Was braucht ein Film, der die Generation Y ansprechen, aber trotzdem tiefgrndig sein will? Genau, eine Clique voller hbscher heterosexueller Menschen, eine wieder aufflammende Jugendliebe und einen Schicksalsschlag, der sie alle zusammen treibt. Ebenfalls von Vorteil sind vorgelesene Weisheiten und ein Kamera-Faible. So wird das hbsche junge Mdchen whrend einer lockeren Lesestunde von ihrem Freund gefilmt - selbstredend in schwarz-wei. Mit dieser Szene beginnt "Nirgendwo", ein Titel so aufschlussreich wie der Film.

Der verlorene Sohn

Nirgendwo
Verleih: polyband Medien GmbH
Genre: Drama
Darsteller: Ludwig Trepte, Saskia Rosendahl, Jella Haase, Ben Mnchow, Dennis Mojen, Amelie Kiefer, Frederik Gtz
Regie: Matthias Starte
Filmlaufzeit: 97 Min.
Die Geschichte des Films wurde bereits zu Genge literarisch und musikalisch verarbeitet und ist so alt wie die Menschheit selbst: die des verlorenen Sohns. Im Fall des Films ist der Sohn Danny (Ludwig Trepte). Nachdem sein Vater pltzlich verstirbt, kehrt er in seine Heimat zurck, in den Scho seiner Freunde und seiner Jugendliebe Susu (Saskia Rosendahl).

Wie geht man mit einem solchen Schicksalsschlag um? Danny landet erst einmal in der Badewanne. Vollkommen bekleidet liegt er dort und zieht lasziv an seiner Zigarette. Seine Schwester Kirsten (Amelie Kiefer) steigt dazu und er stellt fest: "Mittlerweile sind wir schon viel zu gro fr die Wanne". Erkenntnisse dieser Art reihen sich in Endlosschleife aneinander und machen die Dialoge zwischen den Protagonisten unertrglich.

sthetik statt Authentizitt

Natrlich ist es nicht Matthias Startes Ziel, den Zuschauer zu amsieren. Stattdessen sollen die wichtigen Fragen beleuchtet werden: Wo will ich hin, und mit wem? Bleibe ich mit meinem Freund zusammen und im Dorf oder gehe ich hinaus in die Welt und versuche mein Glck im Zweifel allein? Gehe ich studieren? Oder will ich jetzt schon Kinder bekommen? 25 ist das neue 16, heit es.

Doch "Nirgendwo" scheitert am hippen Gewand. Gekleidet in ein Snapchat-Video in berlnge - natrlich gephotoshopped - kann man die Protagonisten wenig ernst nehmen, geschweige denn sie mgen und ihre Schicksale mit Spannung verfolgen. Hin und wieder scheinen authentischere Bilder durch, und das ironischerweise, wenn die Paare sich geradezu bertrieben in die Arme fallen. Doch die gehen schnell in der bertrieben optimierten Bilderflut unter, die nicht der Realitt heutiger Mittzwanziger entspricht. Hauptsache hip - das geht leider nach hinten los.



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