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John R. Cash hatte zweifelsohne einen gewaltigen Einfluss auf die Musik und deren Entwicklung, nicht nur in Nordamerika. Unzhlige seiner Songs sind nach wie vor weltbekannt. Aber nicht nur musikalisch sorgte der Nachfahre schottischer Einwanderer fr Aufsehen. Es war auch immer dieses gewisse Etwas, dieses rebellische Verhalten, das den Musiker so interessant machte: Drogensucht, Konzerte in Gefngnissen und das legendre Bild mit dem ausgestreckten Mittelfinger. "Cash, die Autobiografie von Johnny Cash, erschien in diesem Jahr als berarbeitete Version von Patrick Carr. Das ursprnglich schon 1999 erschienene Werk lsst also auf groartige Geschichten hoffen.

Cash, Carr: Cash - Die Autobiografie von Johnny Cash

Verlag: Edel Verlag
Genre: Autobiographie
Erschienen: Februar 2012
ISBN: 978-3841901439
Bindung: Gebundene Ausgabe
Seiten: 350
Preis: 29,95
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Eine zhe Angelegenheit

Die Hoffnung auf diese Geschichten stirbt. Langsam. Das Buch beginnt erwartungsgem chronologisch. Die Ursprnge der Familie Cash liegen in rmlichen Verhltnissen. Das Leben der groen Familie spielte sich vornehmlich auf den Baumwollplantagen ab. Auch Johnny musste dort aushelfen und hart arbeiten. Einzig seine Mutter Carrie machte ihn auf seine Gabe aufmerksam den Gesang.

Und dieser Stil zieht sich durch das gesamte Buch: Nette Anekdoten hier und da. Aber nichts, das einem vom Hocker hauen knnte. Auf diesem sitzt man eher sicherer denn je und fhlt sich auf die Folter gespannt. Der Rockstar Cash muss doch aufregende Geschichte zu erzhlen haben. Stattdessen erfhrt man viel ber seine Freundschaft zu Roy Orbison. Schn und gut. Auch Auftritte mit anderen musikalischen Gren werden oft erwhnt. Nicht wirklich berraschend. Und nicht zu vergessen: das Bibelstudium. Nach der Lektre das Wort,welches durch die nervig hoch frequentierte Nutzung in Erinnerung bleibt.

Selbstkritisch kommt die Drogensucht zur Sprache. Er scheint sich seiner Fehler durchaus bewusst gewesen zu sein. Verpasste Auftritte, physische und psychische Verletzungen bei sich und anderen. Pltzlich klingt es, als habe man es mit einem sympathischen und gelutertem Mann zu tun: "Ich [Cash] schme mich heute nicht fr meine Vergangenheit, aber ich trauere der Zeit nach, die ich verschwendet habe." Doch dieser Eindruck whrt nur kurz.

Das Gros des Buches macht eher den Eindruck, als wollte er sich eine Art Denkmal meieln. Jedoch nicht mit einem Hammer, sondern mehr mit einem teilweise (zu) selbst lobenden Ton: Nach dem Tod von Roy Orbison schenkten er und seine Frau, June Carter, dessen Sohn ein Grundstck. Cash "kommt es so vor, als wrde der gute Roy von oben herablcheln und sagen: "Danke, John."" Wirklich erwhnenswert.

Die Musik reicht aus

Seine Musik berhrte und fesselte die Zuhrer. Sein Buch erzeugt Ghnen. Man liest ein Nachschlagewerk mit Berichten von Erlebtem. Wer nicht dabei war, hat keine Chance den Geschichten zu folgen. Und gerade das macht einen guten Schriftsteller aus. Als Leser sollte man sich involviert fhlen, als wre man dabei gewesen. Sogar "unntze", fr den Verlauf der Geschichte nicht relevante Informationen klingen dann spannend und aufregend. Bei der Lektre dieser Autobiografie erfhrt man nur, dass June Carter "den schwarzen Grtel im Einkaufen hat."

Um dieses Buch zu lesen muss man bereit sein, eine gewisse Ausdauer an den Tag zu legen. Diese Eigenschaft traut man in diesem Zusammenhang nur wahren Fans zu. Wer lediglich etwas Interesse an der Person Johnny Cashs hat, der wird scheitern. Zu uninteressant und wenig aufregend ist die Lektre. Wer einfach nur ein gutes Buch lesen mchte, der sollte sich ein anderes suchen. Highlights sind Mangelware und die Spannungskurve gleicht dem Puls eines Betubten. A propos: Cash sah Elvis "nie irgendeine Art von Drogen nehmen". Hat der auch ein Buch geschrieben?

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