campus-web Bewertung: 3,5/5
   
Ob Das Posthasser-Buch oder Senk ju vor trweling- wer sich heutzutage immens ber etwas rgert, verfasst kurzerhand ein Buch, welches eine gnadenlose Abrechnung mit dem entsprechenden rgernis zum Kern hat. Armin Himmelrath hat nun das Handbuch fr Uni-Hasser geschrieben und rechnet damit in Fortsetzung von einschlgig bekannten Werken wie dem Lehrer-Hasser-Buch mit dem desolaten Bildungssystem und speziell mit der Instanz der Hochschulen in Deutschland ab.

Armin Himmelrath - Handbuch fr Uni-Hasser

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erschienen: November 2009
Genre: Roman
ISBN: 346204155X
Bindung: Broschiert
Preis: 7,95
Direkt bestellen


Ein Handbuch fr Uni-Hasser! In Zeiten von Bildungsstreik und marodem Bildungssystem erscheint dieser Titel wie ein Aufkleber auf dem Tagebuch eines Durchschnittstudenten. Und tatschlich fragt man sich als Student beim Lesen des Buches immer wieder, warum man nicht selbst lngst seine Erfahrungen, die man im Laufe der Hochschulkarriere sammeln durfte, niedergeschrieben und verffentlicht hat.

Gnadenlos fhrt Himmelrath alles an, was zur Zeit im System der Hochschulen schief luft: Angefangen beim Zulassungschaos durch Abschaffung der ZVS und folgende unorganisierte Eigenregie der Universitten, wird ein weiter Bogen ber unmotivierte und mangelhaft ausgebildete Lehrpersonen bis hin zur verkorksten Bologna-Reform und den fraglichen Einsatzgebieten der Studiengebhren gespannt.

Immer wieder veranschaulicht er die fr Uneingeweihte zeitweise unglaublich anmutenden Begebenheiten mit spezifizierten Beispielen: ob eine Rettungssanitterin, die mit ihrem Abiturdurchschnitt von 2,1 seit nunmehr neun Semestern auf einen Studienplatz wartet und jedes Jahr auf weitere Wartesemester vertrstet wird oder eine Kulturwissenschaftlerin, die zwecks Anerkennung von Leistungen bei einem Hochschulwechsel fr einen Stempel mal eben quer durch Deutschland fahren darf- dem lesenden Studenten fallen dabei allein aus dem eigenen Umkreis weitere Namen ein, die hnliches erlebt haben.

Neben Diplom-Studenten, fr die sich keiner mehr zustndig fhlt, finden sich Bachelorstudenten, die sich als Versuchskaninchen unausgegorenen Studien-Experimenten ausgesetzt fhlen ebenso wie Mediziner oder Juristen, die von Bologna noch gnzlich unbetroffen sind. Sie alle tummeln sich mit aus Zeitmangel zusammenkopierten Hausarbeiten auf dem Weg zu Dozenten, die ebenso wenig Zeit fr Sprechstunden haben, zwischen verpatzten Internet-Seminaranmeldungen und Stempel-Marathons.

In zehn Kapiteln greift der Autor all jene Probleme auf, die den Studenten aktuell die Studienzeit vermiesen, Bologna-Prozess ebenso wie die Studiengebhren oder allgemeiner Brokratiewahn. Einen resmierenden Abschluss finden sie jeweils im zynischen Unitipp, der Empfehlungen zum einigermaen unbeschadeten berleben des Uni-Dschungels gibt, so zum Beispiel, sich bestndig in den drei GGG (Geduld, Gengsamkeit und Gleichmit) zu ben.

In einem lockeren, der breiten Masse zugnglichen Stil beschreibt Himmelrath, seines Zeichens Journalist mit langjhriger Erfahrung als Student und Lehrbeauftragter an der FU Berlin und Hochschule Bremen, die Skurrilitten, die einem im alltglichen Wahnsinn der deutschen Hochschullandschaft ber den Weg laufen knnen.

Man sitzt da, schmkert in dem Buch, das ob seines schon erwhnten lockeren Stils schnell durchgelesen ist, und knnte mittendrin einfach Losheulen: entweder, weil das dargebotene Potpourri der Erlebnisse, die man heutzutage im Hochschulalltag ertragen muss, so entsetzlich, grausam und unvorstellbar wahr ist- oder weil man stark frustriert ber die Tatsache ist, dass man nicht selbst auf die Idee gekommen ist, dieses Buch zu schreiben.

Letztlich scheint nur der Titel des Buches Handbuch fr Uni-Hasser somit ein wenig unglcklich gewhlt, viel eher hat man es hier mit einem Handbuch fr Uni-Geschdigte zu tun, womit sich wiederum die breite Masse der Studentenschaft angesprochen fhlen darf.

Ob nun Jura-oder Philosophie-Student, die meisten werden sich selbst in der ein oder anderen Weise hier wieder entdecken, da man genau das in gedruckter Form vorfindet, was man allmorgendlich am Frhstckstisch der WG ausufernd anprangert und im Zuge des Bildungsstreiks zu verndern versuchte. Denjenigen auerhalb des Hochschulsektors, die sich im Verlauf der letzten Monate gefragt haben, was denn diese streikende Meute von jungen Menschen eigentlich fr ein Anliegen habe, sei dieses Buch somit ebenfalls wrmstens ans Herz gelegt, um einen Einblick in die Absurditten zu bekommen, mit denen man sich als Mitglied der Hochschulebene heutzutage herum schlagen darf.

Artikel drucken