campus-web Bewertung: 4/5
   
Sicherheitswahn, berwachungsstaat und der Abbau brgerlicher Rechte - so lautet der Untertitel des vor kurzem erschienen Buches. Was sich hier noch wie ein trockenes Lehrbuch fr Juristen anhrt, ist in Wirklichkeit ein ungemein spannendes und leicht zugngliches Werk zu einem mehr als aktuellen Thema.

I. Trojanow, J. Zeh Angriff auf die Freiheit.

Verlag: Hanser
Erschienen: August 2009
Genre: Politik
ISBN: 3446234187
Bindung: Broschiert
Preis: 14,90
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Die beiden Autoren stellen zunchst Fragen. Ob wir uns sicher fhlen, wollen sie wissen und was wir denn bereit wren fr diese Sicherheit aufzugeben. Natrlich fhle ich mich sicher!, denkt man sich zunchst. Und aufgeben muss ich dafr auch nichts! Doch je weiter man liest, desto mehr wird einem klar, dass wir bereits auf viele Teile unserer Privatsphre verzichtet haben, um uns vor Bedrohungen zu schtzen. Auch diesem Begriff fhlt das Duo auf den Zahn. Unter dem Motto Angst sells hinterfragen sie die von den Medien immer fter benutzten Schlagworte wie Terrorbekmpfung oder Terrorverdchtiger und stellen fest, dass diese Begriffe erschreckend undefiniert benutzt werden und die entsprechenden Gesetze somit auch recht
willkrlich angewandt werden knnen; auch auf uns, die braven Brger, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen.

Wer denkt, man habe nichts zu befrchten, wenn man nichts Bses tut, der irrt sich. Denn mit den Vollmachten, mit denen sich der Staat immer weiter ausstattet, spielt es keine Rolle, ob man wirklich etwas Gesetzwidriges tut oder nicht den Zugriff auf den heimischen Computer haben die Behrden auch ohne eine konkrete Begrndung. Mit zahlreichen Beispielen belegt (wie brigens jede Behauptung, die in dem Buch aufgestellt wird), wird einem vor Augen gefhrt, wie wirkungslos all die neuen Sicherheitsgesetze eigentlich sind. Wer ein konkretes Beispiel dafr braucht, sollte alleine an die zahlreichen Kameras, die mittlerweile jeden Bahnhof und jede Bahnstation schmcken, denken. All die traurigen bergriffe, von denen man in letzter Zeit so viel gelesen und gehrt hat, wurden durch sie nicht aufgedeckt - geschweige denn verhindert.

Es gibt viele Methoden - wie etwa die Rasterfahndung, die Videoberwachung ganzer Stdte (London) oder der biometrische Reisepass - von denen die Politik behauptet, sie seien ntzlich, wirkungsvoll und hlfen die Sicherheit der Brger zu verbessern. Bei genauerem Hinsehen stellt man jedoch oft fest, dass die Manahmen vllig wirkungslos, ja sogar absurd sind. Kleines Beispiel gefllig?

Der neue ePass enthlt digitalisierte Photos und Fingerabdrcke des Passinhabers. Dieses Verfahren soll Terroristen die Verwendung von geflschten Pssen erschweren. Dies scheint zunchst einzuleuchten. Doch fhrt das Buch auf, dass in dem Zeitraum von 2001 bis 2006 gerade mal sechs geflschte Psse des alten Modells in Umlauf kamen. Auerdem soll kein einziger Fall von gestellten Terroristen mit geflschten Pssen bekannt sein. Diese Zahlen werden von der Politik natrlich nicht sehr gerne erwhnt. Stattdessen fordern sie immer weitere Schritte und Vollmachten, um die Brger zu schtzen. Ein Zitat von Angela Merkel spricht ziemlich fr sich: Eigentlich luft alles ganz prima, aber trotzdem brauchen wir mehr berwachung.

Die Autoren fordern die Leser dazu auf, daran zu denken, dass die scheinbare Freiheit nicht wirklich eine solche ist. Allzu schnell haben wir vergessen, wie lange der Kampf um unsere heutigen Brgerrechte eigentlich war und welchen Preis er gekostet hat. Statt uns zu informieren und zu wehren, erleichtern wir eine extendierende berwachungspoltik, indem wir uns etwa auf Internet-Portalen wie Myspace, StudiVZ oder Facebook freizgig prsentieren.

Die aktuellen Ereignisse geben dem Buch recht. Vor wenigen Tagen wurde ein Abkommen unterzeichnet, welches es der USA erlaubt, bei Terrorverdacht auf Millionen von europischen Bankdaten zuzugreifen. Wie immer ist dieses Abkommen ohne jegliche Brgerbeteiligung durchgesetzt worden. Wie immer hat sich kaum einer beschwert. Wie lange sind wir bereit zu schweigen? Die Autoren fordern uns zum Handeln auf, noch sei es nicht zu spt. Angriff auf die Freiheit zu lesen wre schon mal ein sehr guter Anfang.

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