"Let's save the best for last", waren passend die ersten Worte von Moderator Thomas Bhm. Er hatte den amerikanischen Schriftsteller Mark Z. Danielewski auf dessen Lesereise durch Deutschland und sterreich begleitet. Die letzte Station war die von der Buchhandlung Bittner veranstaltete Lesung im Belgischen Haus in Kln. Zu viel versprach Bhm mit seiner Einleitung nicht, denn der Abend sollte unterhaltsam werden. Es wurde zwar nicht viel gelesen, aber viel aus dem Nhkstchen des Autors geplaudert. Vor allem ber die Entstehung seines wahrlich revolutionren Buches Only Revolutions, das von Kritikern als "Gipfelpunkt der Buchkultur" gepriesen wird.

Auf Tuchfhlung mit Jacques Derrida und Depeche Mode

Im Gesprch mit dem Moderator kommt Danielewski sympathisch herber, denn es wird viel herumgealbert. Verschmitzt grinsend sitzt er auf der Bhne, Hut auf dem Kopf, an den Schuhen zwei verschiedene Schnrsenkel in neongrn und neongelb. Seine Erscheinung ist allerdings nicht das, was Mark Z. Danielewski so schillernd macht. Es sind die Geschichten, die er erzhlt.

So berichtet er ber die Zeit, in der er Jacques Derrida nicht von der Seite wich, weil er einen Film ber den berhmten franzsischen Philosophen drehte. Noch dazu stand er zusammen mit seiner Schwester, der Musikerin Poe, als Vorband fr Depeche Mode auf der ganz groen Bhne. Sie hatte ein Album zu seinem Bestseller House of Leaves geschrieben. Danielewski scheint viele Talente zu haben.

Bcher mit visueller Energie

Das knstlerische Geschick wurde Danielewski bereits in die Wiege gelegt. Sein Vater war ein aus Polen stammender Regisseur, der dem Schriftsteller schon in jungen Jahren zeigte, wie sich das Auge beim Film durch Bilder arbeitet. Danielewski verwendete dieses Wissen zum Kreieren seiner Romane.
In House of Leaves spielt ein Labyrinth eine wichtige Rolle und das wird auch im Layout des Buches wiedergegeben. Die Seiten sind teilweise aufgebaut wie ein Mosaik, es gibt mehrere Textstrnge in Randspalten und Ksten. Teilweise muss man das Buch herumdrehen, um weiterlesen zu knnen.

hnlich ist Danielewskis Roman Only Revolutions aufgebaut, der nun erstmalig in deutscher bersetzung beim Klett-Cotta Verlag erschienen ist. Er erzhlt die Geschichte zweier junger Liebender, Sam und Hailey, auf einem Roadtrip durch Amerika aus zwei Perspektiven: Man fngt entweder aus der Perspektive Sams an zu lesen, oder man dreht das Buch herum und erlebt das Ganze aus Haileys Sicht.

Zu Beginn noch sehr uneinig, nhern sich die beiden im Laufe der Zeit emotional immer mehr an. Das wird auch durch den Aufbau des Buches widergespiegelt, denn die beiden Geschichten treffen sich in der Mitte. Ins Deutsche bersetzt wurde es interessanterweise von einem Ehepaar.

Neue Konzepte ehren alte Traditionen

In einer Spalte am Rande des Buches sind Daten und Ereignisse angegeben, anfangs aus der Weltgeschichte, spter werden sie immer persnlicher. Sie verflechten sich mit dem Leben und der Geschichte der Protagonisten und auch der Leser wird das ein oder andere bekannte Ereignis aus seiner eigenen Lebzeit wiederfinden.

Whrend Danielewski die Daten der Weltgeschichte aus Lexika entnahm, fragte er in Internetforen seine Leser nach persnlichen Ereignissen in deren Leben. Diese lie er in die Geschichte einflieen. Die Romangestaltung war also sogar interaktiv. Der Zeitpfeil im Buch wird zu einem kollektiven Gedchtnis der Leser.

Danielewskis Romane sind eine Herausforderung frs Auge. Natrlich muss man auch Only Revolutions wieder drehen und wenden. Die Struktur ist am Anfang verwirrend und man wei nicht, was man zuerst lesen soll. Aber wie schon in House of Leaves muss man sich einfach erst einmal auf diese neue Art zu lesen einlassen. Nach und nach wird einem bewusst, welches Genie Danielewski bei der Konzeption seiner Bcher unter Beweis stellt.

Es geht hier nicht um Geschichten, die man sich mal eben auf den E-Book-Reader ldt. Die Bcher dieses Autors sind Kunstwerke an sich. Mit den interessant gestalteten, teilweise farbig gedruckten Seiten und aufflligen Einbnden sind sie eine Hommage an das Buchformat.

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