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Olympia in London war und ist teils immer noch das Hauptthema diesen Sommer ein geeigneter Zeitpunkt, um die britische Kultur hochleben zu lassen, muss sich der Suhrkamp-Verlag gedacht haben und legt das 1936 in England unter dem Originaltitel "Uncle Fred in the Springtime" herausgegebene Werk von Sir Pelham Grenville Wodehouse neu auf.

Jung gebliebener Alt-Adel auf Freigang

Im Mittelpunkt der wendungsreichen Handlung steht Frederick Altamont Cornwallis Twistleton, fnfter Earl von Ickenham, besser bekannt als Onkel Fred. Der rstige, adlige Pensionr wittert Morgenluft, als seine rigorose Ehefrau fr einige Tage das Land verlsst und ergreift die Chance, seine jugendlich geblieben Abenteuerlust voll auszuleben. Dabei tatkrftig zur Seite stehen soll ihm sein Neffe Pongo Twiselton, dem es aus Erfahrung vor den Eskapaden seines Onkels graut, da er meist Leidtragender besagter Eskapaden ist.

Erschwerend dazu kommen Pongos Sorgen um seine Schulden und die Lsung der Verlobung seiner Schwester mit seinem Freund Horace Davenport. Zu allem bel gert letzterer noch in eine Schlgerei mit seinem Cousin, bei der es um dessen Angebetete geht. In die wiederum verguckt sich Pongo auf den ersten Blick, und das war der noch lange nicht alles an Ereignissen, die sich berstrzen.
P. G. Wodehouse Onkels Erwachen

Verlag: Suhrkamp
Genre: Unterhaltung
bersetzung: Thomas Schlachter
Erschienen: 18. Juni 2012
ISBN: 9783518463598
Bindung: Taschenbuch
Seiten: 282
Preis: 8,99
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Showdown auf Blandings Castle

Das klingt alles viel zu kompliziert? Gut, dass Onkel Fred gewitzt wie immer eine Lsung aller Probleme ersinnt. rgerlich nur, dass in seinem fein ersonnenen Schauspiel alle Charaktere immer wieder dazwischenfunken. So ist ein finales Zusammentreffen aller Beteiligten auf Blandings Castle nicht zu vermeiden, wo das Chaos eher vermehrt als gelst wird. Geboten wird dabei alles, von eierwerfenden Earls ber zockende Privatdetektive bis hin zu Schweinen im Badezimmer.

Sprachlich tolle Komdie

Wodehous vermag es, eine mitreiende Gesellschaftskomdie zu entwerfen, deren Charaktere liebevoll-sarkastisch berzeichnet sind. Seinem wortgewandten Erzhler gelingt es, die Geschichte so zu kommentieren, dass keine Figur ganz ernst genommen werden kann, ohne sie dabei in Lcherlichkeit abrutschen zu lassen.
Insgesamt ist "Onkels Erwachen" eine muntere, aber zrtliche Satire auf Englands Adel. Es erweckt den Eindruck, der Englnder an sich halte seine Aristokratie zwar fr verschrobene Unikate, aber Unikate, die alle ihren Charme haben. Hoch anzurechnen ist Wodehouse hierbei, dass er ohne jegliche tagespolitische Anspielungen eine Skizzierung der Verhltnisse entstehen lsst.
Damit ist Onkels Erwachen auch 76 Jahre nach Fertigstellung tolle Unterhaltung. Dies ist auch ein Verdienst des bersetzers Thomas Schlachter, der Wodehouses unwahrscheinlich elaborierten Sprachwitz gekonnt ins Deutsche bertrgt. Der geneigte Leser wird an Plot und sprachlicher Feinsinnigkeit gleichermaen seine Freude haben. Bleibt nur zu hoffen, dass Onkel Fred - in England lngst Kult - im deutschsprachigen Raum durch seine Hauptrollen in diversen anderen Wodehouse-Werken eine hnlich groe Anhngerschar gewinnt.

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