campus-web Bewertung: 5/5
   
 

Agent Tony Mendez in Teheran
   
 

Hollywood-Profis Lester Siegel und John Chambers
   
1979 die muslimische Revolution im Iran steuert ihrem Hhepunkt zu. Scheich Mohammad Reza Pahlavi wurde gestrzt, die USA gewhren dem an Krebs erkrankten Monarchen Asyl und Ajatollah Chomeini kehrt aus dem Exil in Frankreich zurck. Unter seiner Fhrung wird die Islamische Republik Iran ausgerufen. Nach Jahren der Unterdrckung durch den pro-westlichen Schah richtet sich der Zorn der Massen insbesondere gegen die Amerikaner. Am 4. November 1979 strmen radikale Studenten die US-Botschaft in Teheran und nehmen 52 Diplomaten als Geiseln. Sechs von ihnen gelingt zuvor die Flucht in die kanadische Botschaft. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihr Verschwinden auffliegt. CIA-Spezialst Tony Mendez kommt auf die wahnwitzige Idee, die sechs Amerikaner getarnt als kanadische Filmcrew auer Landes zu schaffen. Als Produzent des Science-Fiction-Films Argo reist er nach Teheran unter dem Vorwand, dort nach passenden Drehorten zu suchen. Es bleibt nur wenig Zeit fr die Befreiungsaktion.

Als Schauspieler wurde Ben Affleck oft belchelt, als Regisseur hat er sich bereits mit Gone Baby gone und The Town den Respekt der Kritiker und die Begeisterung des Publikums verdient. Mit seiner dritten Regiearbeit Argo verlsst er den Schauplatz seiner Heimatstadt Boston und rollt ein spannendes und unglaubliches Stck CIA-Geschichte auf. Mit der wahren Geschichte des nie gedrehten Films Argo ist ihm ein intelligenter und spannender Thriller mit ironischen Untertnen gelungen Unterhaltung auf hchstem Niveau und ein immer noch aktuelles Stck Zeitgeschichte, dessen weltweite Folgen bis heute sprbar sind.
ARGO
USA 2012
Verleih: Warner
Genre: Thriller
Filmlaufzeit: 120 min
Regie: Ben Affleck
Darsteller: Ben Affleck, Alan Arkin, Bryan Cranston,
John Goodman, Kerry Bish, Kyle Chandler
Filmstart: 08.11.2012


In einer aus Archivbildern und Comic-Strips montierten Eingangssequenz wird kurz und prgnant die Vorgeschichte erklrt, die zu den Zustnden im Iran der 70er Jahre fhrte. Dabei wird die Mitschuld der USA an den herrschenden Umstnden nicht verschleiert, vielmehr wirbt sie um Verstndnis, warnt vor den Folgen von Unterdrckung und Profitgier. Wacklige, leicht blasse Bilder und schnelle Schnitte machen die angespannte und gefhrliche Situation kurz vor Strmung der Botschaft in Teheran jederzeit sprbar, lassen den Atem stocken. Die weitere Geschichte wird in langen, spannungssteigernden Einstellungen erzhlt. Affleck hat Argo ganz im Stil der Politthriller des New Hollywood der 70er Jahre inszeniert und zeigt auch bei der Ausstattung viel Liebe zum Detail. Parallel zur heiklen Situation der Geiseln und der Flchtigen in Teheran zeigt er die fieberhafte Suche nach einer Mglichkeit, die Diplomaten zu befreien. Bei Zigaretten und Rotwein diskutieren die sechs Untergetauchten ihre Chancen, heil das Land zu verlassen, whrend in den USA die Pressearbeit zum Filmprojekt Argo auf Hochtouren luft und im CIA noch das Pro und Contra der Aktion diskutiert wird. Um alles professionell und glaubhaft aussehen zu lassen, wird ein Produktionsbro gegrndet, eine Pressekonferenz organisiert, bei der das Drehbuch von Schauspielern in Kostmen vorgelesen wird. Regisseur Lester Siegel (Alan Arkin) und Maskenbildner John Chambers (John Goodman) sind in die Plne des CIA eingeweiht. Beide sind Hollywood-Profis sie kennen das Geschft. Schummeleien gehren zum Alltag der Filmindustrie, mehr Schein als Sein ist berlebenswichtig. Lgen wie die Wahrheit aussehen zu lassen das ist das Geschft. Und in diesem Fall hngen sechs Leben davon ab. Arkin und Goodman spielen die Hollywood-Veteranen mit einer lakonisch-zynischen Gelassenheit. Mit zynischer Freude kommentieren sie die verlogene Traumfabrik, die sie lngst durchschaut haben.

Ben Affleck in der Hauptrolle des Tony Mendez berzeugt als introvertierter und doch verantwortungsbewuter CIA-Agent. Sein Spiel ist zurckhaltend, nachdenklich, ernsthaft. Als Regisseur beweist er Feingefhl bei der Inszenierung. Trotz der Vielzahl der Figuren gelingt es ihm, ihnen ein Gesicht, eine Persnlichkeit zu geben Mitgefhl fr ihr Schicksal zu wecken.

Argo ist erfreulich unpatriotisch, verzichtet auf Schwarz-Wei-Malerei und ist eine spannende Geschichtsstunde mit aktuellen Bezgen. Nachdenklich, spannend und berhrend. Ein Film, der schmerzlich bewusst macht, wie aktuell die Konflikte von damals immer noch sind und welche Konsequenzen Einmischung und Ignoranz haben knnen.



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