"Auf die berwltigende und fast schon euphorische Resonanz unseres Auftritts sind wir sehr stolz", erklrte Halldr Gumundsson, der Direktor des islndischen Auftritts auf der Frankfurter Buchmesse auf der Abschluss-Pressekonferenz. Keine Selbstberschtzung im berschwang der Gefhle, sondern ein realistisches Fazit: Der Ehrengast 2011 ist seinem Motto gerecht geworden. Der islndische Auftritt auf der Buchmesse war sagenhaft. Die Nation der Vielleser und Schriftstellerdichte hat das deutsche Publikum bezaubert. Und das nicht nur mit dem atmosphrisch dichten Forumspavillon, der im Ambiente eines durch modernste Videoinstallationen geschaffenen Hochaltars des Lesens die Besucher mit einer literaturfreundlichen Stille wie nach dem Ausbruch eines islndischen Vulkans empfing, wobei weder das Vorbeitraben eines Ponys, noch das Vorbeifliegen eines Drachens berraschung ausgelst htte.

Erfolgreich trotz unaussprechlicher Namen

Wren die Namen nicht so unaussprechlich, wrden wohl nicht wenige islndische Autorinnen und Autoren in Zukunft auf den persnlichen Bestsellerlisten der deutschen Leseffentlichkeit zu finden sein. So verwundert es nicht, wenn die Vorsitzende des Islndischen Schriftstellerverbandes, Kristn Steinsdttir, bei der Abschlusspressekonferenz betonte: "Der Gastlandauftritt war ein groartiger Trffner fr die islndischen Autorinnen und Autoren in die Welt." Wie sich auf der Buchmesse immer wieder zeigte, ein verdienter Trffner. Die islndischen SchriftstellerInnen haben viel Potential. Vor allem die jungen.

Besonders nachhaltig in Erinnerung blieb der sonntgliche Auftritt von Sigurbjrg rastardttir, die ihr neues Werk Fackelzge vorstellte, das gerade mit dem Preis des Nordischen Rates ausgezeichnet wurde. Verheiungsvoll, wenn auch eher verschleiernd als aufklrend kndete der Veranstaltungshinweis von weien Drachen, knstlichen Paradiesen und islndischen Sommernchten. Wer dabei aber Trolle und Elfen im Putzigkeitsgewitter nationaler Mythen und Mrchen erwartete, wurde schnell enttuscht.

Klangraub und die Schwierigkeit des Moderierens

Stattdessen widmet sich die junge Autorin und Journalistin in Fackelzge einer schwierigen Dreiecksbeziehung. Und damit war nicht die Konstellation auf dem Podium mit rastardttir, bersetzerin Ursula Giger und Moderatorin Tina Flecken gemeint. Obwohl letztere in ihrer Rolle wahrlich nicht berzeugte. Mit ihrer deutschen Lesestimme enthutete sie das Original von seinem faszinierend fremd-mythischen islndischen Klang im Mund der Autorin und ihre Vergesslichkeit bezglich des Namens der Protagonistin fhrte im Interviewteil zu einer Frage, die verschwurbelt Autorin und Erzhlerin verquickte und entgegen jeder literaturwissenschaftlichen Gepflogenheit gleichsetzte.

Eigentlich aber handelt Fackelzge von der Dreiecksbeziehung zwischen Mann, Frau und Droge. Der Ort des Geschehens wechselt zwischen Island und Berlin, was bleibt ist obsessive Liebe. Sie ist Islnderin, er ist Deutscher. Er ist drogenabhngig, sie kommt nicht von ihm los. Typisch islndisch? Wohl eher die Variation bekannter Muster, so scheint es. "Die Liebesgeschichte knnte berall spielen, aber natrlich hat die islndische Umwelt einen Einfluss.", meint auch die Autorin. Island ist meist hell, natrlich, wei, Berlin dagegen dster. Klingt nach Klischee. Doch genau mit der eigentlich eindeutigen Verbindung von Raum und Stimmung spielt rastardttir.

Das bse Weie und der Sog des rollenden Rs

Ist wei wirklich gut? Diese Frage treibt sie um. Ihre Antwort: "Das Weie ist nicht immer nur positiv." Als Beispiel fhrt die Autorin die "weie Lge" an, die zwar "bessere Lge" genannt wird, aber eine Lge bleibt. Letztlich steht das Weie zwischen den Liebenden. Der weie Drache ist nicht Schtzer, sondern Zerstrer, die dritte Person dazwischen. "Der Begriff kommt eigentlich aus der Drogensprache, aus dem englischen Slang.", erklrt rastardttir. Gemeint sei der weie Rauch, der beim Verbrennen aufsteigt. Doch der weie Drache ist mehr. Neben den Drogen steht er als Symbol auch fr Krankheiten, menschliche Schwchen allgemein. Wobei die Autorin einschrnkt, dass dies ihre Sichtweise sei: "Ich wei nicht, wie es die Protagonistin erlebt."

Auf jeden Fall sind es intensive Erlebnisse. Fr die Protagonisten, aber auch fr die Zuhrer. Schlicht sitzt rastardttir in ihrem trkisfarbenen Oberteil auf dem Podium, die Haare zum Pferdeschwanz gebunden und doch schafft sie es auf eindrckliche Art und Weise, die Zuhrer in einen gefhlsklingenden Abhngigkeitsstrudel rollender Rs zu ziehen. Auch wenn das Verstndnis des islndischen Originals rein klanglich ist, stellt man fest: So lebt Lyrik. Wobei es eigentlich ein eigentmliches Mischgebilde aus Prosa und Poesie ist, das rastardttir mit Fackelzge geschaffen hat. Quasi ein weier Drache der Literatur, der ausgehend von einem einseitigen Gedicht DIN A4-Seite um DIN A4-Seite heranwuchs, denn: "Das eine Gedicht wurde der Geschichte nicht gerecht.", erklrt die Autorin. Ein Roman kam fr sie nie in Frage: "Es braucht 3 Jahre, um einen Roman zu schreiben, da habe ich keine Geduld zu."

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