Regisseurin Nettelbeck und Lauren Lee Smith
   
 

Lauren Lee Smith
   
Es erscheint als schicksalhafter Zufall, dass auf den Tag genau eine Woche nach dem tragischen Selbstmord des an Depressionen erkrankten Nationaltorwarts Robert Enke die NRW-Premiere eines Filmes gefeiert werden soll, der genau diese schwere Krankheit thematisiert. An einen bitter-bösen Marketingzug ist allerdings nicht zu denken, denn schließlich stand der Premierentermin schon eine Weile fest. Frage ist eher, wie man einen Film über Depression im Schatten eines solchen Dramas angemessen präsentiert. Bei der "Helen"-Premiere im Kölner Cinenova ist dies gelungen.

Neben dem Geschäftsführer der Filmstiftung NRW Michael Schmidt-Ospach und Warner Bros. Executive Marketing Director Christoph Liedke waren auch die Produzentin des Films Judy Tossell, Kameramann Michael Bertl sowie die Regisseurin Sandra Nettelbeck selbst und ihre zweite Hauptdarstellerin Lauren Lee Smith zugegen. Das ausgesprochen gute Verhältnis zwischen der sympathischen Nettelbeck und ihrer Schauspielerin war unübersehbar. Es wurde umarmt, gelacht und getuschelt. Die 29jährige Kanadierin Lauren Lee Smith strahlte dabei auf dem roten Teppich eine absolute Ruhe und Gelassenheit aus. Charismatisch lächelte sie in die Kameras und beantwortete vereinzelt Fragen. Sie drehe bereits seit 2 ½ Monaten in Köln den TV-Zweiteiler "Hindenburg", teilte sie den Reportern mit. Der Film "Helen" liege ihr besonders am Herzen, da es wichtig sei, dass die Menschen sich das immer noch als Tabu geltende Thema Depression bewusst machen und dass darüber gesprochen werde.

Der Fall Enke beschäftigte die Zuschauer merklich. Im Kinosaal wurde "Helen" sensibel mit einem Zitat von dessen Frau Teresa eingeleitet: "Wir haben gedacht, wir schaffen alles, und mit Liebe geht das, aber man schafft es doch nicht immer." Die Bedeutung dieses Satzes entfaltet sich auf der Leinwand: Helen ist glücklich verheiratet, liebt ihre Tochter, ihren Mann und ihren Job. Aber trotzdem erkrankt sie an schweren Depressionen. Der Film schildert eindringlich und überzeugend den Kampf gegen diese gefährliche Krankheit.

Nach dem Film saß das Publikum noch andächtig in den Kinosesseln. Als im Anschluss das Filmteam rund um Regisseurin Nettelbeck nochmals auf die Bühne kam, wurde erneut die sehr gute – fast liebevolle - Stimmung zwischen ihnen deutlich. Wieder wird viel umarmt, gelacht und gelobhudelt. Vor allem zwischen Regisseurin und Darstellerin Lauren Lee Smith hat es offenbar "Klick" gemacht. Ashley Judd wiederum sei anfangs nicht für die Rolle der Helen vorgesehen gewesen, aber als die ursprüngliche Darstellerin abspringen musste, sagte Judd, die sich sofort für das Drehbuch begeistert hatte, direkt zu – und gibt in diesem Film wohl die beste schauspielerische Leistung ihrer Karriere ab.

Die "Wärme" die man zwischen den am Film Beteiligten bei der NRW-Premiere spüren konnte, ermöglichte wohl auch diese besondere Intensität der Geschichte zu transportieren. Sandra Nettelbeck verlor selbst eine gute Freundin an die Depression und als Motiv ihres Projekts galt das Ziel, mit "Helen" aufzuklären und zu Fragen anzuregen. Ein Schritt, die Krankheit verstärkt zu thematisieren und aufzurütteln.

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