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Die Crew bei der Arbeit
   
 

Der eigentliche Star des Films - Jack (Uggy) mit Peppy
   
Vor wenigen Tagen wurden die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben. Kaum zu glauben, aber ein Stummfilm in schwarzwei ist mit 10 Nominierungen der groe Favorit! Doch wer Michel Hazanavicius Film gesehen hat, der ist nicht mehr berrascht. "The Artist" ist eine Liebeserklrung an das Kino, an eine lngst vergangene und fast schon vergessene ra, an die Goldenen 20er und die groe Zeit des Stummfilms.

Wir schreiben das Jahr 1927. George Valentin ist der groe Star des Kinos. Ob als Geheimagent, Musketier oder Zorro - er ist der perfekte Held. Die Frauen liegen ihm zu Fen, die ganze Welt feiert ihn und seine Filme. Eine neue Technik ist im Vormarsch - der Film lernt sprechen. Doch George ignoriert die Zeichen der Zeit und tut den Tonfilm als ein kleine, unbedeutende Erfindung ab. Von Erfolg und Eitelkeit berauscht bemerkt George nicht, wie er seine Karriere und seine Ehe in den Ruin treibt. Viel zu spt stellt er fest, dass ihm nichts mehr geblieben ist. Nichts, auer seinem treuen Hund Jack und seinem Stolz, der es nicht zulsst, fremde Hilfe anzunehmen.

Zeitgleich steigt die erfrischend frhliche und extrovertierte Aktrice Peppy Miller zum neuen Stern Hollywoods auf. War sie anfangs als Komparsin lediglich ein schnes Accessoire an Georges Seite, so ziert ihr Gesicht jetzt die Eingnge der groen Filmpalste. Das Publikum hat einen neuen Liebling, doch Peppy hat den einstigen Star George nicht vergessen. Und sie empfindet mehr als nur Schwrmerei fr den Hollywood-Beau. Was ist strker? Peppys Liebe oder Georges Stolz? Peppy und George sind Protagonist und Antagonist - sie redet, er schweigt. Sie handelt, er erstarrt. Dabei gehren sie doch zusammen, wie Vergangenheit und Zukunft, wie Bild und Ton.
The Artist
Frankreich 2011

Verleih: Delphi
Genre: Tragikomdie
Filmlaufzeit: 100 min
Regie: Michel Hazanavicius
Darsteller: Jean Dujardinh, Brnice Bejo,
John Goodman, James Cromwell, Penelope
Ann Miller und Hund Uggy als Hund Jack
Kinostart: 26.01.2012


Autor und Regisseur Michel Hazanavicius hat mit "The Artist" ein wunderschnes Hollywood-Mrchen auf die Leinwand gezaubert. Er lsst seine Stars durch die Tore der Kinograph-Filmstudios fahren, die bis ins Detail an die Pforten der Paramount-Studios erinnert. Er gewhrt einen Einblick in die Welt des Films, des Stummfilms und des frhen Stummfilms. "The Artist" strotzt nur so von Andeutungen und Zitaten und ist ein Genuss fr jeden Cineasten, fr Stummfilmliebhaber und fr die, die bislang nichts damit anfangen konnten.

"Nein. Ich sage kein Wort!" schreit George wortlos in der Erffnungssequenz. Hier spielt er noch die Rolle des Geheimagenten, der trotz Elektroschocks keine Geheimnisse preis gibt. Nach dem Happy End lsst er sich minuntenlang vom Publikum feiern, tnzelt selbstverliebt auf der groen Bhne herum, frei von allen Sorgen. Schon bald wird George sich im realen Leben weigern, zu sprechen - zumindest als Schauspieler. Nichts sehen, nichts hren, nichts sagen - wie die drei berhmten Affen, deren Skulptur Hazanavicius nur allzu offensichtlich als nicht zu verkennende Metapher platziert, verschliet George nicht nur den Mund. Er will den Film nicht hren, keine Ratschlge hren, die Realitt nicht sehen.

Wer "Boulevard der Dmmerung" (Sunset Blvd.) von Billy Wilder gesehen hat, dem wird die Geschichte vertraut erscheinen. Wie die alternde Hollywood-Diva Norma Desmond (Gloria Swanson) in ihrer alten Villa nur mit ihrem treuen Diener Max und einem Schimpansen als Spielgefhrte residierte und im Geiste immer noch in der Stummfilmra lebte, so hat auch George nur noch seinen Diener Clifford und Hund Jack. Wie Norma schaut er sich immer und immer wieder seine alten Erfolge an, kann einfach nicht loslassen. Doch im Gegensatz zur Hollywood-Diva Wilders erkennt George seine Lage und droht daran zu verzweifeln. Nur die Liebe kann ihn retten. Schon im alten Hollywood gab es keine Garantie fr ein Happy End. Wie hat sich wohl Hazanavicius entschieden?

"The Artist" ist nostalgisch, liebevoll, rhrend. Eine Liebeserklrung an das Filme machen und an das groe Erlebnis Kino. Auch ohne Worte. Auf dieses gelungene Experiment sollte man sich einlassen - es lohnt sich.


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