Rocko Schamoni, seines Zeichens Hans Dampf in allen kunstschaffenden Gassen, las in der ehemaligen Vorzeigespelunke der Klner Erotikszene aus seinem Tag der geschlossenen Tr und bot ein Potpourri aus klassischer Lesung, Comedy und Belanglosigkeit.

Der neueste von insgesamt vier Romanen des Schauspielers, Schriftstellers, Musikers sowie Clubbetreibers baut auf dem Vorgnger Sternstunden der Bedeutungslosigkeit auf. Hauptfigur ist hier wie dort der Hamburger Single Michael Sonntag, dessen trostloses Leben karrikiert und in Tag der geschlossenen Tr um sein Dasein als Frhrentner ergnzt wird.

Punk for Life

Schamoni betritt unter nahezu frenetischem Applaus mit sffisantem Lcheln und ungefhr fnfzehnmintiger Versptung die Bhne. Schnell wird aufgrund des Jubelsturms klar, dass es sich beim Groteil des Publikums um uneingeschrnkte Fans des vermeintlichen Multitalents handeln drfte. Das Ambiente des mit rotem Samt ausgekleideten Glorias passt perfekt zum angeschmuddelten Selbstverstndnis des Herrn S. kompromisslos, rockig, umspielt von einem Hauch von Zwielicht. Ohne Umschweife packt Schamoni sein selbsttituliertes "Arbeitsmaterial" aus eine Schachtel Kippen und 3 Flaschen Klsch, welche an diesem Abend offensichtlich nicht die ersten fr den Herrn mit der Punkattitde zu sein scheinen. Wie die Auswahl des lokalen Bieres zeigt auch die Erwhnung Klns im mit flachen Witzchen gespickten Vorgeplnkel: Hier ist ein Mann des Volkes am Werk. Jemand, der sich akribisch auf die rtlichen Gegebenheiten einzustellen und sie im Subtext zu verarbeiten vermag.

Je hher der Pegel, desto besser die Lesung

Die Passagen des Abends, in denen Schamoni tatschlich aus seinem Buch vorliest, bleiben leider drge bis langweilig. Zwar honoriert das bisweilen kritikunfhige Publikum einzelne Stellen mit anerkennendem Lachen, allerdings scheint sich der Autor selbst am allerlustigsten zu finden. Dies zeigt er unmissverstndlich durch albernes Glucksen, verbunden mit einem nicht vorhandenen Lesefluss. Das einzige, was an diesem Abend fliet, ist das Bier - in den Autor hinein. Als wrde er selbst merken, dass mit dem Werk an sich kein Blumentopf zu gewinnen ist, fgt er einen kleinen Exkurs ein: Im Vorfeld der Verffentlichung hatte Schamoni mehrere Verlage mit Textproben fiktiver (angeblich absichtlich schlecht geschriebener) Manuskripte bombardiert, die sich genau wie die verlagsseitigen Absagen im Buch wiederfinden. Auszge dieser Leseproben werden ebenfalls vorgetragen. Das Traurige ist allerdings, dass sie sich in Stil und Raffinesse kaum vom Kerntext unterscheiden und insgesamt eher peinlich als innovativ daherkommen.

Von Stuckrad-Barre light?

So ist es nicht verwunderlich, dass der gesamte Abend eher de verluft. Zum Glck bekommt auch das Publikum alkoholische Motivation. Einzig und allein in den freigesprochenen Zwischensequenzen, die an einen mden und lustlosen Helge Schneider erinnern, fllt dem Groteil der Zuschauerschaft wieder ein, dass sie ja Fans des Interpreten ist und es wird geklatscht, gegrhlt, gejubelt. Die Grundidee des Buches ist gar nicht verkehrt: Im Prinzip geht es um das alltgliche Nichts, aber das sollte dann wenigstens interessant und intelligent geschrieben sein. Ein positives Beispiel wre hier Benjamin von Stuckrad-Barre. Allerdings verfehlt Schamoni dessen Niveau um Welten, da er scheinbar viel zu sehr mit der Koketterie um seine Gesamtgestalt beschftigt ist. Die Wahrheit der als Lesung verkappten Comedyeinlage liegt irgendwo zwischen Soloalbum in schlecht und Vollidiot aufgemotzt. Schamoni scheint es zu ahnen und wirft ein, dass "Lesen langweilig" sei: "Es geht doch darum, dass sich ein Affe auf der Bhne zum Affen macht." Wie treffend diese Worte sind, scheint er selbst nicht einmal zu merken.

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