campus-web Bewertung: 5/5
   
 

Solomon bei "Master Ford"
   
 

Der brutale Epps mit seiner besten Pflckerin Patsey
   
Amerika, 20 Jahre vor dem Brgerkrieg. Sklaverei ist in den Sdstaaten noch selbstverstndlich, whrend im Norden der Afroamerikaner Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor) mit seiner Familie glcklich in Freiheit lebt. Als Violinist hat er es durchaus zu Wohlstand und Anerkennung gebracht. Nur zu verlockend und zu schmeichelnd erscheint ihm das Angebot zweier undurchsichtiger Herren, sie fr einen lukrativen Auftritt nach Washington zu begleiten. Der Abend endet feuchtfrhlich. Am nchsten Morgen erwacht Solomon in einem finsteren Raum gefesselt und beraubt. Noch glaubt er an einen Irrtum, an sein Recht doch schon bald wird ihm dieser Glaube herausgeprgelt und er findet sich auf einem Schiff Richtung Louisiana wieder und wird zunchst an den sanftmtig wirkenden Plantagenbesitzer Ford (Benedict Cumberbatch) verkauft.

Solomon fgt sich scheinbar in sein Schicksal. Schon bald schafft er es, seinen Master mit Vorschlgen zur Arbeitsoptimierung zu beeindrucken, sodass der ihm sogar eine Geige schenkt. Doch dem sadistische Sklavenaufseher Tibeats (Paul Dano) ist das ein Dorn im Auge. Ford trennt sich von Solomon und verkauft ihn an den berchtigten Baumwollplantagen-Besitzer Edwin Epps (Michael Fassbender). Hier verschlimmert sich Solomons Alptraum. Niemand ist vor Epps Launen und Wutausbrchen sicher. Jeder auch nur angedeutete Protest, jede falsche Geste kann den sicheren Tod oder grausame Bestrafung durch die Peitsche bedeuten. Doch im Gestalt des kanadischen Zimmermanns Bass (Brad Pitt) scheint die Rettung fr Solomon gekommen.

Sklaverei - Amerikas dunkelstes Kapitel fand bislang berwiegend im TV wie im groen Brgerkriegs-Epos Facklen im Sturm oder in der Serie Roots Beachtung, whrend das Kino eher einen Bogen darum machte. Selbst Spielberg umschrieb die Thematik in seinem Gerichtsdrama Amistad lediglich, vermied aber die konkrete Auseinandersetzung mit dem Schicksal von Millionen verschleppten Afrikanern. Quentin Tarantino wagte sich vor einem Jahr mit der Westernballade Django auf dieses Terrain vor hier sah man Sklaven, die sich zur Belustigung ihrer Besitzer bis zum Tod bekmpfen mssen oder von Hunden zerfleischt werden. So sehr Tarantino seine Racheoper auch ins Absurde berspitzte, war doch schon das wahre Ausma an Brutalitt und Entmenschlichung in dieser dunklen Zeit erkennbar. Regisseur Steve McQueen geht mit 12 Years a Slave noch einen Schritt weiter. Sein Film beruht auf den Aufzeichnungen von Solomon Northup, der 1841 entfhrt und fr 12 Jahre in die Sklaverei verschleppt wurde. Der biographische Hintergrund dieses erschtternden und erschreckenden Dramas verstrt umso mehr. .
12 Years a Slave, USA 2013
Verleih: Tobis
Genre: Drama
Filmlaufzeit: 133 min
Regie: Steve McQueen
Darsteller: Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender,
Benedict Cumberbatch, Brad Pitt, Paul Dano,
Paul Giamatti, Lupita Nyong'o, Sarah Paulson
Filmstart: 16.01.2013
McQueen zeigt die Alltglichkeit von Brutalitt, Unterdrckung und vlliger Entmenschlichung und dieser Anblick ist nur schwer zu ertragen. Dabei zwingt McQueen uns, genau hinzusehen. Die Kamera erstarrt, wenn Solomon an einem Baum aufgeknpft mit den Zehenspitzen auf dem schlammigen Boden balancierend - um sein Leben kmpft, whrend um ihn herum das alltgliche Treiben weitergeht. Solidaritt untereinander kann tdlich sein. Selbst Epps Lieblling Patsey (Lupita Nyongo) ist trotz grtem Ernteertrag und sexuellen Geflligkeiten nicht sicher vor seinen Schlgen. Hinzu kommt noch die Eifersucht seiner Ehefrau, die sich in weiteren Gewaltexzessen ergiet.

Dass 12 Years a Slave zum berzeugenden Kinodrama geworden ist, liegt nicht zuletzt an dem hervorragenden Cast: Chiwetel Ejiofor (u. a. bekannt aus Roland Emmerichs 2012) spielt hier seine erste groe Hauptrolle und berzeugt als ein gebrochener, jeglicher Hoffnung beraubter Mann, der sich doch keine Sekunde mit seinem Schicksal abfinden will. Michael Fassbender schockiert als aggressiver, wankelmtiger und zerrissener Tyrann. Sein Blick ist furchteinflend, seine Gestik vermittelt die Unberechenbarkeit seiner Figur, die permanent am Rande des Wahnsinns tnzelt und dies an seinem Eigentum auslsst. Benedict Cumberbatch hingegen spielt den instabilen und unentschlossenen Ford mit Zurckhaltung und Sanftmut. Seine Figur ist deutlich ambivalenter eben liest er fr die Sklaven aus der Bibel, im nchsten Moment lsst er den respektlosen und brutalen Aufseher Tibeat gewhren und berlsst Solomon am Ende seinem Schicksal.

12 Years a Slave ist ein wuchtiges, bildgewaltiges und packendes Drama mit groartiger Besetzung. Nicht umsonst wurde der Film frisch mit dem Golden Globe gekrt und gilt schon jetzt als groer Oscar-Favorit. Die Bilder sind schwer ertrglich und bleiben lange im Gedchtnis und doch, oder gerade deshalb ist 12 Years a Slave schon jetzt einer der besten und wichtigsten Filme dieses noch jungen Kinojahres.

Zum Filmstart haben wir aber noch vier Original-Soundtracks fr euch. Hier geht's zum Gewinnspielformular.



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