Als Nachbarin Annemie Hlchrath kam Cordula Stratmann bei Zimmer frei zu Besuch. In der Schillerstrae ffnete sie selbst ihre Wohnung fr Improvisationen. Sicher, Annemie Hlchrath war eine Rolle und die Wohnung eine Bhne. Aber es scheint so, als ob das Publikum nichts gegen ein Treffen mit der echten Cordula htte so von Mensch zu Mensch. Viele Comedians polarisieren. Cordula Stratmann aber mag jeder. Die Lachfachfrau ist die Super Nanny des deutschen Humors. Ganz in diesem Sinne kehrt die gelernte Familientherapeutin mit ihrem neuen Unterhaltungsroman zurck zu den Wurzeln. Danke fr meine Aufmerksamkeit nimmt den Erziehungswahnsinn in deutschen Kinderzimmern auf die Schippe aus der Perspektive einer Maus. Im Interview sprach Cordula Stratmann ber ungeplante Erfolge, das Eigenleben ihrer Geschichten, ihren Bonn-Auftritt im Mai und Erziehung als Herausforderung. Dabei nahm die Kabarettistin kein Blatt vor den Mund: Falsche Hilfe durch vermeintliche Experten und Castingshows seien schlichtweg eine Katastrophe.



campus-web: Ihr neuer Roman Danke fr meine Aufmerksamkeit steht aktuell auf Platz 14 der Spiegel-Bestsellerliste. Hatten Sie den potentiellen Erfolg bereits beim Schreiben im Kopf?

Cordula Stratmann: Um Gottes Willen nein. Ich mache nur das, was ich gerne mag und biete das den Leuten an. Wer es mag, soll es nehmen und sich daran erfreuen. Aber ich bin nicht der Meinung, dass etwas umso mgenswerter wird, je mehr Menschen es mgen.

cw: Wie Sind Sie denn auf die Maus gekommen?

CS: Ach du liebe Gte. Ab und zu denkt man: "Bei dem wrde ich gerne mal Muschen spielen." Dieser Satz spazierte durch mein Hirn und hinterher spazierte direkt schon Britta, meine Hauptfigur und hat gesagt: "Ich bin's, eine europische Hausmaus und wrde den Job bernehmen!" Da habe ich geantwortet: "Na gut, dann wirst du meine Hauptfigur."

cw: Sind Muse die besseren Menschen?

CS (mit gespielter Entrstung): Na, berlegen Sie mal, was ist das fr eine Frage? Ich muss Sie leider korrigieren: Muse sind keine Menschen. Muse sind Muse.

cw: Aber Ihre Protagonistin Britta ist doch sehr menschennah: Sie trgt Socken und spricht

CS: Ich weihe Sie jetzt als Autorin in ein Geheimnis ein: Wenn ich in der Museschaft nachfragen wrde, bin ich mir gar nicht sicher, ob die sagen wrden: "Ja, du hast uns ganz gut getroffen."

cw: Droht Ihnen womglich also ein Shitstorm von Seiten der Muse?

CS: Noch hat sich bei mir keine Maus schriftlich beschwert, dass ich sie falsch darstelle.

cw: Leverkusen liegt in ihrem Buch in Sdchina. Was kommt Ihnen denn an Leverkusen chinesisch vor?

CS (lacht): Das war in meinem Kopf. Ich kann Ihnen gar nicht immer sagen, woher etwas kommt. Im Schriftstellerleben gibt es einfach manche Sachen, die kann der Autor nur noch aufschreiben, weil sich die Geschichte selber weitererzhlt.

cw: Sie suchen also nicht aktiv ein Thema fr ein Buch, sondern der Stoff kommt zu Ihnen?

CS: Ehrlich gesagt: Ja. Ich wei auch nicht. (Sie lacht.) Die Stratmann hat wahrscheinlich Erscheinungen.

cw: In Ihrem Roman dreht sich viel um Kindererziehung. Dabei hat Britta als Maus eine Perspektive von unten. Wenn Erwachsene ber Erziehung sprechen, blicken sie dann zu oft von oben auf ihre Kinder herab?

CS: Es gibt auf jeden Fall zu viele Erwachsene, die aus einer zu groen Distanz zum Kind am Kind herumwerkeln. Das Zusammenleben mit einem Kind bedarf in erster Linie eines guten und kontinuierlichen Kontaktes und eines Ernst-Nehmens.

cw: In Danke fr meine Aufmerksamkeit fallen die Eltern erziehungstechnisch immer wieder in "schwarze Lcher". Ist Ihnen das als Mutter auch schon einmal passiert?

CS: Ja, stndig. Es ist einfach eine permanente Herausforderung, auf ein Kind zu reagieren. Es gibt eben kein Rezept, mit dem man aus der manchmal auftretenden Ratlosigkeit herauskommt. Man kann hchstens versuchen, fr das Kind ein durchschaubarer Lebensgefhrte zu sein.

Im zweiten Teil des Interviews regt sich Cordula Stratmann ber Castingshows und vermeintliche Erziehungshelfer auf, die in Wirklichkeit dabei helfen, Kinder als abnormal abzustempeln. Auerdem spricht sie ber ihre Beziehung zu Bonn. Den zweiten Teil des Interviews gibt es hier.

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