campus-web Bewertung: 5/5
   
Also wat is en Feuerzangenbowl? Da stelle mer uns janz dumm. Und da sage mer so: En Feuerzangenbowl, dat is zum enen en alkoholische Punsch und zum anderen enes der berhmtesten Text de deutschen Literatur os dem zwanzichsten Jahrhondert.

Heinrich Spoerl - Die Feuerzangenbowle

Verlag: Droste
Erschienen: August 2008
Genre: Roman
ISBN: 3770013107
Bindung: Gebunden
Preis: 12,95
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Tja, so in etwa wrde Lehrer Bmmel, eine der skurrilsten und wahrscheinlich auch bekanntesten Figuren aus Spoerls "Feuerzangenbowle", dieses Werk beschreiben. Die Geschichte um den fiktiven Autor Dr. Hans Pfeiffer ("mit drei f eins vor dem ei und zwei hinter dem ei") ist sicherlich hinlnglich bekannt, zumindest in der Verfilmung mit dem unnachahmlichen Heinz Rhmann. Kaum ein anderer schwarz-wei-Film hat heutzutage, trotz des kontinuierlichen Bombardements an Hollywood-Blockbustern, noch einen derartigen Erfolg. Tausende Studenten zelebrieren (mit entsprechender Bowle, versteht sich) in den Wintermonaten mit grtem Vergngen Kinovorfhrungen des Klassikers. Jeder Satz wird mitgesprochen, jeder Akzent imitiert. Der eigentliche Roman ist dagegen eher dem Namen als dem Inhalt nach bekannt. Zum 75-jhrigen Jubilum erscheint nun Spoerls "Feuerzangenbowle" in einer Neuauflage und erstmals wieder in der Fassung der Originalausgabe von 1933.

Es erscheint mig, aufgrund der Bekanntheit des Romans, den Inhalt detailliert wiederzugeben. Sofern nun aber dennoch Leser dieser Rezension aufschreien und ihr Unwissen beklagen, sei ihnen, den Schluss vorwegnehmend, die Lektre Spoerls ans Herz gelegt. Wenn Hans Pfeiffer sich als Schler ausgibt, weil er eine ffentliche Lehranstalt noch nie von innen gesehen hat, muss man einfach grinsen. Und trotz des ehrwrdigen Alters des Textes strahlt dieser eine so jugendliche Frische aus, dass dieses erste Grinsen nicht vor der letzten Seite wieder das Gesicht verlsst.

Dafr sorgen nicht zuletzt die groartigen Charakterzeichnungen Spoerls. Das liebenswerte Unikat mit Namen Bmmel hatte ich bereits erwhnt, doch auch Lehrer Schnauz ("Met der Schole est es wie met einer Medizin se mo better schmecken, sonst ntzt se nechts"), der als Antagonist fungiert und der am Ende von Pfeiffer gnadenlos parodiert wird, oder der von allen gehnselte Schlaumeier Luck sind einfach wundervoll gezeichnet. hnliches gilt fr die zarte Liebesgeschichte, die sich zwischen Pfeiffer und der jungen Direktorstochter Eva entwickelt natrlich, in jede Schulgeschichte gehrt auch mindestens ein derartiges Element. Doch whrend dies bei Lehrerschreck Pepe Nietnagel ("Die Lmmel von der ersten Bank") gerne in Peinlichkeiten abgleitet, zeigt Spoerl einmal mehr sein literarisches Talent und wird romantisch, aber nicht kitschig, verzaubert, statt einem die Fremdschamesrte ins Gesicht zu trieben.

Wenn jetzt aber der Film "Die Feuerzangenbowle", dessen Drehbuch brigens auch von Spoerl stammt, so bekannt und gut ist, warum sich dann noch den Roman "Die Feuerzangenbowle" kaufen? Ganz einfach weil die Liebe zur Sprache im Film bei weitem nicht so deutlich wird. Auerdem fehlen, das ist bei Literaturverfilmungen immer so, verschiedene Elemente, die zum Zauber des Textes dazugehren. Wer also "Die Feuerzangenbowle" in Reinform erfahren will, nimmt daher trockenen Rotwein mit Gewrznelken, Zimtstangen, Sternanis, Zitronen- und Orangenschalen, bergiet einen Zuckerhut mit 54-prozentigem Rum, zndet den Zuckerhut an, lehnt sich zurck und schmkert ein bisschen in Spoerls Roman.

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