Michael Weins
   
 

campus-web Bewertung: 3,5/5
   
Wie wichtig fr ein Buch ist doch manchmal schon die Wahl des richtigen Protagonisten. Ob sympathisch oder nicht ist dabei vielleicht gar nicht mal entscheidend mehr das wie und warum seiner Biographie. Was tut unser Held in diesem Buch, mit dem wir einen guten Teil unserer Zeit verbringen sollen? Sind seine Reaktionen schlssig? Und ist dieser character interessant?

Michael Weins - Delfinarium

Verlag: Mairisch Verlag
Erschienen: April 2009
Genre: Roman
ISBN: 3938539119
Bindung: Gebunden
Preis: 17,90
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Im Mittelpunkt von Delfinarium steht ein junger Mann, Daniel. Das Abitur und den Zivildienst hinter sich gebracht, steht der nun vor einem Loch, wei nicht, wie es weiter gehen soll. Studium, Ausbildung oder etwas ganz anderes? Zu Entscheidungen nicht fhig, berbrckt er irgendwie die Zeit. Das bietet fr den ein oder anderen Leser doch schon einmal enormes Identifikationspotential.

In Daniels Fall heit das, auf eine Frau aufzupassen, die unter Amnesie leidet. Er geht mit ihr in den Zoo, doch eigentlich nur ins titelgebende Delfinarium. Das ist alles, fr das sich seine ihm Anvertraute interessiert: Delfine. Und Marie, so ihr Name, ist ebenso bald das einzige, um das Daniels Gedanken kreisen.

Diese Geschichte entwickelt schnell eine rtselhafte Spannung, denn zur Frage, was denn berhaupt mit Marie los ist, kommen weitere. Stimmt ihre Biographie berhaupt? Neben ihrem Mann ist da noch jemand, der vorgibt, sie zu kennen unter einem anderen Namen. Wer ist der Mann, der ihr eine gnzlich andere Identitt zuweist und sie fr sich beansprucht? Und dann breitet sich als Kulisse und zweiter Handlungsstrang eine Debatte um das Schicksal des Alten Landes aus. Auf seltsame Weise scheinen hier Tradition und gewisse Zirkel die Antwort fr Fragen nach Identitt und Zuweisung, Schicksal und Glck parat zu halten.

Mit diesen Fakten als Grundlage wre nun alles mglich gewesen: Jugendroman, erschpfende Charakterstudie, Psychogramm in Prosaform. Auf eine Weise hat Michael Weins alles in einem hinbekommen, nur dass die Schilderungen Daniels nicht nach Jugendsprache klingen und der Blick auf die wesentlichen Dinge gerichtet bleibt. Das Buch spielt im Alten Land, doch findet ein Groteil der Handlung in den Kpfen der beiden Protagonisten Daniel und Marie statt.

Das Reizvolle daran ist, dass wir an seinen Gedanken teilhaben drfen, an ihren nicht. Wie bei einem Telefonat, das mit einem Ohr aus dem Nebenzimmer belauscht wird. Der Vergleich passt.

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