Er war Rebell, Hipster, Ikone: der amerikanische Schriftsteller Jack Kerouac (1922-1969). Ende der 40er Jahre erlebte er sein grtes Abenteuer, bei dem er diverse Male durch Amerika reiste, mal als Tramper, mal mit dem Bus, mal mit gestohlenen Autos. Meistens an seiner Seite befand sich der Beatnik Neal Cassady, der der gesamten Beat Generation als Inspiration galt. Sie fuhren von New York ber Denver nach San Francisco und zurck und erlebten auf ihrer Odyssee Geldnot, wilde Partys und Orgien in Mexiko.

Schon fast legendr ist die Art wie Kerouac diese Erlebnisse Anfang der 50er Jahre aufschrieb. Er klebte Zeichenpapier zusammen, so dass eine 37 Meter lange Rolle entstand. So wollte er seinen Schreibfluss nicht unterbrechen und schaffte es, On the Road innerhalb von nur drei Wochen in seine Schreibmaschine zu tippen. Als er das fertige Manuskript zu seinem Lektor brachte, zensierte dieser den Roman und krzte zum Beispiel Sexszenen. Auerdem bekamen real existierende Figuren wie Neal Cassady oder Allen Ginsberg Pseudonyme. So schaffte es das Buch erst 1957 verffentlicht zu werden. Die deutsche bersetzung der Urfassung lie sogar bis ins Jahr 2010 auf sich warten.

Unter dem Motto "Jrgen Kuttner experimentiert" war bei der Lit.Cologne der Kulturwissenschaftler und Vater von Sarah Kuttner, Jrgen Kuttner, mit einer Annherung an das Werk beauftragt worden. Dieses Motto gefiel aber selbst dem Protagonisten nicht, weswegen er sich am Abend vor der Veranstaltung entschied, die Lesung mit dem verheiungsvollen Titel "Jack Kerouac On the Road und Off the Road" zu versehen. Dem Erfolg des Abends im fast ausverkauften Theaterhaus Ehrenfeld tat es keinen Abbruch.

Ruhige Abschnitte, in denen Kuttner verschiedene Passagen des Buches vorliest, wechseln sich mit Comedy-Elementen ab. Dabei kommentiert der Berliner wild gestikulierend und aufgeregt sprechend Videos, die den deutschen Versuch darstellen, das Lebensgefhl von On the Road widerzuspiegeln.

Zonen-Gabi und ihre Bulgaritsitt

Durch eine sorgfltige Videoauswahl werden dem Publikum die Probleme der bertragung dieses Lebensgefhls in die deutsche Gesellschaft schon fast schmerzhaft bewusst. Beispiele, wie die deutsche Version des Broadway-Musicals "Hair", vergleicht Kuttner mit einem Teebeutel, der zum vierten Mal ins Wasser gesetzt wird. Bei diesen Einspielern kann der Kultmoderator bei Radio Fritz seinen genialen Wortwitz einsetzen, in dem er die weibliche Hauptfigur des Musicals mit der Zonen-Gabi des Titanic-Covers vom Anfang der 90er Jahre vergleicht und ihrer Bluse "Bulgaritsitt" vorwirft. In diesen Momenten tobt der Saal.

Ein weiteres Highlight ist die deutsche Version der Black Sabbath-Hymne "Paranoid". Fr deren Verwertung in der deutschen Samstagabend-Unterhaltung der 70er Jahre suchte man nicht nach einer deutschen Band im Stile von Black Sabbath, sondern lie das Schlagerpaar Cindy und Bert singen. Der deutsche Titel: "Der Hund von Baskerville". Als wre das nicht schrg genug, stellte man den Beiden noch einen ghnenden Pekinesen als "gruseligen" Hund an die Seite.

Die Bierfalle in Kln

Fr die groartige Auswahl der Einspieler muss man Kuttner ein groes Lob aussprechen. Er macht aus einer intellektuell anmutenden Veranstaltung wie einer Lesung ein Happening, das von vorne bis hinten Spa bringt. Dafr ist auch seine Leidenschaft fr On the Road und dessen Autor Kerouac verantwortlich, die man den ganzen Abend merkt. Nur dass er auf der Bhne kein Klsch getrunken hat, dafr hat Kuttner sich zu Recht am Anfang der Veranstaltung entschuldigt. Dank der gelungenen Veranstaltung kann man ihm das aber verzeihen.

On the Road Die Urfassung von Jack Kerousac kann hier bestellt werden.

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