Schriftsteller, Weltbrger, Intellektueller, Jude so bleibt Stefan Zweig Vielen im Gedchtnis. Doch ist er in den letzten Jahren seines Lebens vor allem eins: im Exil. "Billig und bedrfnislos lebt man hier; es ist ein Leben in Frieden", antwortet Stefan Zweig (Josef Harder) seinem Freund und Kollegen Ernst Feder (Matthias Brandt) im brasilianischen Petrpolis. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und dem Wissen um Europas baldigen Untergang, zeigt der Film "Vor der Morgenrte" Stefan Zweigs Suche nach einer neuen Heimat. Jedoch bleiben die Aufenthaltsorte temporre Pltze: Rio de Janeiro, Buenos Aires oder New York City sind nur Stationen auf Zweigs Reise.

Paradiese ohne Frieden

Abseits von Europa bietet das Exil Stefan Zweig etwas, das vielen Zurckgebliebenen verwehrt bleibt: Sicherheit und Schutz. Trotz atemberaubender Natur und Gastfreundlichkeit findet der Schriftsteller keinen Frieden. Die Zustnde im zurckgelassenen Deutschland kennt er, doch ein Urteil will er nicht fllen. Seit sechs Jahren ist er auf der Flucht. Eine rastlose Flucht. "Ein Europa ohne Grenzen und Psse", davon trumt der gebrtige Wiener, doch ist er sich bewusst, dass er diesen Tag nicht mehr miterleben wird. Er fhlt sich begraben, mit "zwei Fen aus dem Boden ragend. Jdische Schriftsteller adressieren unzhlige Briefe an ihn, bitten um Hilfe beim Erlangen eines Visums. Als weltbekannter Autor untersttzen Zweig Botschafter, sodass er in fremden Lnder geduldet wird. Seinen Kollegen zu helfen, vermag er dennoch nicht: "Die Meisten sind wahrscheinlich tot, manchmal beneide ich sie." bermannt von der Zeit stagniert sein Handlungsreichtum. Nur das Schreiben bereitet ihm noch Freude.
Vor der Morgenrte - Stefan Zweig in Amerika
Verleih: X-Verleih
Genre: Drama
Darsteller: Josef Hader, Barbara Sukowa, Aenna Schwarz, Matthias Brandt, Charly Hbner
Regie: Maria Schrader
Filmlaufzeit: 106 Min.


Ungewollt komisch

In Stefan Zweigs Augen spiegelt sich seine Melancholie. Fern ab von seiner Heimat greift Brasilien zu traditionell deutsch-sterreichischen Mitteln, um ihm den Aufenthalt im Exil zu versen: Eine Blaskapelle spielt bei Zweigs Empfang in Rio den Walzer "An der schnen Donau". Melodik und Timing stehen bei der Darbietung im Hintergrund. Es ist der Wille der zhlt. Mehr als zwei Augen drcken Stefan Zweig und seine zweite Frau Lotte (Aenne Schwarz) zu, whrend sie die schiefen Tne weglcheln. Ob die anschlieenden Worte des Brgermeisters "Wer keine Heimat hat, hat auch keine Zukunft" aufbauend sind, bleibt jedem selber berlassen. So schmunzelt auch das Publikum.

Gste in Zweigs Leben

Regisseurin Maria Schrader baut bei der Umsetzung des Films auf einzelne Episoden. Der Zuschauer bekommt einen kurzen Einblick in Stefan Zweigs Leben, bevor der Kameraschnitt die Episode rasch ausblendet. Von der Literatenkonferenz in Buenos Aires ber den Besuch bei Zweigs erster Frau Frederike (Barbara Sukuwa) in New York berzeugt der Film durch seine Facetten. Doch auch bei der Auswahl der Schauspieler beweist Schrader ein gutes Hndchen. Josef Harder brilliert als Stefan Zweig. Besonders berzeugend: Zweigs Melancholie in Harders Mimik und der Aspekt der Mehrsprachigkeit. Harder spricht in flssigem Franzsisch und makellosem Englisch sowie Deutsch. Auch Lotte, die in Biografien oft negativ wegkommt, erhlt eine authentische, starke Stimme. Schrader gelingt es ein Mosaik aus bildgewaltigen Episoden, groartigen Schauspielern und historischer Faktizitt zu bauen.





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