Mary Cybulski
   
 

Mary Cybulski
   
 

Mary Cybulski
   
Paterson ist eine Kleinstadt an der Ostkste der USA. Fuchs und Hase sagen sich hier "Gute Nacht". "Da kann ja nichts Spannendes passieren!", ist der erste Impuls. Tut es auch nicht. Insbesondere, wenn Regisseur Jim Jarmusch einen Film auf die Leinwand zaubert. Aber Vorsicht: Langweilig ist der Film deswegen noch lange nicht. Im Gegenteil: "Paterson" ist ein Werk voller Poesie und Lebensenergie.

...und tglich grt das Murmeltier

Paterson
Verleih: Weltkino Filmverleih
Genre: Drama
Darsteller: Adam Driver, Golshifteh Farahani
Regie: Jim Jarmusch
Filmlaufzeit: 118 Min.
Der Film begleitet den Busfahrer Paterson wie die Stadt, so der Film und die Hauptfigur und seine Frau Laura eine Woche lang. Jeden Morgen wachen sie um die gleiche Uhrzeit auf. Laura bleibt noch im Bett liegen, whrend sich Paterson anzieht und sein Frhstck herrichtet. Schon auf dem Weg zur Arbeit fngt er an, in seinem Kopf Gedichte zu spinnen. ber den Tag hinweg entwickeln sich die Zeilen immer weiter. Abends schreibt er im Keller auf, was er sich erdacht hat. Danach geht er mit Hund Marvin spazieren. Ein Abstecher in die Kneipe (auf immer genau ein Bier) darf auch nicht fehlen. Dort trifft er jeden Abend dieselben Bekannten. Den tristen Alltag durchbricht Laura jeden Tag aufs Neue mit ihren verrckten Ideen. Einmal will sie das Haus komplett in schwarz-wei-Tnen dekorieren, mal begnadete Gitarristin werden oder einen eigenen Muffinstand erffnen. Das Paar scheint in seiner Routine gefangen zu sein und doch sind sie nicht unglcklich.

Zwei an einem Tag

Paterson (Adam Driver) und Laura (Golshifteh Farahani) sind ein Traumpaar. Sie verbindet innige Zuneigung und Liebe. Der wortkarge Paterson ertrgt stoisch ihre Verrcktheiten und untersttzt sie bei jedem neuen Vorhaben mit einem warmherzigen Lcheln. Laura ist sein Gegenpol: berschwnglich und berdreht. Immer positiv gestimmt, glaubt sie stets an das Gute und ihre eigenen Fhigkeiten. Sie wei, was Paterson gut tut, nimmt ihn so, wie er ist, glaubt an ihn und seine Gedichte. Das Paar versteht sich ohne viele Worte. Ihre Gesten und Mimik zeugen von tiefer Vertrautheit. Sie schtzen und achten sich. Dieses Paar ist das, was mittlerweile gemeinhin unter dem Hashtag "relationship goals" gemeint ist. Adam Driver zeigt, dass er so viel mehr kann, als den vermeintlichen Bsewicht in "Star Wars" zu mimen. Er spielt mehr mit seinem Gesichtsausdruck, als mit seinen Worten. Minimalistisch brillant so wie der Film. Golshifteh Farahani ist ein Wirbelwind, den der Zuschauer sofort ins Herz schliet. Sie vermittelt Lebensfreude mit jeder Pore. Schon alleine das Paar zu beobachten, macht "Paterson" sehenswert.

Club der lebenden Dichter

Whrend Paterson bei der Busfahrt oder in der Mittagspause im Park die Worte seiner Gedichte im Kopf formt, erscheinen sie auch in einer anmutigen, schnrkelhaften Schrift auf der Leinwand. Sie flieen in wei ber das Bild. So bilden Worte und Bilder eine Einheit, wo sich das eine Element nahtlos in das andere fgt. Abgerundet wird dieses cineastische Gesamtkunstwerk von der prchtigen Szenerie, in der Paterson seine Lyrik verfasst.

Einer der schnsten Stze des Films liefert er erst gegen Ende: "Translating poetry is like taking a shower with a raincoat." Solch wunderbare Worte sind der Grund, warum man den Film unbedingt im Original anschauen muss. Auerdem klingt Adam Drivers sonorer Bass herrlich weich im Ohr, dass man sich am liebsten hineinlegen mchte. Einfach Augen zu machen und sich von ihm in die Welt von "Ohio Blue Tip"-Matches (dt. Streichhlzer) entfhren lassen. Es lohnt sich versprochen!



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