Die klassischste Frage zuerst: Wie echt ist der Charakter Nico Semsrott, der in seinem Kapuzenpulli auf der Bhne steht?
Die Traurigkeit kam anfangs tatschlich aus mir heraus. Ich war depressiv, und habe auch depressive Texte gemacht.

Slammen als Therapie. Und dann?
Irgendwann begann ich dann mich selbst ber den Charakter Semsrott lustig zu machen.

Wie kamst du zum Poetry Slam?
Aus Verzweiflung. Ich habe es zuerst mit dem Studium probiert, dann mit Stiftungen, Journalismus und am Ende blieb nur noch die Bhne.

Wie kamst du zu deinem ersten Slam?
Mit der U-Bahn. Nein, einfach per Aushang.

Vor Publikum stehen und reden: Muss man eine Bhnensau sein, um zu slammen.
Jeder hier sprt den Drang, niemand macht das im Wortsinne freiwillig. Die meisten stehen aus einer biographischen Notwendigkeit auf der Bhne.

Wie sieht es aus, nachdem vor Jahren der WDR den Poetry Slam aufgriff und eine landesweite Sendeplattform gab. Gibt es eine Kommerzialisierung?
Plump gesagt ja. Aber man muss da differenzieren. Einzelne schaffen den Sprung, aber einzig vom Slam lebt niemand. Und natrlich gibt es Menschen und Firmen, die davon selbst profitieren wollen. Das ist aber normal, wenn eine Szene Erfolg hat und wchst. Es gibt eine grere Vielfalt, im Guten wie im Schlechten.

Was ist die Chance der neuen Aufmerksamkeit?
Die Szene wird vielfltiger, es entwickeln sich neue Arten, wie etwa der "Dead or Alive Slam" oder dem Antislam in Kln.

Ich danke fr das Gesprch!

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