Zwei 14-jhrige Jungen fahren in einem klapprigen, "geliehenen" Lada durch die Landschaft Ostdeutschlands. Tschick am Steuer, Maik auf dem Beifahrersitz. Sie wollen nach Sden. Denn, wenn sie in Richtung Sden fahren, landen sie irgendwann in der Walachei... so zumindest ihre Logik. Andrej Tschick Tschichatschow mchte dort seinen Onkel besuchen. Und zu zweit macht so eine Reise mehr Spa. Sein Mitschler Maik Klingenberg hatte in den Sommerferien sowieso nichts Besseres zu tun. So cruisen die beiden Jugendlichen auf holprigen Feldwegen und Landstraen durch die Weiten Brandenburgs. Einfach nur unterwegs sein ist ein gutes Gefhl. Dabei erleben die beiden so allerhand und entwickeln nebenbei noch eine tiefe Freundschaft.

Sand im Getriebe

Tschick
Verleih: StudioCanal Deutschland
Genre: Drama, Komdie
Darsteller: Anand Batbileg, Tristan Gbel, Nicole Mercedes Mller, Aniya Wendel
Regie: Fatih Akin
Filmlaufzeit: 93 Min.
Der Film steigt sofort in das Geschehen ein. Maik erzhlt aus dem Off, wie Tschick neu in die Klasse kommt. Erstmal mchte er nichts mit ihm zu tun haben. Tschick ist uncool und ein Auenseiter. Mit so einem Loser kann sich Maik nicht abgeben, wenn er bei Tatjana, dem schnsten Mdchen der Klasse, landen will. Doch das gestaltet sich sowieso schwierig, weil er auch nicht gerade cool ist und zustzlich einer der wenigen, der nicht zu Tatjanas Geburtstagsparty eingeladen ist er und Tschick. Wie soll er ihr denn das selbstgemalte Bild geben, dass er extra fr sie gemalt hat? Das ist ganz schn frustrierend und Maiks herzzerreiender Liebeskummer versetzt den Zuschauer direkt zurck in das eigene Jugendzimmer inklusive schnulziger Musik a la "Purple Rain" und in-die-Kissen-schluchzen.

Da steht pltzlich Tschick vor der Tr und ist sofort Herr der Lage. Von Anfang an ist die Chemie zwischen Tristan Gbel als Maik und Anand Batbileg als Tschick greifbar. Doch mssen sich die beiden in den ersten Szenen erst ein wenig einspielen. Es knirscht schon im Getriebe und die Dialoge wirken ein wenig gestelzt und aufgesetzt. Das geht ber das Unbehagen des ersten nheren Kennenlernens hinaus. Als die beiden Jungen im Auto sitzen, ist das schlagartig vorbei. Ob da jemand die lkanne rausgeholt hat?

Moralapostel ohne erhobenen Zeigefinger

Mit "Tschick" hat sich Regisseur Fatih Akin an ein hchstaktuelles Thema heran gewagt. Am Anfang ist Tschick fremd, ungewhnlich, anders. Weil das so ist, lehnen ihn alle ab auch Maik. Doch dann lernt Maik Tschick nher kennen. Trotz ihrer Unterschiede und Andersartigkeit verbindet die beiden tiefe Zuneigung. So wird aus dem Fremden ein Vertrauter und Freund. Auerdem gelingt es dem Film hervorragend, eine Brcke zu schlagen zwischen dem belehrenden Moralaspekt auf der einen Seite und Humor und Action auf der anderen Seite. "Tschick" ist leichte Kost, drckt nicht auf die Trnendrse und ist dabei ehrlich, wie lange kein Film mehr.

Nah an der Romanvorlage

"Tschick" ist ein Roadmovie vom Feinsten. Dabei bewegt sich Regisseur Akin sehr nah an der Romanvorlage des gleichnamigen Jugendbuchs von Wolfgang Herrndorf. Lediglich das Ende ist gekrzt und ein wenig gendert. Aber auch so ist die Verfilmung schlssig. Ein Film, der genauso wie das Buch nicht nur fr Jugendliche gemacht ist, sondern durchaus auch Erwachsenen Spa macht, ruft er doch dazu auf, sich einfach aufzumachen und alle Vorurteile hinter sich zu lassen. Denn bekanntlich ist ja der Weg das Ziel.



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