Im ersten Teil des Interviews spricht Cordula Stratmann ber ihren neuen Roman "Danke fr meine Aufmerksamkeit", einen ausgebliebenen Muse-Shitstorm, das Eigenleben von Texten und ihre eigenen Erziehungsfehler. Den ersten Teil des Interviews gibt es hier.

campus-web: Stichwort Super Nanny: Was halten Sie von Fernsehformaten rund ums Thema Erziehung?

Cordula Stratmann: Wenn man sich mit dem Thema Erziehung im Fernsehen auseinandersetzen mchte, muss man einen anstndigen Film drehen oder eine sehr gut recherchierte, ernsthafte Reportage machen. Auf gar keinen Fall gehrt ein Kind in Not in irgendein Unterhaltungsformat. In meinen Augen ist das verboten genauso wie Castingshows oder andere Formate, wo in der ffentlichkeit Menschen runtergemacht werden. Wenn man sich anguckt, was die Erwachsenen alles vormachen, braucht man sich ber komisches Verhalten bei Kindern oder Jugendlichen nicht wundern.

cw: Oft entsteht jedoch der Eindruck, dass Erwachsene die Fehler beim Kind suchen

CS: Ist das nicht absurd, dass Erwachsene ernsthaft kleine Wesen dafr verantwortlich machen, wenn irgendetwas nicht funktioniert? Es werden viel zu viele Kinder fr abnorm erklrt. Wenn man einem Kind einen solchen Stempel gibt, muss man sich nicht wundern, dass es ihm entspricht. Ich halte es fr eine katastrophale Entwicklung, dass ein Kind krank geschrieben wird, weil es den Erwachsenen in irgendeiner Form Mhe macht.

cw: Wenn ein Kind nicht stillsitzt, gehen viele zum Arzt und erwartet eine Diagnose...

CS: Ganz genau. Die Entwicklung, dass man Kinder immer mehr Gutachtern vorstellt, ist eine absolute Katastrophe. Ehrlich gesagt, hat es sich bei Kinderrzten, Psychiatern, Sozialarbeitern und anderen Helfern durchgesetzt, die Eltern dabei zu untersttzen, ihre Kinder als dysfunktional zu sehen. Ich habe dagegen als Familientherapeutin noch gelernt, dass es durchaus zur Stabilisierung in einer Familie fhrt, wenn man an positive Ressourcen glaubt und diese in den Vordergrund stellt.



cw: Ihr neues Buch ist natrlich ein Unterhaltungsroman. Haben Sie trotzdem die Hoffnung, dass die Leser beim Lachen auch ein bisschen zum Nachdenken angeregt werden?

CS: Ich habe das Buch nicht geschrieben, um etwas zu erreichen. Trotzdem ist es schn, wenn die Leute etwas herausziehen. Es gibt Menschen, die gar nicht mehr ernsthaft auf die Kinder gucken, sondern irgendwelche Standards von menschlichem Leben im Kopf haben. Wenn ich mit meinem Buch irgendetwas tun kann fr Kinder, die solchen Erwachsenen ausgeliefert sind, dann ist das natrlich ein wunderbarer Nebeneffekt.

cw: Im Mai stellen Sie Ihr Buch im Bonner Pantheon vor.Was fllt Ihnen zu Bonn ein?

CS: Mein Patenonkel und meine Patentante wohnten dort. Da war ich als Kind oft zu Besuch. Im Rheinland ist doch sowieso alles nah zusammen: Wenn ich nach Bonn komme, denke ich darber gar nicht nach genauso wenig wie ber Dsseldorf oder Kln. (Die gebrtige Dsseldorferin lacht.) Bonn gehrt einfach zum Leben dazu. Von zu Hause ein paar Meter weiter und schon bin ich dort.

cw: Mit Blick auf die Hauptfigur von Danke fr meine Aufmerksamkeit: Warum das Pantheon als Auftrittsort und nicht das Haus der Springmaus?

CS: Mit dem Pantheon habe ich eine lange und alte Verbindung. Zu Bhnen, wo man frher gut behandelt wurde, geht man einfach immer wieder hin.

cw: Britta, die Protagonistin Ihres Romans, erwhnt ein zwlfbndiges Werk namens Launen der Natur der Mensch. Schreiben Sie das als nchstes Buch?

CS (lacht): Nein, das gibt es ja schon. Da wrde ich jetzt gerne mal eine Maus fragen: "Wo liegt das denn? Ich msste da noch mal reingucken."

Danke fr meine Aufmerksamkeit: Cordula Stratmanns Ansichten einer Maus
Termin: Dienstag, 28.05.2013, 20 Uhr
Ort: Pantheon Bonn

Der Eintritt kostet 20 Euro. Karten fr die Vorstellungen gibt es bei den bekannten Vorverkaufsstellen. Im Internet unter: www.pantheon.de www.bonnticket.de. Telefonische Reservierungen unter: 0228-212521 bzw. 0228-502010 (Bonnticket). Mehr Infos im Internet unter www.pantheon.de




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