"Nashorn im Galopp" von Erik Schmitt
   
 

Inga Birkenfeld in "Rauch"
   
 

Christian Hdls "Graceland"
   
"Auf der Suche nach der entfhrten Prinzessin" wuselten bunte, qukende Handpuppen ber die Leinwand des Filmforums in Kln: Der erste Kurzfilm, den die Zuschauer bei der Preisverleihung der sechsten Ausgabe des Kurzfilmfestivals Unlimited am 17. November zu sehen bekamen, war von Kindern. In einem Workshop erschufen sie im Rahmen des Festivals den Puppenfilm, der nun dem Publikum prsentiert wurde. Auch unter den Erwachsenen zeigte so mancher eine seiner ersten filmischen Arbeiten. Schlielich erfordern Kurzfilme geringere Kosten und einen weniger groen Aufwand in der Produktion. Sie eignen sich so besonders gut fr junge Filmemacher, um sich mit ersten Projekten in der Filmbranche einen Namen zu machen. Heute berhmte Regisseure wie Tom Tykwer und Steven Spielberg erreichten einst durch ihre Kurzfilme erste Aufmerksamkeit fr ihr Schaffen.

Spuren beim Zuschauer hinterlassen

So stand auch Christian Hdl an diesem Wochenende in Kln auf der Bhne und erzhlte vom Dreh seines Dokumentarfilms "Graceland". Hdl studiert Regie an der Hochschule fr Fernsehen und Film in Mnchen. Fr "Graceland" hat er eine zurckgezogen lebende Frau in ihrer Mnchner Wohnung gefilmt und von ihrem Leben erzhlen lassen. Die Frau sammelt Fanartikel von Elvis Presley, ihre Wohnung ist voll von Figuren und Postern mit dem Abbild des Stars. Man sprt, dass Elvis fr sie eine Flucht ist, er kann ihr nicht wehtun, sagt Hdl. In unaufgeregten, nachdenklichen Schwarzweibildern beobachtet er seine Heldin in ihrem Alltag. Ganz anders nhert sich David M. Lorenz in seiner Dokumentation "Entschuldigen Sie bitte die kurze Strung" seiner Heldin, die eine Obdachlosenzeitung in der Berliner U-Bahn verkauft: Er bringt die Kamera direkt an der Kleidung der Protagonistin an. Der Zuschauer verfolgt aus ihrer Perspektive mit, wie sie zumeist vergeblich um Spenden bittet. Ein guter Kurzfilm ist kurz und prgnant, seine Geschichte hinterlsst ihre Spuren beim Zuschauer, sagte Franz Becher, Mitglied der Jury, bei der Preisvergabe.

Die Filme beim diesjhrigen Unlimited Kurzfilmfestival liefen in zwei verschiedenen Kategorien im Wettbewerbs- sowie in sechs Kategorien im Sonderprogramm. Im Rahmen des Sonderprogramms wurden unter anderem im Lnderfokus Produktionen aus der Trkei gezeigt, im Festivalfokus waren im erst krzlich erffneten Kunsthaus Kat18 finnische Filme zu sehen. Ansonsten beschrnkten sich die auslndischen Beitrge auf das Sonderprogramm: Im Wettbewerb liefen schon im letzten Jahr nur noch deutsche Produktionen aus finanziellen Grnden. Was jedoch keine Abstriche fr die beiden Wettbewerbskategorien Deutscher Wettbewerb und Klner Fenster bedeutete. Von Dokumentationen wie "Graceland" ging die Bandbreite der gezeigten Filme ber surrealistisch angehauchte Erzhlungen wie "Daniel und die Ratte" von Graldine Rod von der Kunsthochschule fr Medien in Kln (KHM) bis hin zum Mutter-Sohn-Beziehungsdrama, in "Wie du ksst" - eindrucksvoll erzhlt von Eva Viola Trobisch. Ihr Beitrag wurde von der Jury des WDR- und Einsfestivalpreises mit dem Preis inklusive Ankauf durch die Sender geehrt. Dieses Programm ist eine Art Best-of des letzten Jahres gewesen man konnte hier sehen, welche guten Kurzfilme in Deutschland zurzeit entstehen, lobte Frank Becher von der Jury.

Der Kurzfilm und das Geld

Neben den Preisen, die die Jury fr die Filme aus dem Deutschen Wettbewerb vergab, wurde im deutschen sowie im Klner Wettbewerb jeweils ein Publikumspreis vergeben. Im deutschen Wettbewerb ging dieser an "Nashorn im Galopp" von Erik Schmitt, im Klner Fenster an Zu Dir, dem zweiten Film der Regisseurin Sylvia Borges von der KHM, in dem zwei Diskobekanntschaften nach einer durchtanzten Nacht die Wohnungen tauschen und sich dadurch nher kommen. Den ersten Preis im deutschen Wettbewerb, dotiert mit 1200 Euro, gewann "Rauch", ein fast 30 Minuten langer Film ber die Tristesse in einer ostdeutschen Kleinstadt, durch die sich eine wortkarge junge Frau, wunderbar nuanciert gespielt von Inga Birkenfeld, schlgt die wahrscheinlich beste moderne Westernheldin, an die wir uns erinnern knnen, so Sven Ilgner in der Begrndung der Jury.

Wer Filme macht, der wartet viel, bemerkte Jurymitglied Frank Becher zu dem Film "Die Ruhe bleibt" von Stefan Kriekhaus ber einen unglcklichen Setpraktikanten, der den 3. Preis erhielt. Der Stifter, der als Preis ein digitales Color Grading fr einen Kurzfilm ausgeschrieben hatte, war zum Zeitpunkt der Vergabe in Kln bereits insolvent.
Viele der Filmemacher, die am Sonntag einen Geldpreis erhielten, betonten, wie gut sie dies fr neue Projekte gebrauchen konnten. Auch abseits von Festivals sind Kurzfilme selten lukrativ. Was bleibt, sind die knstlerischen Ambitionen der Macher. Jan Soldat, Regisseur von "Ein Wochenende in Deutschland", einer Dokumentation ber zwei 70-jhrige Herren, die regelmige SM-Bondage-Sessions betreiben, sagte es in Kln so: Dieser Preis ist eine Motivation fr mich, weiter auf diese Art Filme zu machen: ohne HD, ohne Geld, ohne Hochglanzschrott!

Weitere Infos zum Festival und den Filmen gibt es auf der Offiziellen Homepage

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