campus-web Bewertung: 3/5
   
Eric T. Hansen ist mit Sicherheit einer der komischsten Vgel des gegenwrtigen deutschen Literaturbetriebs. Sein Buch Planet Germany ist es ebenso; eine heitere Lektre fr Menschen, die Deutsche sind oder meinen zu sein.

Als Untertitel trgt Hansens Buch den Satz Eine Expedition in die Heimat des Hawaii-Toasts. Dies ist umso bezeichnender, als dass Eric T. Hansen selbst gebrtig von der Pazifik-Insel kommt. Seine Biografie knnte verrckter nicht sein: Vom (deutschen) Mittelalter fasziniert, kommt Hansen als Mormonenprediger in die Bundesrepublik, verlsst dort seine Kirche, studiert Medivistik und arbeitet heute als freier Journalist.

Eric T. Hansen - Planet Germany

Verlag: Fischer
Erschienen: Januar 2007
Genre: Humor
ISBN: 3596173248
Bindung: Broschiert
Preis: 12,95
Direkt bestellen


Sein Thema sind die Deutschen. Diese seltsame Volk, dass Hansen wie ein Forscher, ein Ethnologe unter die Lupe nimmt. Doch so trocken wie in der Studierstube eines Wissenschaftlers geht es in Hansens Buch nicht zu. Mit viel Humor und einer gehrigen Portion Ironie geht der Autor seinem Forschungsobjekt zu Leibe. In den einzelnen Kapiteln nimmt er jeweils eine Eigenschaft als Aufhnger, von der die Deutschen behaupten, sie zu haben oder nicht zu haben, so zum Beispiel Versicherungswut, Zukunftsangst, allgemeine Nrgelei oder Probleme mit der Vergangenheitsbewltigung. Hansen geht somit vom Selbstbild der Deutschen aus. Im bestndigen Vergleich mit seiner US-amerikanischen Heimat, versucht er der Frage nachzugehen, was es berhaupt bedeutet Deutsch zu sein.

Auf seiner Reise durch die deutsche Mentalitt bringt Hansen viel kurioses, zum Beispiel ber die deutsche Esskultur, die weitaus besser als ihr Ruf sein soll, aber auch zu erwartendes zu Tage. Nmlich, ohne dem Buch hier zu viel vorweg zu nehmen, dass die Deutschen gar nicht so sind, wie sie sich selbst gerne sehen (wrden); dass vieles von dem, was man landlufig einer genuin deutschen Identitt zuschreiben will, auf Konstruktion und Kompromiss beruht.

Mit seiner Methode den Deutschen einen Spiegel vorzuhalten, verbindet Hansen auch, mal mehr, mal weniger sublim, Kritik an der hiesigen Bevlkerung. Unter anderem in seiner Ansicht zu Fhigkeiten des Nrgelns, welche die Deutschen, seiner Meinung nach, zur Perfektion getrieben htten. In seiner Manier, der eines Schelms, hat Hansen zu diesem Themenkomplex eine kurze Abhandlung verfasst und im Buch abdruckt. Mit ihr hat er sich an zwanzig deutschen Universitten zur Einrichtung eines Lehrstuhls fr die sthetik des Nrgelns fr seine Person beworben. Drei Lehranstalten haben ihm sogar geantwortet. Deren Schreiben sind ebenso in Hansens Bestandsaufnahme ber die Bundesrepublik abgedruckt. berhaupt machen die Nebentexte zu den einzelnen Kapiteln, die immer in Form erzhlerischer Essays verfasst sind, einen Reiz des Buches aus. So zum Beispiel die Antworten der im Bundestag vertretenen Parteien, plus NPD, auf Hansens Frage, was Goethe und Schiller fr Deutschland bedeuten.

Die Lektre von Hansens Buch bietet nicht durchweg neues, aber selbst fr erfahrene Deutsche noch berraschendes. Manchmal ein wenig blauugig, das muss man ihm schon vorwerfen, bietet das Werk einen spannenden und, was in diesem Zusammenhang viel zu selten vorkommt, einen spaigen Blick in die deutsche Seele. Leider kann auch Hansen nicht abschlieend klren, was die deutsche Identitt ausmacht und was nicht. Vielleicht kann sein Buch aber auch als Pldoyer dafr gelten, dass man nicht immer krampfhaft nach der deutschen Befindlichkeit suchen muss, Widersprche in der Debatte in Kauf nehmen und sich ein Hawaii-Toast schmecken lassen sollte.

Artikel drucken