Was darf ein Schwabe niemals vergessen? Na klar, die Kehrwoche! Eine Woche lang muss der Mieter die Gemeinschaftsrume putzen, im Herbst das Laub wegbringen oder im Winter Schnee schippen - und das immer unter den gestrengen Blicken der Nachbarn. Kein Wunder, dass es auch die heilige Kehrwoche in das Langenscheidt-Wrterbuch "Schwbisch fr Anfnger" geschafft hat. Darin erklrt Christoph Sonntag auf etwa 130 Seiten die Sprache der Menschen im Sdwesten Deutschlands.

Alles hat seine Ordnung

Christoph Sonntag - Schwbisch fr Anfnger
Verlag: Langenscheidt
Erschienen: Mai 2010
Genre: Wrterbuch
ISBN: 978-3-468-73801-2
Bindung: Hardcover
Preis: 9,99
Der Stuttgarter Kabarettist hat erkannt: Einem Dialekt wird man nicht gerecht, wenn man Wort fr Wort bersetzt und das Ergebnis untereinander aufreiht. Meistens bedarf es einer ausfhrlichen Erklrung - wie bei der Kehrwoche, welcher der Autor fast eine ganze Seite gewidmet hat. Wie bei dem wchentlichen Putzritual hat aber auch im Buch alles seine Ordnung. Damit sich ein "Raigschmeggder" - so heien die Zugezogenen - auch schnell zurechtfindet, ist alles in Kapitel unterteilt. Darin bekommt der Leser schn alphabetisch und bersichtlich alle Erklrungen zu Speis und Trank, Basisredewendungen oder Schimpftiraden.

Immer am Meckern

Gem der Maxime "Nicht geschimpft ist genug gelobt" motzt der Schwabe gerne, wenn er nicht gerade am Schimpfen ist. Selbstironisch und mit einem Augenzwinkern stellt Sonntag das heraus - ohne dabei zu schlecht ber seine Landsleute zu reden. Doch die Kehrwoche muss halt ordentlich gemacht werden, da ist der ein oder andere Kommentar schon wichtig. "Brauchd mr d`Hausdier nemme abwischa?" ist da schon eine berechtigte Frage, wenn der Nachbar mal wieder schlampig putzt.

Die Sache mit der Liebe

Bei so etwas erscheint einem der Schwabe manchmal gemein. Doch meistens meint er es gar nicht so. Liebevoll hat der Autor Witze ausgesucht, die das Dilemma auf den Punkt bringen. Eine schne Geschichte ist die des Mannes, der Angst hat, seine Frau zu verlieren. Als sie mit ihm auf das Volksfest geht und Geisterbahn fahren will, sagt er nur: "An daire Schdell dd-i mir dess nomol iiberlega, dia bhalde de womeeglich". Auch das ffentliche Zeigen der Liebe steht bei Sdwestdeutschen nicht gerade hoch im Kurs. Als ein Mann auf einem Herrentreff mit seiner Frau erscheint, sind alle anderen entsetzt. Danach fragen sie ihn, wie er ihnen so etwas antun konnte. Er meint nur: "I han's jo probierd, aber i han me am Schluss oifach nedd ieberwinda kenna, sie zom Abschied z'kssa!"

Rcksichtsvoll erklrt

Christoph Sonntag hat es geschafft, in diesem als Wrterbuch daherkommenden Erklrband, das Wesen der Schwaben auf den Punkt zu bringen. Manchmal hat der Autor dafr ein paar Stze entschrft. "Du bisch doch z'domm zom grad soicha" heit eigentlich "Du bist zu dumm zum geradeaus pinkeln". Sonntag macht daraus "Du bist dumm und ungeschickt". Das schadet dem Buch allerdings nicht. Denn es stellt den Schwaben damit nicht blo, sondern zeigt ihn als das, was er ist. Als einen gengsamen Menschen ("Mr mua zfrieda sei midd dem, was mr hot"), der zwar gerne vor sich hingrummelt, aber ein gutes Herz hat.

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