Zwei Jahre ist es bereits her seit Drive zum Kultfilm avancierte und Schauspieler Ryan Gosling und Regisseur Nicolas Winding Refn zu Stars machte. Allerdings wissen nur wenige, dass der Film auf einer Romanvorlage basiert: Im Jahr 2005 schrieb James Sallis Driver; nun ist die Fortsetzung Driver 2 erschienen. Der Autor sprach im Rahmen der lit.cologne auf dem Literaturschiff MS RheinEnergie ber den zweiten Teil.

Eine Lesung mit Aussicht, ein Autor mit Ambitionen

Sallis, der zum ersten Mal auf der lit.cologne zu Gast war, wurde von Schauspieler Christian Berkel und Moderatorin Margarete von Schwarzkopf begleitet. Whrend das Publikum den Gesprchen auf der Bhne lauschen durfte, legte das Literaturschiff der diesjhrigen lit.cologne ab und drehte ein paar Runden auf dem Rhein. Doch nicht nur die Schifffahrt und die abendlichen Lichter des Klner Rheinufers machten die Lesung zu etwas ganz Besonderem.

Schnell stellte sich heraus, dass James Sallis ein Mensch ist, der viel erlebt hat. Seine berufliche Karriere begann er als Sprachtherapeut, obwohl er eigentlich klassischer Komponist werden wollte. Heute ist er Dichter, Kritiker, Herausgeber, Dozent und Hobby-Musiker. Sein Lebenslauf ist bunt, doch er erkannte frh, dass seine eigentliche Begabung das Schreiben ist.

Krimis als Spiegel der Gesellschaft

Nach einigen Kurzgeschichten und Gedichten fing er an, Kriminalromane zu schreiben und blieb dabei. In diesen knne man alle mglichen Probleme des Lebens behandeln, vor allem auch philosophische Fragen, erklrte er dem Publikum. Seine Geschichten schreibe er, ohne zu wissen, was als nchstes passiert. Er wolle genauso vom Verlauf der Story berrascht werden wie der Leser. Durch das Schreiben lerne er seine Charaktere erst kennen, die alle ein gewisses Eigenleben haben. Gerade die Figur des Drivers sei interessant: Obwohl Sallis schon zwei Bcher ber ihn geschrieben hat, wisse er immer noch nicht viel ber ihn.

Whrend Sallis aus der englischen Version von Driver 2 und Christian Berkel aus der deutschen bersetzung vorlasen, wurde deutlich, dass die Fortsetzung ebenso dster und brutal wie der Vorgnger ist. Oberflchlich geht es um schnelle Autos und harte Kerle, doch es steckt viel mehr in der Story: Durch den Driver, der in seiner eigenen gefhrlichen und korrupten Welt lebt, hlt der Autor der Gesellschaft den Spiegel vor. Sein Schreibstil, der auch von der deutschen bersetzerin Kathrin Bielfeldt gelobt wurde, macht die Dialoge und Schilderungen authentisch, was Sallis in seinen Romanen nach eigenen Aussagen besonders wichtig ist.

Hollywood calling

Eigentlich sollte es keine Fortsetzung zu Drive geben und auch nach einem Anruf aus Hollywood war Sallis noch dagegen . Doch eines Tages hatte er dann doch ein Bild vor Augen, wie die Geschichte weitergehen musste und er entschloss sich dazu, noch einen zweiten Teil zu schreiben. Ob dieser auch verfilmt wird, hnge von den Terminplnen von Ryan Gosling und Nicolas Winding Refn ab. An Sallis solle es nicht liegen, denn er sei einer der wenigen Autoren, die die Verfilmung der eigenen Romane lieben. Selbst dass der Film Drive teilweise stark von der Romanvorlage abweicht, stre ihn nicht. Gerade die im Buch nicht vorhandene Liebesgeschichte, die im Film ein Spannungsfeld zwischen Romanze und Gewalt erzeugt, sei sehr gelungen.

Sallis selbst ist nach eigener Aussage im brigen kein guter Fahrer. Seine Frau erlaube ihm nicht einmal, whrend des Fahrens zu reden. Im Verlauf des Abends scherzte er viel und fhlte sich auf der Bhne offensichtlich mehr als wohl. Sallis ist ein Sympathietrger, der das Publikum begeistert. Der Abend bleibt dem Zuschauer sicher nicht nur wegen der abendlichen Rundfahrt auf dem Rhein in Erinnerung!

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