campus-web Bewertung: 2,5/5
   
So scheint Autor Steffen Boos an das Buch herangegangen zu sein, und da dieses Statement nicht das Allerneueste auf der Welt ist und sich mit einem einfachen 'Ja, stimmt' kommentieren lsst, unterstellt es dem Geschriebenen von Anfang an ein gewisses Mass an Oberflchlichkeit.

Steffen Boos - Popmusik und die amerikanische Gesellschaft

Verlag: VDM Verlag Dr. Mller
Erschienen: Mrz 2009
Genre: Musikwissenschaft
ISBN: 3639129695
Bindung: Taschenbuch
Preis: 49,00
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Boos startet mit der Beschreibung der 50er Jahre und dabei ganz traditionsbewusst mit dem Mann mit dem berhmten Hftschwung. Soweit, so gut, aber dass Herr Presley mit wildem Tanzstil und berhmten Backbeat 4/4 Takt die Jugendkultur revolutioniert hat, ist ja nun nicht wirklich die neueste Erkenntnis. Gottlob geht der Blick des Autors aber doch noch ein Stck weiter und fhrt ber einen kurzen Exkurs zu Etymologie des Begriffs Rock'nRoll mitten in die musikalische Wirtschaftskrise der damaligen Zeit, Bill Haley meets McCarthy. Dessen Kommunistenhass wird als Auslser fr soziale Starre und krampfhaften Konformismus in der Bevlkerung genannt. Folgen: der revolutionre Kern in der Musik wird von angepasstem Massenkonsum verschluckt, die New Yorker Tin Pan Alley mit ihren Hochglanz-Mainstreamproduktionen floriert und wir sind mitten drin im Galopp durch einen kulturell-geschichtlichen Abriss der amerikanischen Kultur.

Dass dieser auf gut 100 Seiten nur eine relativ oberflchliche Betrachtung zuteil werden kann, ist klar und so muss man dem Autor wohl nachsehen, dass in den einzelnen Epochen, denen er sich widmet nur die musikalischen Gren Erwhnung finden. Also lsst man sich im 50er Jahre Kapitel auf Elvis Presley und Chuck Berry ein, dem als erster Afro-Amerikaner ein Hit gelungen ist, und das auch noch mit dem sozial-kritischen Johnny B. Goode. Spannend dabei der kurze Abriss zu den Auswirkungen des Rassismus auf die Popkultur und die Erinnerung daran, dass die sogenannte 'Race Music' von afro-amerikanischen Knstlern tatschlich erst vor gut 50 Jahren den Sprung in die Mainstream-Kultur geschafft hat, solange ist das alles noch gar nicht her.

In den frhen 60ern wird man vom Autor dann zu Bob Dylan gefhrt, zu wem auch sonst, und die 'British Invasion', die frischen Wind auf den amerikanischen Musikmarkt geblasen hat, verleitet den Autor zur Fokussierung auf die Beatles. Genauso stereotyp gibt sich der Exkurs in die Hippie-eske 'Counter Culture', bei der Scott McKenzies Hit If you're going to San Francisco nicht fehlen darf.Aber gab es neben Herrn McKenzie und Jefferson Airplane, die man auch kennt wenn man Fear&Loathing in Las Vegas gesehen hat, nicht vielleicht doch noch mehr erwhnenswerte Bands?

Und so zieht es sich als roten Faden durch das Buch, in jedem Unterkapitel wird der Blick ber den Rand des kanonisierten Tellers vergessen, und so ganz nachsehen kann man es dem Autor dann doch nicht. Im Rahmen der Mglichkeiten kann natrlich kein Anspruch auf Vollstndigkeit gestellt werden, ein flchtiger Blick nach links und rechts wre aber schn gewesen. Zu kurz kommt aber in keinem Teil die Betrachtung von sozialen und politischen Umstnden, und teilweise werden die sogar am Beispiel der Musikindustrie beschrieben, was fr einen kurzen Blick hinter die Kulissen der amerikanischen Popmusik sorgt. Und fr die Didakten unter uns sind die letzten Seiten der mglichen Anwendung im Fremdsprachenunterricht gewidmet.

Trotz akademischen Gimmicks wie Funoten und eingerckten Zitaten bleibt es eine sehr kurzweilige Lektre, die einen groben berblick ber die 50er bis 70er Jahre amerikanischer Popkultur und vor allem sozio-kulturellen Aspekten derer bietet, viel mehr aber leider auch nicht.

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