Am 2. Juli 1964 unterzeichnet der Prsident Lyndon B. Johnson im Weien Haus den Civil Rights Act, der die Rassentrennung in Hotels, Bussen, Sanitranlagen und anderen ffentlichen Einrichtungen gesetzlich aufhob. Die rechtliche Gleichstellung von Afroamerikanern scheint jedoch trotzdem bis heute fraglich zu sein. Immer wieder machen offenbar willkrliche Erschieungen von Schwarzen durch Polizisten auf den Straen Amerikas Schlagzeilen. Im August 2014 wird der 18-jhrige Michael Brown im Bundesstaat Missouri zum Todesopfer. Ein Jahr spter erschiet ein 49-jhriger Polizeibeamter den 19-jhrigen Studenten Christian Taylor in einem Vorort von Dallas.

Information aus erster Hand

Um die Missstnde im amerikanischen Strafsystem, Polizeigewalt und Justizwillkr geht es auch in Bryan Stevensons Buch "Ohne Gnade". Bryan Stevenson studierte Jura in Harvard. Sein Interesse galt von Beginn an vor allem der Ungleichheit zwischen den Menschen unterschiedlicher Hautfarben, weswegen er einen Intensivkurs zum Thema Rasse und Armut besuchte. Im Rahmen dieses Kurses absolvierte Stevenson ein Praktikum beim Southern Prisoners Defense Commitee in Atlanta, das seine Arbeit nachhaltig prgen sollte. Dort arbeitete er mit Todeskandidaten und lernte diese als Menschen kennen, die verzweifelt sind, Bedrfnisse haben wie jeder andere und teilweise auch unschuldig sind.

Diese Erfahrungen kommen auch in seinem Buch zum Ausdruck. Er erzhlt von Fllen, die ihn selbst beschftigten, entweder als fachkundigen Beobachter oder als Verteidiger selbst. Er erzhlt von den Personen hinter den Strafttern, von ihren Wnschen und Hoffnungen, von der Tragik ihrer Geschichte und ganz nebenbei, aber nicht nebenschlich von den Ungereimtheiten, den Ungerechtigkeiten und den Missstnden im amerikanischen Strafsystem . Er berichtet aus erster Hand auf der Grundlage seines speziellen persnlichen und fachlichen Wissens: authentisch, einfhlsam und informativ.

Der Mythos von der Gerechtigkeit

Walter McMillian ist schwarz, verheiratet und hat ein Verhltnis mit einer weien, ebenfalls verheirateten Frau. Das ist das einzige, was er sich zu Schulden kommen lsst, dennoch findet er sich eines Tages im Todestrakt wieder. In Zeiten, in denen die Rassentrennung noch tief in den Kpfen der Menschen verankert und in Alabama sogar verfassungswidrig ist, zieht er mit der Affre die Antipathie der Gesellschaft auf sich.
Bryan Stevenson - Ohne Gnade

Verlag: Piper
Erschienen: September 2015
Genre: Sachbuch
ISBN: 978-3492057226
Bindung: Gebunden
Preis: 20
Er ist ein leichtes Ziel als Sndenbock fr den Mord an der Tochter eine hochangesehenen Familie, an dessen Aufklrung die Justiz scheitert.

Unschuldige landen auf dem elektrischen Stuhl und mssen mitunter in nachlssig ausgefhrten Hinrichtungen qualvoll ihr Leben lassen. Einige Bundesstaaten machen vor dem Gericht in Ermangelung eines Jugendstrafrechts keinen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen. Menschen schwarzer Hautfarbe werden systematisch aus dem Kreis der Geschworenen im Gericht verbannt, obwohl der Ausschluss gegen die Verfassung spricht. In Wiedereingliederungsmanahmen investiert der Staat weder Zeit noch Geld. Menschen sterben auf unerklrliche Weise in ihren Zellen, vermutlich hufig nach Misshandlungen und Verweigerung von Medikamenten.

Alles drin

Die Missstnde waren und sind vielfltig, die gesetzlichen Zusammenhnge vielschichtig. Stevenson lsst immer wieder nicht berfordernde Informationshppchen ber die rechtlichen Hintergrnde, die historischen Entwicklungen und die Zustnde in den Justizanstalten der USA einflieen. "Ohne Gnade" ist ein Buch, das ebenso Unterhaltung wie Information bietet und zum Nachdenken anregt: ber die Zustnde in Strafsystemen, die berforderung der Behrden, Diskriminierung und den Umgang der Menschen miteinander im Allgemeinen. Offen, persnlich, berhrend und durchgehend interessant - ein Buch, das alles kann.

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