Gastgeber Alexander Bach
   
 

Christian Bartel
   
 

Benjamin Wei
   
 

Fabian Kster
   
An diesem Wochenende ist es endlich soweit NRW sucht seinen Poetry Slam-Star 2011. In vier Vorrunden und einem groen Finale treten die besten Slammer des Bundeslandes gegeneinander an, um am Sonntagabend im Gloria ihren Sieger zu kren.

Doch bereits am gestrigen Freitagabend lud die Klner Slam-Gemeinde zu einer Pre-Opening Show ins Blue Shell ein, der Heimat des Poetry Slams The word is not enough. Unter dem Motto Unser Htz schlt fr de MCs vun Klle wollte Gastgeber Alexander Bach einmal diejenigen ins Rampenlicht rcken, die sonst im Schatten stehen die Moderatoren der lokalen Poetry Slams, die Klner MCs.

So ganz stimmt das mit dem Licht und Schatten natrlich nicht, denn eigentlich steht so ein Moderator eines Poetry Slams den ganzen Abend im Rampenlicht. Er heizt die Stimmung an, lockert sie auf, sorgt fr den Lacher zwischendurch. Er leitet das Abstimmungsverfahren und sorgt fr Ruhe im Publikum (so ist es bei den meisten Klner Poetry Slams Usus den Besitzer eines klingelnden Handys auf die Bhne zu zerren und ihn etwas aus der Mundorgel vorsingen zu lassen). Nur eines tut er nicht: er trgt keine eigenen Texte vor und erntet somit auch keinen eigenen Applaus die Schattenseite seines Jobs.

Heute Abend ist das aber anders und so begrt Alexander Bach gleich fnf weitere MCs auf der Bhne: Christian Bartel vom Dichterkrieg, Benjamin Wei von Reim in Flammen, Fabian Kster von Bchner lebt!, Michael Heide vom Anti- und Experimental Slam sowie Florian Mller von Dichter am Dom.

Da das Wetter schn ist und das Bier khl, lsst man das Programm langsam anlaufen, um nicht zu sagen etwas schleppend. Bis Christian Bartel als erster am Mikro sitzt, vergeht fast eine Dreiviertelstunde. Sofern kann seine kleine Lesung aus seinem Zivildienstroman das mde gewordene Publikum zwar erheitern, aber noch nicht ganz aus der Reserve locken. Dann aber strmt Benjamin Wei die Bhne und rttelt die Zuhrer mit seinem Text Was machst Du denn so? wach. Darin geht es um die typische Reaktion der Leute auf seinen Beruf Sonderschullehrer. Neeee, so was knnte ich ja nicht! Nein, natrlich knntest Du das nicht Du hast es auch nicht studiert!, schreit er mit nach vorne gestrecktem Zeigefinger. Das zum grten Teil studentische Publikum lacht zustimmend und freut sich besonders ber den eingeschobenen Crash-Kurs Fluchen in Gebrdensprache.

Direkt im Anschluss trgt Benjamin einen Text seiner Kollegin Anke Fuchs von Saitenliebe Song Slam Kln vor, die selbst verhindert ist. Pltzlich wird aus dem schreienden und wild gestikulierenden Verfechter seiner Zunft ein sanfter Poet. Was wei Du schon? ist ein sehr nachdenklicher Text, der das Publikum bannt. Der Applaus kommt erst nach einigen Sekunden, ist aber umso heftiger.

Das Eis ist gebrochen, die Zuhrer in Stimmung. Sie bedanken sich applaudierend fr die mrchenhaften Balladen des Gymnasiasten Fabian Kster ebenso wie fr Michael Heides psychopathischen Gallier im Hulk-Outfit, kurz Gulk, oder Florian Mllers Selbsthilfeversuche eines missverstandenen Intellektuellen. Die Tcken der Dialektik fhrt Alexander Bach dann auch gleich in der Praxis vor, indem er vier Minuten lang darber diskutiert, ob er seinen Text um eine Minute krzen soll leicht genervt entscheidet sich das Publikum fr die Kurzfassung.

Gekrnt wird der Abend noch von Benjamin Weiߒ interaktiven Stck Heute ist Gutmenschtag, bei dem auch die Zuhrer die Hand heben und mitsprechen drfen, sowie Christian Bartels Ode an Christian Bartel. Wahrscheinlich ist es eben diese Portion an Selbstironie, die zum unentbehrlichen Handwerkszeug eines guten Slam-Moderators gehrt.

Nach diesem abwechslungsreichen Abend darf man nun gespannt sein, was die Slammer in den Vorrunden zu bieten haben. Die MCs werden ab heute jedenfalls wieder ein bisschen zurcktreten und den Applaus den anderen berlassen mssen.

Artikel drucken