Sie ist witzig, charmant und keck. Sie hat stets ein offenes Ohr und zeigt immer ehrliches Interesse. Ihre Stimme ist rauchig mit einem dunklen Timbre sexy. In Samantha (Scarlett Johansson) hat Theodore Twombly (Joaqun Phoenix) seine Traumfrau gefunden. Nur leider kann es zwischen den beiden niemals zu einer echten Begegnung kommen. Denn Samantha ist Theodores OS, sein sogenanntes Operative System, sprich sein Betriebssystem.

Knnen Computer lebendige Menschen ersetzen?

Technologie und Elektronik bestimmen immer mehr unser Leben. Heutzutage besitzt fast jeder ein Smartphone. Die darauf installierten Apps geben uns Ratschlge bei Stdte-Reisen, erinnern an Geburtstage und informieren ber aktuelle politische Geschehnisse. Sie sind zu einem festen Bestandteil unseres Alltags geworden.
Theodore Twombly ergeht es nicht anders. Er lebt in einem Amerika der nicht allzu fernen Zukunft. Sein aktuelles Betriebssystem liest ihm seine E-Mails vor oder reserviert ihm bei Dates einen Tisch im Restaurant. Seit der Trennung von seiner Frau Catherine fhlt sich Theodore manchmal einsam und verliert sich gerne in seiner Nostalgie. Auch da hilft sein Betriebssystem und spielt ihm stimmungsvolle Musik vor, oder sucht ihm eine Partnerin fr nchtlichen Telefonsex.
HER (USA, 2013)
Verleih: Warner Bros
Filmlaufzeit: 126 Minuten
Regie: Spike Jonze
Drehbuch: Spike Jonze
Kamera: Hoyte van Hoytema
Darsteller: Joaqun Phoenix, Chris Pratt, Rooney Mara, Amy Adams
Kinostart: 27.03.2014

Eines Tages erfhrt Theodore von einer neuen Generation von Betriebssystemen. Diese OS sollen noch leistungsfhiger und kundenfreundlicher sein als alle bisherigen Systeme. Vor allem zeichnen sie sich durch menschliche Fhigkeiten aus. Sie sind individuell, perfekt auf ihren Benutzer abgestimmt und knnen sogar dazulernen. Und so tritt Samantha in Theodores Leben.

Eine computergesicherte Fernbeziehung

Die Beziehung der Protagonisten ist bei aller Romantik nicht ganz unproblematisch. Was sagt diese Neigung seitens eines Menschen ber ihn aus? Anfangs schmt sich Theodore und spricht seine Beziehung in seinem Freundeskreis nicht an. Er mag sich selbst nicht eingestehen, dass er fr ein knstliches Wesen echte Gefhle empfinden kann. Und dann ist da diese vllige krperliche Abwesenheit von Samantha. Kann die Beziehung halten, obwohl keine Aussicht auf ein mgliches Treffen in Fleisch und Blut besteht? Gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage, was heute berhaupt noch als klassische Beziehung gilt? Irgendwo haben die beiden doch auch nur eine Art von Fernbeziehung. Und wieso sollte ein Computer unsere Lebensplanung mitbestimmen drfen, nicht aber unsere Gefhlswelt? Wie weit darf unsere Technologie in die reale Welt eindringen? Schlielich ist die Frage in der Liebe doch nicht, in wen man sich verliebt sondern vielmehr, warum! Wie schafft es jemand, diese starken und einzigartigen Gefhle in einem hervorzurufen?
Theodore verliebt sich in Samantha, weil sie eine wunderbarere Wegbegleiterin ist. Weil sie es schafft, ihn immer wieder aus Neue zu berraschen. Weil sie ihm hilft, die Wunder des Lebens zu entdecken. Beide zeigen uns: Liebe ist manchmal genau da, wo wir es am wenigsten erwartet htten. Und eben weil sie einzigartig ist, ist die Liebe so schn.

Kluge und feinfhlige Unterhaltung mit Top-Besetzung

Insgesamt liefert Regisseur Spike Jonze einen sehr intensiven und doch kurzweiligen Film. Joaqun Phoenix brilliert als Hauptdarsteller nahezu im Alleingang. Die deutsche Synchronstimme von Scarlett Johansson wirkt durch ihr starkes Schauspiel (oder soll ich sagen Hr-Spiel?), auch ohne sich jemals zu zeigen, sehr prsent. Zwischen den beiden knistert die Erotik und ihre Dialoge erfrischen mit herrlich amsanten Passagen. Der Zuschauer ist beiden so nah, dass es ihm fast unangenehm ist, ihre Zweisamkeit zu stren.
Die berzeugende originelle Handlung berrascht mit unerwarteten Wendungen und Tiefgang. Die Filmmusik hlt, was sie verspricht: Sie klingt, als htte sie gemeinsame Momente des Liebespaares in Musiknoten eingefangen. Die vorwiegenden Pastellfarben des Films zergehen auf der Zunge wie eine Brausetablette. Sie entfhren uns mitsamt der Musik in eine ferne Zukunft. Definitiv einer der besten Filme dieses noch jungen Filmjahres!


Mehr Informationen auf der Offiziellen Homepage des Films und auf Facebook.



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