Oran, Algerien: Ein schmchtiger junger Mann sitzt in einem spartanisch eingerichteten Zimmer an seinem Schreibtisch, vor sich mehrere eigenhndig gezeichnete Entwrfe liegend, allesamt bilden sie Damenkleider ab. Seine Leidenschaft fr eben jenes Kleidungsstck einstmals bei einer Schulauffhrung von Molires
Kritik der Schule der Frauen
entfacht, wird fr Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent zur treibenden Kraft und das Akronym YSL zum Symbol fr luxurise weibliche Kleidung.

Regisseur Jalil Jespert gelingt es, sich dem Mythos des franzsischen Modemachers zu nhern: Er vermeidet allzu schnelle Schnitte, fngt in langen Einstellungen den Menschen Saint-Laurent in Momenten hchster Freude und tiefster Trauer ein. Der Kommentar aus dem Off, in dem sich Yves Lebensgefhrte Pierre Berg (gespielt von Guillaume Gallienne) liebevoll der gemeinsam durchlebten Hoch- und Tiefpunkte erinnert, schafft eine intime Atmosphre. Die Aufnahmen der Kunstsammlung in der gemeinsamen Pariser Wohnung, die satten Farben und schlichten Kostme lassen den Film zeitlos erscheinen.

Und dann gibt es noch ihn: Pierre Niney. Der 25-jhrige Beau, dem deutschen Publikum aus Filmen wie LOL oder It Boy bekannt, knnte mit seinen groen Augen, der hohen Stirn und den weichen Zgen glatt als Reinkarnation der Modeikone durchgehen. Niney, der als 21-jhriger zum jngsten Mitglied des altehrwrdigen Nationaltheaters der Comdie Franaise wurde, spielt den schchternen Couturier hervorragend und ist einer der Garanten fr die Authentizitt dieses Biopics.

Die Handlung des Films setzt im Jahr 1953 ein und erzhlt zu Beginn entlang der groen Linien den Werdegang Saint-Laurents, dem zunchst schchternen jungen Zeichner im Hause Dior, dessen Vorsitz er vier Jahre spter, gerade mal 21-jhrig, bernimmt.
Yves Saint Laurent (Fankreich 2013)
Verleih: Square One/Universum
Genre: Biographie
Regie: Jalil Lespert
Darsteller: Pierre Niney, Guillaume Gallienne, Charlotte Le Bon, Laura Smet, Marie de Villepin, Nikolai Kinski
Kinostart: 17. April
In den darauffolgenden Jahren geben die Modeschauen den Lebensrhythmus vor, bis Yves, von der Angst des Scheiterns zermrbt, zusammenbricht und mehrere Monate in der Psychiatrie verbringt, ehe Berg ihn wieder aufrichtet. Dann: der Bruch mit Dior, die Grndung des Modehauses Yves Saint Laurent.

Doch an dieser Stelle findet auch ein narrativer Bruch statt: Die groen Linien verblassen, die Handlungsgeschwindigkeit verlangsamt sich, Existenzielles weicht Banalem. Anstatt den Fokus auf Saint-Laurents bahnbrechende Innovationen wie den Damensmoking oder die Montral-Kollektion zu werfen, richtet Regisseur Jespert sein Augenmerk auf die Abstrze und sexuellen Eskapaden des bekennenden Homosexuellen.

Wer sich in erster Linie fr die Beziehung zwischen Saint-Laurent und Berg interessiert, dem sei der Film wrmstens empfohlen. Eine modehistorische Einordnung leistet er jedoch nicht. Dennoch ist Yves Saint Laurent ein handwerklich gut gemachter Film mit herausragenden Darstellern.

Mehr Informationen auf der Offiziellen Homepage des Films.



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