campus web-Bewertung: 1,5 von 5 Sternen
   
Heute Nacht habe ich von ihm getrumt. Der franzsische Romancier Philippe Besson legt Venice Beach bereits in den ersten Zeilen als Erinnerungsbericht an. Die tagebuchartig durchgehend aus der Ich-Perspektive erzhlte Handlung schwelgt in pathetischen Erinnerungen. Ein Polizeiinspektor und ein Hollywoodstar verlieben sich im Rahmen der Aufklrungsarbeiten eines Mordfalls. Ein Stricher wurde in Beverly Hills umgebracht. Der Cop schenkt bald dem verdchtigten Zeugen mehr Aufmerksamkeit als seinen Ermittlungen. Er riskiert vllig irrational handelnd nicht nur seine Arbeit. Er vernachlssigt auch seine schwangere Ehefrau, um in einem Motel am Strand von Venice Beach private Stunden mit dem neuen Schwarm zu verbringen. Vorwegnahmen und ein Springen zwischen unterschiedlichen Handlungsebenen deuten stets darauf hin, dass die Stunden intimer Zweisamkeit gezhlt sind.

Ein Cop sieht rosarot - Wie weit Liebe doch einen fhren kann

Leider gibt es in Venice Beach kaum direkte Auseinandersetzungen und Dialoge. So erfahren wir nur ber die eingeschrnkte Perspektive des Erzhlers etwas ber die Mordermittlungen.
Philippe Besson Venice Beach

Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
Genre: Liebesgeschichte, Coming Out-Krimi
Erschienen: April 2012 (Original: 2007)
ISBN: 9783423249027
Bindung: Taschenbuch
Seiten: 180
Preis: 14,90
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Die Trennung von der Ehefrau und die Entlassung von der Dienststelle werden nur angedeutet. Oft beginnen Abschnitte mit Einleitungen wie Es gibt Dinge, die man nicht beschliet. Ereignisse, die man nicht kommen sieht. In anderen Abschnitten ist von Momenten der Entscheidung die Rede. Das wirkt dann meist berzogen und aufgesetzt pathetisch. Klischeehaft berzeichnete Bilder wie In Wirklichkeit war ich nicht der Lwe. Und er hatte nichts von einem Lamm. oder kitschige Formulierungen wie Tonnen von Liebe nerven dann mitunter beim Lesen. Eine die Trennung von der Gattin theatralisch vorwegnehmende Anekdote ist sogar falsch bersetzt. Hier heit es Eine Klinge hatte sie durchbohrt, ohne dass sie den Sto hatte kommen sehen. Beim Lesen denkt man, dass Klingen durchschneiden und Spitzen durchbohren. Vorwegnahmen der Katastrophe und das Fehlen von Konfliktmomenten machen den Roman schlielich recht spannungsarm. Nur selten erinnern anschauliche Beschreibungen des Innenlebens der Erzhlfigur an den sensiblen Charme frherer Werke Bessons, wie etwa Sein Bruder von 2005. Insgesamt ist der Roman zu betulich und rhrselig um ihn dem Genre der Kriminalliteratur zuzuordnen. Das Werk erinnert stellenweise eher an das Genre der Trivialliteratur.

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