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Hausarbeit, Referatstext, Bachelor Thesis Schreiben gehrt fr jeden Studenten zum Studium ganz selbstverstndlich dazu. Oder zumindest sollte es das. Doch viele tun sich schwer, sei es im ersten Semester, wenn die allererste Seminararbeit ansteht, oder kurz vor dem Ende, wenn 100 Seiten Diplomarbeit gefllt werden wollen. All denen mchte Otto Kruse mit seinem Buch Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium helfen. In der mittlerweile zwlften und vllig neu bearbeiteten Auflage prsentiert er Mglichkeiten und Anstze, wie man den Schreibprozess sinnvoll angeht und worauf man achten sollte.

Otto Kruse Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium.

Verlag: Campus Verlag
Erschienen: Oktober 2007
Genre: Lernhilfe
ISBN: 978-3-593-38479-5
Bindung: Taschenbuch
Preis: 16,90
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Dabei ist das Buch selbst schon wie eine Hausarbeit aufgebaut: In den ersten Kapiteln erklrt der Autor seine Problemstellung und dann die Grundlagen des Schreiben. Im dritten Kapitel folgt Schreiben als Konstruktion von Wissen. Das alles ist noch reichlich theoretisch und deswegen eher mhselig als Einstieg, vor allem fr Studenten, die bereits die ein oder andere Arbeit geschrieben haben. Wer aber wirklich Schwierigkeiten damit hat, was wissenschaftliches Schreiben ist und wie man ein Thema richtig ausarbeitet, der wird diese Kapitel dankbar lesen. Kruse verwendet dabei die ganze Zeit selbst Wissenschaftssprache und zitiert korrekt nach der amerikanischen Zitierweise. Das macht das Lesen zwar nicht einfacher, hilft aber sicherlich, ein Gefhl fr die Sprache von Hausarbeiten zu bekommen.

Ab dem vierten Kapitel, Gestaltung von Sprache in Schreibprojekten, wird es dann auch endlich praktisch: Was schreibt man, was darf man auf keinen Fall schreiben, und vor allem: wie schreibt man? Besonders die Sprache ist fr viele Studenten ja eine der grten Schwierigkeiten. Zwar gibt Otto Kruse keine Liste mit passenden Formulierungen und Ausdrcken, aber immerhin einen allgemeinen berblick mit den wichtigsten Regeln zu wissenschaftlichem Formulieren. Anschlieend folgt dann eine Schritt-fr-Schritt-Anleitung. Die hilft vor allem, alle Arbeitsphasen und vor allem die dafr bentigte Zeit richtig einzuteilen.

Hilfreich sind auch die Abbildungen, die Kruse zur Veranschaulichung seiner Aussagen verwendet und die auf den Punkt bringen, was das Wichtige beim wissenschaftlichen Schreiben ist.
Weniger hilfreich sind aber so manche albernen Ratschlge, die in Richtung Kchenpsychologie gehen. Vielleicht sind dies nur Versuche, vom Abstrakten zum Konkreten berzuleiten. Aber der Tipp, sich selbst einen Brief zur eigenen Arbeit aus Sicht einer Koryphe des Fachs zu schreiben, ist eher wirr als wirksam.

Ein Problem von Keine Angst vor dem leeren Blatt ist die Ausrichtung des Buchs auf alle Studienfcher und Studienjahre. Es gibt Hinweise fr Geisteswissenschaftler, Naturwissenschaftler, Doktoranden, Erstsemester und vieles mehr. Auf zahlreiche Einzelflle und Besonderheiten mancher Fcher kann Otto Kruse gar nicht eingehen, auch wenn er es immer wieder versucht. So beschreibt er auf ber 40 Seiten stolze 19 Textsorten, mit denen der geneigte Student whrend seines Studiums konfrontiert werden knnte. Auch ein Kapitel ber Schreiben in fremden Kontexten, Sprachen und Genres ist vor allem eine Ansammlung des Wissens von Otto Kruse, selbst Professor und Dozent fr Angewandte Linguistik und Kulturwissenschaften, aber sonst nur fr Einzelflle interessant. Bei wem die Schreibblockade aber tiefer sitzt, fr den liefert Otto Kruse ganz am Ende noch ein paar Tipps, die von Schreibtisch freirumen bis zu einem Besuch beim Psychologen reichen.

Insgesamt ist Keine Angst vor dem leeren Blatt ein gutes Buch, wenn man sich Grundlagen des wissenschaftlichen Schreibens aneignen will und besonders Schwierigkeiten bei der Planung, dem Aufbau und der Umsetzung eines Textes hat. Dafr liefert Otto Kruse viele wertvolle Ratschlge, die fr alle Studienrichtungen und alle Semester gleichermaen gelten. Fr fortgeschrittene Semester ist das Buch aber zu allgemein verfasst und eher ein Notanker, falls doch eine Schreibblockade entstehen sollte.

Wer nur einen ersten Blick in das Buch werfen will, dem sei eine Ausleihe empfohlen: Das Werk findet ihr nmlich sowohl in der Lehrbuchsammlung der Universitts- und Landesbibliothek Bonn und als auch in der Landesbibliothek Kln.


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