Es muss wunderbar sein, Herman van Veens Enkel zu sein. Dann bekommt man nmlich Briefe zugeschickt wie in diesem Auszug aus seiner Autobiografie "Erinnerte Tage": "Okay, ich hr auf zu schreiben, ich hre Geklff im Garten, schau mal nach, was da los ist Wildschweine oder ein Zauberer? Man wei ja nie." Er meint das wirklich so. Er redet so nicht nur mit seinen Enkeln. Bei Herman van Veen knnte berall im nchsten Moment ein Zauberer um die Ecke kommen. Als er einmal aus Versehen mit dem Auto eine Ente berfahren hat, hat er die Geschichte von der kleinen Ente Alfred Jodocus Kwak erfunden, deren Eltern von einem Auto totgefahren wurden. Dieser Mann sprht vor Einfallsreichtum und scheint den magischen Realismus verinnerlicht zu haben. Und das ist seinem neuen Buch auf jeder einzelnen Seite anzumerken.

Hermann Van Veen - Erinnerte Tage
Verlag: Knaur
Erschienen: September 2016
Genre: Autobiographie
ISBN: 978-3-426-21408-4
Bindung: Gebunden
Preis: 19,99
Die Autobiografie "Erinnerte Tage" verffentlichte der berhmte niederlndische Musiker, Clown und eben auch was wahrscheinlich weniger bekannt ist Schriftsteller van Veen im Jahr 2016. Zeitgleich erschien sein neues Studioalbum "Fallen oder Springen". Das alles im Alter von 71 Jahren. Ein alter Mann erinnert sich an den Krieg und romantisiert seine Kindheit, mchte man auf den ersten Blick meinen. Passend dazu schaut auf dem Cover des Buchs der Autor leicht vertrumt nach links oben ins Leere, das Kinn auf die Hand gesttzt. Aber van Veens Autobiografie ist eher ein angenehm formulierter Roman. Chronologisch ist das Buch nur mehr oder weniger. Es besteht aus einzelnen, lose zusammenhngenden Episoden und Anekdoten, wie der Musiker sie auch auf Konzerten zwischendurch gerne erzhlt. Dazwischen: Auszge aus Briefen, Gedichte und Liedtexten

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Hintersinnig, warmherzig und lustig geschrieben

Die einzelnen Kapitel tragen Namen wie "Licht in der Erdnussbutter" oder "Eine Badewanne voller Blut". Sie haben poetische, absurde und witzige erste Stze wie diesen: "Mein ltester Sohn tippt auf seinem Laptop schneller, als meine Mutter auf dem Sterbebett sprach." Wer van Veens Musik mag, wird auch dieses Buch mgen, weil es hintersinnig, warmherzig und lustig geschrieben ist. Und eigentlich gar nicht nach einem alten Mann klingt: "Vater und Mutter kamen auf die Idee mit mir am sechsten Juni 1944. () Der Krieg wrde schnell zu Ende sein, Zeit fr einen kleinen Jungen, der todsicher im Frieden geboren werden wrde. Also meinetwegen konnte der Verhtungsschwamm problemlos raus."

Herman van Veen ist fr seine Musik, seine grandiosen Live-Auftritte und vor allem seine Kinderlieder und -geschichten auf der ganzen Welt bekannt. In seiner Autobiografie erzhlt er von dem Leben als Knstler, das er immer noch fhrt, und von seiner Kindheit und Jugend in der Nachkriegszeit. Er vermittelt, welche Eindrcke aus seinem Leben ihn inspiriert haben. Zugleich ist es ihm gelungen, aus seinen Erinnerungen einen Roman zusammenzusetzen, der wie seine Lieder einen neuen Blickwinkel auf die Welt zeigt. Die Empfehlung fr einen gemtlichen Sonntagabend bei kaltem Winterwetter: Tee, Kekse, diese Autobiografie und dazu mglicherweise im Hintergrund die Musikfabel von den seltsamen Abenteuern der Ente Alfred Jodocus Kwak, interpretiert von Herman van Veen, dem Dirigenten Erik van der Wurff und dem Groen Wasserlndischen Symfonieorchester.

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