Finn ist ein neunjhriger Junge, der mit seinem Vater Frank in einem kleinen, niederlndischen Dorf lebt. Seine Mutter starb bei seiner Geburt, weshalb Finn tief in seinem Inneren glaubt, ihr Tod sei seine Schuld. Sein Vater hat den Verlust auch nach Jahren nicht verwunden und kann zu seinem Sohn keine enge Beziehung aufbauen. Damit Finn nicht vereinsamt, schickt Frank ihn in den rtlichen Fuballverein. Doch Finn interessiert sich nicht fr diesen Sport und spielt deswegen schlecht. Die anderen Jungen verspotten ihn. Auch in der Schule wird er schikaniert und angespuckt. So wird Finn noch unglcklicher. Dann lernt er jedoch den alten Luuk kennen. Luuk spielt Geige und als Finn ihm zuhrt, glaubt er seine Mutter zu sehen. Jetzt steht fr den Jungen fest, dass er auch Geige spielen mchte. Doch sein Vater verbietet es ihm. Es ist klar, dass sich hinter dessen Ablehnung ein Geheimnis verbirgt. Er kennt Luuk, will Finn aber nicht verraten woher. Wer ist dieser alte Mann? Warum verbietet Frank seinem Sohn das Geigespielen? Und was hat das alles mit Finns Mutter zu tun? Nur langsam lst sich das Rtsel.

Starke Sprache und liebevolle Details

Der Film "Finn und die Magie der Musik" lebt von seiner pointierten Sprache und den treffenden Dialogen. Als sein Freund Erik ihn fragt, woran seine Mutter gestorben ist, antwortet Finn: An mir. Und wenn Frank seinem Sohn erklrt, er wolle nicht, dass dieser einsam sei, lautet die Erwiderung: So wie du. Solche Stze berhren in ihrer Einfachheit. In diesen Momenten zeigen die Schauspieler ihr Knnen. Anders ist das in Konfliktszenen. Da ist zu merken, dass der junge Mels van der Hoeven (Finn) diesen noch nicht gewachsen ist. Sie wirken hlzern. Daan Schuurmans (Frank) schafft es hingegen, das Unverstndnis und den Egoismus des Vaters mit seiner Sorge um seinen Sohn verschmelzen zu lassen.

Die Hilflosigkeit von Frank wird immer wieder deutlich, nicht nur durch Worte, sondern auch durch szenische Details. So erzhlt das kontinuierlich auftauchende Glas Rotwein ganz nebenbei eine eigene Geschichte davon, wie er den Tod seiner Frau verarbeitet. Diese Bilder verleihen dem Film Tiefe, ebenso wie die Nebengeschichten, die zeigen, dass der Tod seiner Mutter nicht das einzige Problem in Finns Leben ist.

Was unangenehm auffllt, sind die Effekte. Sie knnten besser sein, weshalb der Wunsch aufkommt, sie wren ganz weggelassen worden. Zumal der Film sie nicht braucht. Hier liegt die Ursache mit Sicherheit in dem niedrigen Budget der kleinen Produktion. Der Wind im Gebsch wirkt unecht und wenn sich die Augen im Portrt der Mutter bewegen ist das unfreiwillig komisch. Auch die Synchronisation ist nicht optimal. Von Blockbustern ist man mehr Mhe gewohnt. Dafr gleicht die liebevoll ausgesuchte und eingesetzte Musik, das tragende und verbindende Element des Films, kleine Schnheitsfehler aus.

Finn und die Magie der Musik
Verleih: Arsenal Filmverleih
Genre: Drama
Regie: Frans Weisz
Darsteller: Mels van der Hoeven, Daan Schuurmans, Jan Decleir,Hanna Verboom, Jenny Arean
Filmstart: 4. Dezember


Von der Gewalt des Verdrngens

Auf den ersten Blick ist "Finn und die Magie der Musik" ein Kinderfilm. Allerdings ist er keine leichte Unterhaltungskost und nichts zum Lachen. Er zeigt, welche Probleme aus Schweigen und Verdrngen entstehen. Die wenigen brutaleren Szenen, in denen Frank seinen Sohn am Arm packt und aus dem Haus schleift, verdeutlichen, wie berfordert er mit der Rebellion seines Sohnes ist. Gerade weil der Umgang der beiden sonst nicht von Gewalt geprgt ist, brennt sich die Szene noch strker ein. Die wirkliche Dramatik der Geschichte zeigt sich in ihren ruhigen Augenblicken, in denen sie es schafft, zu berhren. Dies geschieht zum Beispiel wenn Finn alleine im Garten ist, die Geige spielt und endlich lchelt oder als sein Vater ihn endlich in den Arm nimmt und versteht, dass sein Sohn glaubt, es sei seine Schuld.

Einige vermeintliche Unstimmigkeiten im Erzhlfluss erklren sich mit berraschenden Wendungen selbst und halten den Spannungsbogen aufrecht. Das ist wichtig, da der Film sich viel Zeit lsst, um seine Geschichte auszubreiten. Das langsame Tempo macht ihn etwas zh, aber es lohnt sich, bis zum Ende zuzuschauen, wie sich das Verhltnis zwischen Vater und Sohn verndert. Es ist nicht alles gut am Schluss, aber das ist vielleicht das Beste daran. Denn sonst wrde der Film seine Realittsnhe verlieren, die ihn so liebenswert macht.


Offizieller Trailer

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