campus-web Bewertung: 3/5
   
 

Whrend Gau seine Erkenntnisse aus dem heimischen Umfeld zieht...
   
 

zieht es von Humboldt in die Welt hinaus.
   
Ein Naturforscher und ein Mathematiker mit dem selben Ziel: Die Vermessung der Welt. Whrend fr den einen die ganze Welt im Kopf und alle Forschungen auf dem Schreibtisch Platz haben, treibt den anderen seine unbndige Neugier und Abenteuerlust in die Ferne. Carl Friedrich Gau und Alexander von Humboldt, zwei bedeutende Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts, sind die Hauptfiguren in Detlev Bucks neuem Kinofilm. Routinier Buck setzt dabei auf berwltigende, farbenprchtige Bilder und ein routiniertes Schauspiel-Ensemble.

Basierend auf Daniel Kehlmanns Bestseller Die Vermessung der Welt erzhlt der Film die Lebensgeschichten des Mathematikers Gau und des Naturforschers von Humboldt, deren Wege sich 1828 auf dem Naturforscherkongress in Berlin kreuzen. Zu diesem Zeitpunkt genieen beide lngst die Anerkennung der Fachwelt - Gau fr sein Genie, Humboldt fr seinen unermdlichen Forschergeist. Dabei knnten ihre Biografien nicht unterschiedlicher sein. Whrend Gau in rmlichen Verhltnissen aufwchst und nur dank der Bemhungen seines Lehrers eine hhere Schule besuchen kann, investiert von Humboldts Mutter schon frh alles in die optimalen Ausbildung ihrer beiden Shne. Dem jngeren Alexander fllt das Lernen sichtlich schwer. Stures Lernen aus Bchern gefllt ihm gar nicht Vielmehr fasziniert ihn das Leben, die Natur - die Welt an sich. Er will sie erleben, berhren, spren. So bricht er 1799 zu seiner ersten Reise nach Sdamerika auf, der sich der Film vorwiegend widmet. Gau hingegen hlt es in seiner kleinen Welt fest - alles, was er zum Forschen braucht, findet er im Alltag. Ob beim Ziehen eines Zahns, beim vertrumten Blick in die Wolken whrend eines Schferstndchens oder beim Anblick einer Gnseschar - Gau erkennt berall Zahlen, Formeln, Mathematik. Seine ganze Welt ist in seinem Kopf.

Daniel Kehlmann ist es in seinem Roman gelungen, zutiefst menschliche Portrts der historischen Figuren zu zeichnen. Er gibt ihren Entdeckungen ein Gesicht, ihren Formeln Charakter. An diesem Punkt setzt auch die Verfilmung an. Gau und von Humboldt sind in erster Linie menschliche Wesen, die gerade aufgrund ihrer Auergewhnlichkeit, ihres Genies im Alltag scheitern und nur schwer ihren Platz in der Gesellschaft finden knnen. Beide besttigen genau das, was man ber Genie und Wahnsinn sagt - sie liegen eng beieinander. Wenn von Humboldt sich in Sdamerika fr Menschenrechte und Akzeptanz fremder Kulturen einsetzt, wirkt er bei allem Wagemut doch hilflos, ja fast beschrnkt, insbesondere aufgrund seines eigentmlich anmutenden Sprachduktus - stndig drngen sich Zweifel auf, ob man es mit einem genialen Wissenschaftler oder mit einem naiv-dmmlichen Abenteurer zu tun hat.
Die Vermessung der Welt
D 2012
Verleih: Warner
Genre: Literaturverfilmung
Filmlaufzeit: 123 min
Regie: Detlev Buck
Drehbuch: Daniel Kehlmann, Detlev Buck
(nach dem gleichnamigen Roman von Daniel Kehlmann)
Darsteller: Florian David Fitz, Albrecht Abraham Schuch,
Jrmy Kapone, Vicky Krieps, Katharina Thalbach,
Sunnyi Melles, Karl Markovics, Max Giermann, David Kross
Filmstart: 25.10.2012


An Gau Genie hingegen besteht kein Zweifel - dies stt jedoch an Grenzen, wenn es um zwischenmenschliche Belange geht. Wenn er hilflos um die Hand der adretten Johanna wirbt oder seinen Kindern einen Hauch von Genie zu entlocken versucht, wirkt er wie ein kleiner Schuljunge. Florian David Fitz berzeugt besonders als alter Gau: ewig nrgelnd, auf die ganze Welt schimpfend und um Ruhe bittend - ein Charakterkopf, der sich wenig darum schert, was der Rest der Welt von ihm denkt. Daneben der fast schon stotternde von Humboldt, der bei seinen Bemhungen um Etikette von einem Fettnpfchen ins nchste tritt - ein Vergngen, den beiden zuzusehen. Zwei Wissenschaftler - zwei Biografien: jede von ihnen bte genug Stoff fr einen Spielfilm. Beide unter einen Hut zu bringen, ihre Geschichten spannend und verstndlich zu erzhlen, kaum vorstellbar. Doch gerade aus der parallelen Darstellung beider Leben ergibt sich die Faszination. Dabei berauschen die farbenprchtigen Bilder des fernen Regenwalds genauso wie die sepiagetrnkten Szenen im historischen Braunschweig. Regisseur Buck nutzt dabei die 3-D-Technik voll aus, seine Bilder haben Tiefe und vermitteln dabei umso mehr Nhe zum Geschehen.

Natrlich bieten Biografien nur begrenzt Spannungsbgen und so wirkt die Dramaturgie des Films mitunter so sperrig, wie ihre Hauptfiguren. Zwei Leben in zwei Stunden knnen auch nicht auserzhlt werden, und so fllt es hier und da schwer, den historischen Anschluss zu finden, sollte man sich nicht schon vorab mit der Thematik befasst haben. Die Schauspieler wirken grtenteils authentisch, teilweise aber auch berzogen. Sunnyi Melles als Mutter Humboldt agiert wie ein barocke Punkmutti - exzentrisch und wahnsinnig - ihre Auftritte sind am Rande des Nervenzusammenbruchs - auch fr den Zuschauer. Max Giermann, vor allem bekannt als Parodist, tut sich schwer in der Rolle eines preuischen Offziers, sein Spiel changiert immer nah am Rande der Parodie - es scheint, als knnte er sich nur mit Mhe verkneifen, nicht in eine seiner Parodien zu verfallen. Aber das sind glcklicherweise Ausnahmen: Neben einem groartigen Florian David Fitz als Gau berzeugen Katharina Thalbach als Mutter Gau und Vicky Krieps als Gauߴ erste Frau Johanna mit Natrlichkeit und zurckhaltendem Spiel. David Kross ist leider nur ein sehr kurzer Auftritt als Gauߴ Sohn vergnnt, doch er hinterlsst einen bleibenden Eindruck.

Neben den berauschenden Bildern berzeugt auch der epische Soundtrack sowie Daniel Kehlmann, der als Off-Erzhler auftritt und so dem Film einen mrchenhaften Anstrich gibt. Und das ist es doch auch: Ein Mrchen von zwei groen Menschen, die ihre Trume trotz aller Widerstnde verfolgt haben und dabei groes erreicht haben: fr sich und fr die Menschheit.



Mehr Infos zum Film auf der Offiziellen Homepage und auf Facebook

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