Zwischen dem 18. und 22. Oktober steigt in Hamburg die fnfzehnte deutschsprachige Poetry Slam Meisterschaft. Am 15. Mai whlte das Klner Publikum ihren Finalisten, der die Domstadt nun in der Hansestadt reprsentieren wird. Und diese Wahl fiel nicht leicht...

Die Spreu vom Weizen slammen

Das Blue Shell ist bestens gefllt und durch die Arbeit der beiden Moderatoren so weit auf Betriebstemperatur gebracht worden (Jan Coenen liest zur Aufwrmung seinen dezent wahnsinnigen Brief an die deutsche Politik), dass der Wettstreit ohne Umschweife beginnen kann.

Als erster hat Jay Nightwind die Ehre, das Publikum zu unterhalten. Jedoch erwischt er mit seinen beiden Texten (Wurfenten, Ninjas und ein Liebesgedicht) einen schwachen Tag entsprechend wenig Punkte verteilt das Publikum an ihn. Ganz anders sieht es bei Fabian Navarro aus. Seine Schilderung eines Kampfes gegen die Mathematik auf dem Schulhof sorgt fr viele Lacher und die eine oder andere gebrochene Funktion. Klarer Fall fr die nchste Runde. hnlich lustig gibt sich auch Jens Krger und plaudert aus dem Nhkstchen seines FSJs. Die wertvollen Tipps im Umgang mit strrischen Gren im Kinderhort werden mit dem Weiterkommen belohnt.

Der jngste Poet des Abends kommt gerade mal auf 16 Jahre. Umso erstaunlicher, dass Fabian Ksters Brief an die Stille der erste ernsthafte Text des Abends ist. Die tiefsinnigen Gedanken und ordentlicher Stil sorgen vor dem Altershintergrund fr mchtig Gnsehaut. Leider ist das Publikum noch zu sehr im Lachmodus, so dass der begabte Poet nicht weiter kommt. Wieder lustig wird es mit der kaffeegeschwngerten Krankenhausgeschichte von Martin Vincent . Der trockene Vortragstil, rektal verirrte Hamster und private Einblicke in sein Beziehungsleben sind eine gute Mischung. Am Ende wird es zwar etwas knapp mit der Zeit (6 Minuten Maximum), was zu einem Herunterrattern des Textes fhrt, doch fr die nchste Schicht, hm Runde, reicht es allemal.

Dass man seine groe Liebe auch in Form einer Kontrolleurin bei der Bahn treffen kann, verrt uns Robert Targan . Den Anschlusszug in die nchste Runde verpasst er aber. Auch bei der einzigen Slammerin des Abends zeigt sich die Meute vor der Bhne leider typisch nach leichter Unterhaltung lechzend. Der traurige Monolog von Laura Reichel , bei dem sie sich an ihren Vater wendet, kommt trotz hoher Qualitt nicht beim Publikum an. Der letzte Teilnehmer der ersten Runde, Quichotte , hat es heute nicht so mit der Tiefsinnigkeit. Dafr kommen in seiner Geschichte Dinosaurierpenisse und Bren vor. Der Text ist trotz seiner Absurditt ein absoluter Knaller. Dazu trgt seine, sagen wir mal breit gefcherte Vortragsweise bei, die man einfach sympathisch finden muss.

Die Runde Zwei

Es kann nur einen geben! Aber das dauert noch etwas, denn in dieser Runde werden die zwei Slammer fr den finalen Kampf der Hirnwindungen und Zungenakrobatik gewhlt.

Den Startschuss gibt Martin Vincent, dessen Gedicht an seine Ex (htte er mal nicht so viel von ihr geplaudert) zwar sehr gut gemacht ist, unter dem Strich jedoch nicht die Fahrkarte in die letzte Runde sein kann. Beim folgenden Text von Jens Krger wird im Publikum gemunkelt, er htte ihn auf der Zugfahrt zur Veranstaltung erst geschrieben. Auszuschlieen ist es nicht, denn die Geschichte des Stinkstiefels, der alle mglichen Aggregat- und Seelenzustnde durchluft, ist so komisch, wie wirr. Ein Spa.

Humor mit etwas mehr Tiefgang verpasst den Zuhrern Fabian Navarro. Seine Abrechnung mit der Kleinstadtidylle ist sowohl poetisch, wie auch unterhaltsam. Der Vortrag strotzt nur so von gelungenen Wortspielen und tollen Pointen. Und das Timing ist mit 5:59 Minuten auch perfekt. Ein verdienter Finalist. Erneut als Schlusslicht der Runde muss Quichotte auf die Bretter. Diese Chilligkeit in Person versucht es auch mal mit Reimen und erzhlt seinen Trip nach Holland, um naja, was wohl? Inklusive Polizeikontrolle, Sprhunden und einem ganzen Kofferraum voll Lwenzahn. Konsequenz und Charisma bringen diesen Slammer ins Finale.

Kampf der Titanen

Nun wird es ernst. Nein, wird es nicht, denn Quichotte ist als erster dran. Je enger es fr ihn wird, desto breiter scheint dieses Kind der Lustigkeit zu werden. Die Selbstverstndlichkeit, mit der er eine durchzechte Nacht voller guter Ideen, proletenhafter Englnder und gequlter Katzen nacherzhlt (man WILL es ihm einfach glauben), lsst die Lachmuskeln durchgehend arbeiten.

Deutlich poetischer bringt sich Navarro mit seinem gedichteten Bewerbungsgesprch zum Sieg. Den Job kriegt er zwar nicht, denn Dichter seien fr die Gesellschaft von keinem groen Nutzen fr das Finale in Hamburg reicht es jedoch alle mal. Ein groartiger Gewinner.

Am Ende gibt es eine Zugabe in einer Mischform aus Gedicht und Freestyle. Whrend der Sieger seiner Katze (ja, schon wieder diese Viecher) Strophe fr Strophe die Liebe gesteht, klinkt sich Quichotte immer wieder ein, um mit seinen mal recht, mal schlecht erdachten Reimen seinen Beitrag zu leisten. Was fr ein Slam!


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