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Wiedersehen mit Gandalf dem Grauen
   
 

Die Zwerge sind die neuen "Gefhrten"
   
Vor mittlerweile elf Jahren startete der erste Teil von Peter Jacksons Trilogie "Der Herr der Ringe" weltweit in den und setzte neue Mastbe im Fantasy-Genre. Lange wurde ber eine Verfilmung der Vorgeschichte gemunkelt. Lange stand "Der kleine Hobbit" auf der Kippe, doch letztendlich nahm Jackson doch wieder das Zepter in die Hand. Obwohl die Buchvorlage sehr schmal ausgefallen ist, erwartet Kinofans wieder eine epische Trilogie, die 60 Jahre vor Frodos Reise nach Mordor beginnt. Sein Onkel Bilbo Beutlin (Martin Freeman) fhrt ein gemtliches und beschauliches Leben im Auenland. Er ist zufrieden und nichts liegt ihm ferner, als sein Zuhause zu verlassen oder gar ein Abenteuer zu erleben.

Doch eines Tages steht der Zauberer Gandalf (Ian McKellen) vor seinem Haus und ldt ihn zu einem Abenteuer ein. Bilbo lehnt entschieden ab, doch schon kurze Zeit spter fllt eine ganze Horde von Zwergen mitsamt Gandalf bei ihm ein und bringen Chaos in sein wohlgeordnetes Leben. Sie bitten ihn um Hilfe im Kampf gegen den Drachen Smaug, der Erebor, das Reich der Zwerge, unterjocht hat. Bilbo wagt das groe Abenteuer und folgt den Zwergen auf die gefhrliche Reise zum Einsamen Berg, der sie durch unheimliche Wlder, durch lebensbedrohliche Gebirge und Hhlen fhrt. Dabei mssen Sie sich Horden von Orks, Trollen und anderen bedrohlichen Kreaturen stellen und immer wieder ihr Leben aufs Spiel setzen. Nach dem Sturz in eine Hhle begegnet Bilbo einem zwielichtigen Wesen: Gollum fordert ihn zu einem Spiel heraus und Bilbo findet DEN Ring, dessen Bedeutung ihm noch nicht bewusst ist.
Der Hobbit: Eine unerwartete Reise
(The Hobbit: An unexpected Journey)
USA/Neuseeland 2012
Produktion: NewLine/MGM/Warner
Verleih: Warner Bros.
Genre: Fantasy
Filmlaufzeit: 170 min
Regie: Peter Jackson
Darsteller: Ian McKellen, Martin Freeman, Richard Armitage,
James Nesbitt, Ken Stott, Cate Blanchett, Ian Holm,
Christopher Lee, Hugo Weaving, Elijah Wood, Andy Serkis
Filmstart: 13.12.2012


Die Erwartungen an Peter Jacksons "Hobbit" knnten nach dem groen Erfolg der Ring-Trilogie nicht grer sein. Jackson ist als Tolkien-Experte und fr seine Detailversessenheit bekannt, zudem lsst er keine technische Neuerung bei seiner Arbeit aus und so wartet auch der "Hobbit" mit einigen Neuheiten auf. So wurde er in der sogenannten High Frame Rate gedreht - eine Filmsekunde besteht normalerweise aus 24 Bildern, hier sind es doppelt so viele. Was mehr Realismus bewirken soll, vermittelt leider mehr den Eindruck eines Heimvideos, das eine gut ausgestattete Theatergruppe umgesetzt hat und bedarf einiger Gewhnung. Die 3-D-Effekte knnen sich durchaus sehen lassen, was sich insbesondere bei Szenen in den Hhlen der Orks bemerkbar macht. Abgesehen von diesen streitbaren Technik-Details ist Jackson mit dem ersten Teil der Hobbit-Trilogie der Auftakt fr ein neues Kinoepos gelungen. Dramaturgisch clever schlgt er einen Bogen von den Geschehnissen rund um Frodo zurck zur Vorgeschichte des Films. Immer wieder erscheinen aus der Ring-Trilogie bekannte Figuren wie Saruman (Christopher Lee), Elbenknig Elrond (Hugo Weaving) oder die geheimnisvolle Galadriel (Cate Blanchett), Andy Serkis darf sich erneut als Gollum austoben.

Martin Freeman erweist sich in der Titelrolle als Idealbesetzung. Sein Bilbo Beutlin kann grummeln wie ein alter Mann und staunen wie ein Kind. Der kleine Hobbit, der seine beschauliche Heimat verlsst und sich auf das Abenteuer seines Lebens einlsst, ist die ideale Identifikationsfigur fr jedermann. Trotz der Vielzahl der Figuren gelingt es Jackson wieder, ihren Individualismus zu bewahren. Die 13 Zwerge sind durchweg charismatisch - keiner gleicht dem anderen, weder im Wesen noch im Aussehen. Ihr Anfhrer Thorin Eichenschild (Richard Armitage) hat kaum noch etwas von einem Zwerg, er ist vielmehr ein verbitterter, zutiefst unglcklicher Krieger, der die Hoffnung schon fast verloren hat. Die Brder Kili und Fili hingegen sind noch vllig unbedarft und knnen das groe Abenteuer kaum erwarten und Gloin kann nur selten sein polterndes Temperament zurckhalten. Dazu kommen noch Balin, Dwalin, Bofur, Bifur, Bombur, Oin, Dori, Nori und Ori. Puh - viele neue Namen, viele neue Gesichter. In zwei Jahren werden ihre Namen sicher einem breiten Publikum bekannt sein. Regisseur Peter Jackson bietet im Kino eben das, was gutes Popcornkino ausmacht: opulente Ausstattung, wuchtige Bilder, groe Schlachtengemlde und eine Prise Humor. Dazu ein groartiges Schauspielensemble und einen eingngigen Soundtrack, der auch Motive aus der Ring-Trilogie aufgreift.

Die Schlachten fallen im "Hobbit" nicht ganz so ppig und ausschweifend aus wie in der Ring-Trilogie, doch da ist sicher noch einiges bei den Fortsetzungen zu erwarten. Obwohl die "neuen Gefhrten" am Ende des Films noch ganz am Anfang ihrer Reise stehen, ist der Auftakt der Kino-Trilogie auch mit knapp drei Stunden Laufzeit ein kurzweiliges Filmvergngen. Jackson nimmt sich Zeit fr seine Ouvertre, um die Geschichte zu entfalten und seinen Figuren Raum fr Entwicklungen zu geben - und die sollten sich auch die Kinobesucher nehmen. Es lohnt sich.



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