Ein Gang in die Bahnhofspresse offenbart es: Deutschland ist voller Magazine, Zeitschriften, Illustrierten und Zeitungen. Stndig kommen neue dazu, und permanent wird der Versuch unternommen, dem Kuchen weitere Krmel abzuringen. Ein kleines Stck zu sichern fr eine neue Publikation, und neue Publikationen kommen auch heute, 2012, noch auf den Markt. Jeden Monat. Ist das nicht seltsam, wo doch so unablssig ber den Niedergang der Presselandschaft gesprochen wird? Darber, dass wir im Prinzip heute doch alle nur noch Apps lesen, ber unseren iPad konsumieren? Und auch der Werbemarkt bald schon vollstndig kollabiert ist? Es ist paradox, es ist interessant, und doch geht es hier um etwas anderes. Die meisten dieser neuen Publikationen lassen sich dem blichen zuordnen; Illustrierten fr die Massen und Knigshuser, Style und Life, Lifestyle. Fashion, glossy und fancy. Kinderquatsch. Diese Kolumne schnffelt nach dem, was brig bleibt.

Ein Heft ber Scheie. Eins ber Deutschland. Eins ber Glck, und eins ber die Schweiz. Ein Heft mit Merkel vorne drauf und eins mit Heidi Klum. Auf einem Titel ist ein Pavian zu sehen, der schn einen durchzieht, und auf einem anderen blickt eine Soldatin der jdischen Streitkrfte in die Ferne. Der Blick gedankenverloren, das MG griffbereit.

Eine kurze Frage an Dich, den Leser: Klingt das nach einem Magazin, nach einem Dutzend Magazinen, oder nicht doch nach gar keinem? Weil es so was ja gar nicht geben kann?

Die Antwort ist DUMMY. Ein Gesellschaftsmagazin, ein Themenheft, ein Reportagen-Almanach. Die DUMMY ist tatschlich der Beweis, dass man sich als Journalist ein launisches Konzept geben, sich selbst und alle anderen immer wieder berraschen und warum nicht auch vor den Kopf stoen kann und es am Ende doch immer fr eine weitere Ausgabe reicht. Die DUMMY ist ein Magazin, das Mut macht, jetzt schon acht Jahre lang.

Jedes Heft hat ein neues Layout, jedes Heft ein anderes Thema. Jede Ausgabe ein Prototyp, der erste Versuch. Umgesetzt wird diese Vorgabe in Bilderstrecken, ausfhrlichen Reportagen, Essays, Kolumnen. Was zuerst nach selbst auferlegter Beschrnkung klingen mag, ist tatschlich immer wieder aufs Neue die Chance, alles auszuprobieren. Schriftgestaltung und Struktur knnen da schon mal aus dem Rahmen fallen, auch die Texte mssen bei der Vielzahl der Beteiligten nicht immer den hochgesteckten Ansprchen gerecht werden. Aber geschenkt. Noch mal: Ein Heft ber Scheie? Oder ber Bullen? Oder ber Trken? Muss man nicht machen. Es ist schn, dass es dennoch jemand fr notwendig hielt.

Warum soll ich das lesen?
Distinktionsgewinn, natrlich. Dekoratives Heft. Ein must fr jeden, der selbst schreiben will? Klar, wieso nicht. Die Reportagen.

Risiken und Nebenwirkungen
Distinktionsgewinn, natrlich. Sechs Euro weniger in der Tasche.

Mittlerweile erschienen: Das groe Dummy-Buch. Das Beste und Schlimmste aus 30 Mal Magazinmachen, bei Kein & Aber

dummy-magazin.de


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