet ber sie. Hannahs und Evas Beschwichtigungen fhren dazu, dass Eva am Weihnachtsfest teilnehmen darf, wo sie auf Gleichaltrige trifft. Irgendwann ist es ihr sogar erlaubt, in die Schule zu gehen. Aber ein Gefhl der Normalitt stellt sich nicht ein. Zu keinem Zeitpunkt darf Eva das normale Leben eines Kindes oder eines Teenagers fhren. Ihre Andersheit ist immer prsent.

Gezhmter Lwe

berraschenderweise begegnet Eva sich selbst nie mit Zweifeln. ber ihr Anderssein in einer nur drftig aufgeklrten Gesellschaft denkt sie nie wirklich nach. Vielmehr ist es so, als sei ihre Hypertrichose ein lstiges Muttermal, das sie ohnehin nicht loswerden kann. Die Fragen, inwiefern Eva ein Mensch ist, ob sie sich selbst als einen solchen identifiziert oder wie die Gesellschaft mit ihr umgeht, sind nicht von Belangen. Die Abscheulichkeiten der Gesellschaft, wie etwa die Mobbing-Attacken von Evas Mitschlern oder der bergriff des Kongressleiters, haben nur wenig Einfluss auf das Mdchen. Schnell sind all diese Dinge wieder vergessen.

Der Plot erfllt alle Regeln einer Wohlfhlatmosphre. Konfrontationen werden gemieden. Die wenigen Momente, in denen der Zuschauer erlebt, welcher Feindseligkeit Eva in Wahrheit ausgesetzt ist, werden auf wenige Minuten gekrzt. Zwischenzeitlich wirkt die Hauptfigur sogar vollkommen austauschbar. Der Zuschauer hat den Eindruck, hier knnte auch die Geschichte eines jeden anderen Teenagers erzhlt werden. Die Motive sind dieselben. Es geht um Liebe und um Liebeskummer, um Freundschaft und Verlust und um die immergleichen Fragen der Selbstfindung.

Harmlose Unterhaltung

Die Geschichte des Lwenmdchens widmet sich einer immer noch aktuellen Thematik. In Zeiten von integrationspolitischen Debatten ist der Aspekt der Fremdheit einer, der thematisiert werden muss. Aber im Film von Vibeke Idse wird die gesamte Brisanz des Themas zu seichter Sonntagabendunterhaltung heruntergekocht. Das Lwenmdchen darf kein einziges Mal brllen und so gewinnt der Zuschauer nach zwei Stunden keine wirkliche Erkenntnis darber, wie das Problem der Andersheit angegangen werden knnte. Stattdessen hat er einen Film mit wenig innovativem Jugendbuchcharakter geschaut und es bleibt nichts als ein leises Schnurren, das schnell vergeht.



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