Auf dem Weg nach Los Angeles stehen die Menschen im Stau. Warum sollten sie ihre Zeit nicht besser nutzen? Sie steigen aus ihren Autos und tanzen auf Strae und Autodchern. Nicht-Musical-Fans haben die erste Gelegenheit, ihre Augen zu verdrehen und aufzusthnen. Whrenddessen stimmen die Menschen auf der Leinwand gemeinsam eine Hymne an: auf die unverbesserlichen Trumer, die nach Los Angeles strmen und hier ihr Glck versuchen. Ihnen ist "La La Land" gewidmet.

Its always sunny in California

La La Land
Verleih: StudioCanal Deutschland
Genre: Romanze, Musical
Darsteller: Emma Stone, Ryan Gosling, John Legend, J.K. Simmons
Regie: Damien Chazelle
Filmlaufzeit: 128 Min.
Dem Zuschauer wird frh klar, worauf er sich eingelassen hat: viel Singen, viel Tanzen, viel Musicalfilm. Das klingt im Titel natrlich schon an und passt nicht nur zu Los Angeles als Stadt voller Jazz-Clubs und der Heimat Hollywoods, sondern auch zu den beiden Hauptcharakteren. Sie verkrpern schlielich zwei der besungenen Trumer.

Selbstredend verlieben sich diese auch. Mia (Emma Stone) trifft Sebastian (Ryan Gosling) zum ersten Mal in einer Bar: Er der aufmpfige Jazz-Musiker, sie die verlorene Schauspielerin, die von seiner Musik angezogen wird. Die Chemie stimmt, das Timing lange nicht. Es soll weitere Treffen dauern, bis sie zueinander finden. Nach gut einer Stunde kssen sich die beiden zum ersten Mal und das Romantiker-Herz setzt vor Freude einen Schlag aus. Die groe Liebe scheint besiegelt.

Hollywood Horror

Whrend ihre Liebe wchst, stagnieren die Karrieren der beiden Protagonisten. Mia, die nebenher als Barista in einem Caf auf dem Filmstudio-Gelnde in Hollywood arbeitet, kann kein Casting fr sich entscheiden. Immer scheint eine andere Schauspielerin besser, schneller, passender fr die Rolle zu sein. Manchmal interessiert sich der selbstverliebte Regisseur auch einfach mehr fr sein Handy als fr den Menschen, der vor ihm steht. Es ist hart, als Schauspielerin in Hollywood Fu zu fassen. "Ich htte doch lieber Rechtsanwltin werden sollen", stellt Mia verbittert fest.

Sebastian hlt sich dagegen mit Gelegenheitsjobs ber Wasser. In Restaurants und auf Parties spielt er Musik, die ihm zuwider ist. Besonders in diesen Momenten trumt er davon, einen eigenen Jazz-Club zu erffnen. Wenn er Mia davon erzhlt, leuchten seine Augen. Wenn Sebastian im Club eines Freundes Jazz spielt, leuchten ihre. Gemeinsam besprechen sie Zukunftsplne, helfen und untersttzen einander. Doch eines Tages taucht ein alter Bekannter auf. Keith - perfekt besetzt mit Musiker John Legend ("All Of Me") - bietet Sebastian einen Platz in seiner Band an: Der Wendepunkt?


Mehr als eine Liebesgeschichte

Ryan Gosling und Emma Stone standen vorher schon zweimal gemeinsam vor der Kamera, ihre Chemie stimmt. Sie bertragen sie auch auf die Charaktere. Die Kunst besteht nun darin, diese Chemie durch Musik und Szenerie nicht zu zerstren, sondern zu untersttzen. Das gelingt Regisseur Damien Chazelle, seines Zeichens selbst Schlagzeuger und groer Fan vergangener Musicalfilme la "Westside Story" und "My Fair Lady", erstaunlich gut. Gekonnt untermalt er das besondere Band zwischen Mia und Sebastian, vertont behutsam ihre Liebes- und Leidensgeschichte.

In "La La Land" geht es dennoch um viel mehr als die Liebesbeziehung zwischen Mia und Sebastian. Der Film handelt von beruflichen Entscheidungen und Chancen, persnlicher Hoffnung und Resignation. Er zeigt, wie viel Menschen fr ihre Trume auf sich nehmen, wie viel Schmach und Erniedrigung, wie viel Unsicherheit. Wie sie sich selbst verraten, wieder aufrichten, wie das Leben sie schlielich doch belohnen und gleichzeitig enttuschen kann. Chazelle gelingt das so gekonnt, dass auch Nicht-Musical-Fans verwirrt die Stirn runzeln, wenn sie sich dabei ertappen, nicht mehr die Augen zu verdrehen... sondern mitzulachen und zu -leiden.



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