campus-web Bewertung: 3/5
   
 

   
An einem Freitag, den 13., lohnt es sich Horror als Alltag vom unabhngigen Verbrecher Verlag zu besprechen: Buffy, ein blondes, blauugiges Highschoolmdchen, geht nachts auf die Pirsch. Sie ist dazu berufen, Dmonen und Vampire zu tten. Ihre Schule steht auf einem Hllenschlund, der regelmig Bses gebiert. Als Vampirjgerin verfgt Buffy ber besondere Fhigkeiten und Krfte. In der Realitt sind herrschaftliche Strukturen noch schwer zu erfassen. Als Dmonen begegnen sie ihr jedoch in Krpern, die man pfhlen kann. Giles, ein Erwachsener, in Dmonenfragen erfahrener Ratgeber steht ihr zur Seite. Eine Gruppe von Freunden untersttzt sie, allen voran Willow mit ihrem Computerwissen und Xander mit seinem Mitgefhl und seiner Treue.

All right, yes, date, and shop, and hang out, and go to school, and save the world from unspeakable demons. (Buffy)

Die amerikanische, auch in Deutschland sehr erfolgreiche Fernsehserie Buffy the Vampire Slayer wurde von 1996 bis 2003 ausgestrahlt. Zehn Wissenschaftler versuchen nun zu bestimmen, was die Teenie-Kultserie zu etwas Besonderem macht. Die Autoren analysieren die Serie nicht nur als Kunstprodukt der Medienindustrie. Ausfhrlich werden auch einzelne Folgen und Charaktere unter medienwissenschaftlichen Fragestellungen betrachtet. Das emanzipatorische Potential der Buffy-Figur wird herausgearbeitet. Es wird diskutiert, ob die Spin-off-Serie Angel eine Ergnzung zu Buffy ist, oder sich in seinen Funktionsweisen grundlegend vom Vorgnger unterscheidet. Carmen Dehnert untersucht die innere Dynamik der lesbischen Liebesbeziehung zwischen Willow und der Hexe Tara. Sie bercksichtigt dabei Zuschauerreaktionen und deutet die Liebesbeziehung unter anderem als Subversion einer heterosexistischen Metaphorik.

Annika Beckmann, Ruth Hatlapa, Oliver Jelinski, Birgit Ziener (Hrsg.) Horror als Alltag

Verlag: Verbrecher Verlag
Genre: (TV-)Serienforschung
Erschienen: Dezember 2010
ISBN: 9783940426529
Bindung: Broschiert
Seiten: 256
Preis: 14,00
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Vampire, Monster und Dmonen: allwchentliche ffnungen des Hllenschlundes

Stets kriechen neue Kreaturen aus dem Loch unter Buffys Highschool Sunnydale. Abgesehen von den Big Bads der einzelnen Staffeln offenbaren sich die Vampire als flach, banal und unkomplex. Sie sind jedoch fr die Protagonisten niemals nur bloe Einbildung. Wofr steht diese Katastrophe, was will uns jenes Monster sagen? Hier offenbart sich fr Annika Beckmann und Heide Lutosch grell pointiert ein Rtselcharakter. Sie untersuchen die Darstellung der Monsters of the Week und meinen in ihrem Essay, dass bei diesen Figuren das Serielle des Bsen wesentlich sei. Sie heben hervor, dass neben den Monstern stets auch Lehrer, Eltern und Arbeitgeber in der Serie vorkommen. Die Autorinnen stellen schlielich die These auf, dass sich in den Monstern gesellschaftliche Zwnge akzentuieren, die beispielsweise Spa und Selbstentfaltung verhindern wollen.

What would Buffy do? What should Buffy do?

So entpuppt sich Buffys Liebhaber Angel als Vampir. Lars Quadfasel betrachtet nicht nur das Romeo-und-Julia-Motiv der Unbedingtheit der ersten groen Liebe in Buffy als Allegorie. Angel spielt in der zweiten Staffel seine emotionale Macht ber Buffy aus. Als Big Bad und entscheidender Gegenspieler manipuliert und demtigt er sie psychisch. Beckmann und Lutosch meinen, hier deute sich die Dynamik eines Sexismus an, die im Schrecken der heterosexuellen Liebe wurzele. Buffy msse nun eigene Selbstentwrfe und Weiblichkeitsbilder berprfen.

Metaebenen vampirischer Kultur: Wissenschaftliches auf recht hohem Niveau

Horror als Alltag ist eine lesenswerte und fundierte Lektre fr Freunde und Fans der TV-Serie. Die Essays entlarven den eigenen Eindruck von der Serie als oft zu oberflchlich. Man versprt beim Lesen den Wunsch, sich besprochene Serienfolge mit einem erweiterten Zugang anzuschauen, um die jeweilige Analyse besttigen oder hinterfragen zu knnen. Wenn man nur wenige Folgen der Serie kennt, ist man mit dem Expertenwissen ber die Entwicklungen einzelner Nebencharaktere und Staffeln berfordert. Manchmal meint man, dass in Zusammenhnge oder Figuren bermig hineininterpretiert wird. So deutet etwa Birgit Ziener die Figur der Faith als Rtselbild menschlicher Freiheit. Die Aufstze vermitteln dabei auch einen Eindruck von der in Deutschland recht groen und intellektuell gebildeten Buffy-Fangemeinde, die eigene Fanzines, Fanclubs oder Kongresse organisiert. Einzelne Aufstze basieren so auf Vortrgen, die vor ihrer Verffentlichung auf Buffy-Kongressen gehalten wurden. Gewnscht htte man sich in einer Auseinandersetzung mit Buffy eine noch eingehendere Analyse der typisch amerikanischen unreflektierten Sichtweise auf das Gute und das Bse und die moralische Figur der Rcherin.

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