Campus Web-Bewertung: 2,5/5
   
Wir Menschen sind uns selbst oft ein Mysterium. Ob das Grbeln ber eine zweideutige uerung einer Flamme, das rgernis ber die unfreundliche Art eines Vorgesetzten oder die einfache Unsicherheit, was das Gegenber von einem hlt: oft wnscht man sich in den Kopf des Anderen schauen zu knnen.

Der Ratgeber Ich wei, wie du tickst beansprucht diese Fhigkeit fr sich. Nach einer grndlichen Lektre soll der Leser ein besserer Menschenkenner werden und diese neu erworbene Fhigkeit treffsicher und in jeder Lebenslage einsetzen knnen.

Der Autor ist als renommierter Management-Trainer und Keynote-Speaker der richtige Ansprechpartner fr den zwischenmenschlichen Umgang. Ob man als Privatperson von seiner in dem Buch niedergeschriebenen Erfahrung profitieren kann, sei jedem selbst berlassen.

Ich ticke, du tickst, sie ticken!

Schon beim Durchlesen des Inhaltsverzeichnisses fallen zwei Dinge besonders auf. Erstens ist der Ratgeber in sechs Kapitel gegliedert und bemht sich mit dem Layout erfolgreich um eine bersichtliche Struktur. Wichtige Kernaussagen werden in markierten Kstchen besonders hervorgehoben, Tabellen und Cartoons lockern das Ganze auf. Zweitens lsst sich kaum bersehen, dass der Autor sowohl eine Vorliebe fr eine hippe und coole Ausdrucksweise, als auch fr relativ peinliche Alliterationen hat. Kapitelnamen wie Wer tickt eigentlich wie? , Andere am Ticken erkennen, Ticken mit Taktik oder Ticken ohne Tcken sorgen fr beste Unterhaltung.

Auch der eigentliche Inhalt ist betont locker verfasst, lsst sich jedoch durchaus gut lesen. Nach Belehrungen ber die verschiedenen Menschentypen und ihre Verhaltensweisen folgen oft konkrete (wenn auch zwangslufig sehr konstruierte) Beispiele aus dem echten Leben, bei denen man die Mglichkeit hat das Gelernte praktisch anzuwenden. Lsungsseite am Ende des Ratgebers inklusive, versteht sich.

Gr dich, Klischee!

Obwohl der Autor bemht ist eine gewisse Ernsthaftigkeit an den Tag zu legen, schafft er es nicht sich vor starken Stereotypisierungen fern zu halten. Da werden eventuelle menschliche Gegenber in Tabellen eingeteilt, kriegen ein angeblich dominierendes Gehirnareal zugewiesen (Grohirn, Stammhirn und Zwischenhirn) und bekommen eine eigene Farbe. Oder man versucht es gleich mit dem Oberflchlichsten: Kapitel 4. Das Ticken genau beobachten Menschen nach ihrem ueren einschtzen. Obwohl Betscharts Gedankengngen eine gewisse wissenschaftliche Basis nicht abgesprochen werden kann, sollte stets bedacht werden, dass einem hier durchgehend eine subjektive Autorenmeinung aufgedrckt wird.

Das graue Fazit

Bei Ratgebern dieser Art ist ein eindeutiges Fazit nicht leicht. Da kein Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhoben wird, darf man auch nicht zu streng richten. Das Werk ist gut geschrieben und bersichtlich gestaltet. An manchen Stellen kommt man auch tatschlich ins Grbeln und fragt sich, ob an den aufgestellten Typisierungen etwas dran ist. Und sicherlich trifft dies teilweise auch zu.

Trotzdem ist und bleibt die Begegnung zweier Individuen eine einmalige Situation, die in keinem Buch genau vorhergesehen werden kann. Wer sich etwas fr den Umgang mit anderen sensibilisieren mchte, kann hier gerne einen Blick riskieren. Die ultimative Wahrheit wird man jedoch nicht finden.

Martin Betschart Ich weiss, wie du tickst. Wie man Menschen durchschaut

Verlag: Orell Fssli
Erschienen: 3. Mrz 2011
Genre: Sachbuch/Ratgeber
ISBN: 978-3-280-05410-9
Bindung: Gebunden
Preis: 19,90
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