Sven-Andr Dreyer
   
 

campus-web Bewertung: 4/5
   
Bei Sven-Andr Dreyer sind Trume oft wie Luftballons sie reien ab, steigen auf oder platzen. Der Traum ist eines der Motive, das sich bei dem jungen Autor oft wiederfindet.
Dabei sind es meist ganz alltgliche Situationen, von denen er erzhlt. Das gelingt ihm mal mit einer kurzen Geschichte, mal sogar mit einem Gedicht von nur sechs Worten.

Sven-Andr Dreyer - Freizeichen

Verlag: Edition Paper One
Erschienen: Mrz 2009
Genre: Lyrik, Kurzprosa
ISBN: 3941134302
Bindung: Taschenbuch
Preis: 8,95
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Doch hufig schweifen die Gedanken des lyrischen Ichs pltzlich ab und finden sich in Fantasiewelten wieder. So haben Achim und der Erzhler gerade noch gemtlich beisammen in der Kche gesessen und geraucht, bis sie sich pltzlich als sterbende Seemnner auf hoher See befinden.

Die Worte Dreyers sind klar und authentisch, nur selten abstrakt. Sie haben Rhythmus, ohne sich dabei zwingend an bestimmte Vers- oder Reimformen zu klammern. So entwickelt Dreyer seinen ganz eigenen Sprachstil, der durch Witz und Einfachheit berzeugt, ohne dabei geknstelt zu wirken.

Seine Texte stellen Verbindungen zu den kleinen und groen Dingen des Lebens, schnen und traurigen Momenten her, in denen sich der Leser leicht wiederfinden kann. Sie erzhlen von Erinnerungen an die Kindheit, von der Verwunderung ber das andere Geschlecht oder sie beobachten spezielle Typen von Menschen. Kurz gesagt, entwerfen sie Bilder der sozialen Umwelt und der Beziehungen zu ihr - im Allgemeinen wie im Besonderen.

Freizeichen ist ein sehr handliches, kompaktes Werk, das sich in vier kleine Kapitel untergliedert. Es scheint, als baue Dreyer darin einen Emotionswandel auf. Kurzzitate anderer Knstler, die er an den Anfang jedes Kapitels stellt, dienen hierbei als eine Art Metatext der mutierenden Stimmungen: Ist diese zunchst noch unbeschwert, so erhlt sie bald einen humoristischen Beigeschmack, wird dann nachdenklich und melancholisch.

Im Kapitel Freizeichen sind es Alltagssituationen, die Dreyer beschreibt: wie Neues verblasst und zu Gewohntem wird oder warum die Welt manchmal wie ein Sandkasten ist.

In Du Engelwurz versammeln sich hauptschlich lyrische Beitrge mit nachdenklichem Unterton, die aber oft humoristische Wendungen nehmen. Da geht es um verkehrte Welten, in denen nicht die Tiere, sondern die Tierwchter im Zoo Winterschlaf halten, um einen Hasenhusten oder Pommesbudentrume. Beeindruckend ist Dreyers Gespr fr Wortspiele: In einer Liebesbeziehung im Jargon der Gewrzwelt liebstckelt eine Sdolde in das Baldrianleben eines kmmeligen Waldmeisters, die beiden kressen sich erst zaghaft, wacholdern aber bald schon.

In Freitagnacht, nulluhrsieben kommen Tristesse und Melancholie auf: Es geht ums Abschiednehmen, um das Vergessen und Vergessenwerden. Dabei schlpft Dreyer auch mal in die Haut eines Schafs im Wolfspelz, um das Auenseitertum zu illustrieren.
Am Ende gerafft versammelt Geschichten ber Rosco, Einblicke in seine Lebenswelt und Gedanken. Es sind Texte, die Dreyer bereits als Kolumne auf www.digitalkunstrasen.net
verffentlicht hat. Hier beschreibt Rosco in einer Art von Tagebucheintrgen das Punk-Sein, denkt darber nach, wie es so wre, einfach mal in die Hose zu machen oder wie es so ist, wenn man niemals Angst hat.

Ob es sich um den alltglichen Gang zur Pommesbude handelt, darum, wie wir uns in der Grostadt verlieren, um das Zerplatzen eines Traums oder um die wehmtige Erinnerung an die Kindheit: Mit den Bildern, die Dreyer in Freizeichen entwirft, ist ihm eine Zusammenschau von Werken gelungen, die sich einem Jeden von uns ffnet.

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