Arnon Grnberg
   
 

Adam Thirlwell
   
 

Ismail Kadare
   
How does newness enter the world? so lautete der kryptische und, wie sich spter herausstellen sollte, wenig passende Titel der Veranstaltung. Kehlmann, der mit seinem 2005 erschienenen Roman Die Vermessung der Welt international bekannt geworden war, stand an diesem Abend ausnahmsweise einmal nicht im Mittelpunkt des Interesses. Der frischgebackene Literator war weniger als Autor denn als Gastgeber und Moderator gekommen. Drei hchst unterschiedliche Kollegen hatte er ausgewhlt und eingeladen, um mit ihnen ber ihre Arbeit zu sprechen.

Kriegsberichterstattung, Jugend und Diktatur

Gekommen waren: Arnon Grnberg, laut Kehlmann ein Schriftsteller, der das Abenteuer sucht: Grnberg hat schon als Kriegsberichterstatter im Irak und Afghanistan gearbeitet und seine dortigen Erfahrungen unter anderem in seinen neuen Roman Mitgenommen einflieen lassen. Adam Thirlwell, ein von der Kritik hoch gelobter britischer Nachwuchsautor, der wie Kehlmann mit sichtlichem Schrecken feststellte sogar jnger ist als er selbst. Und zu guter Letzt: Ismail Kadar, 1936 in Albanien geboren und Ehrengast des Abends, der laut Ansicht des Literators mehr ber das 20. Jahrhundert und seine Dunkelheit zu erzhlen hat als jeder andere lebende Autor.

Besserwisserische Monologe statt Fragen

Durchaus interessante Schriftsteller, die sicher eine Menge Interessantes zu erzhlen gehabt htten, sind also geladen. Dass der Abend fr das Publikum trotzdem wenig befriedigend ausfiel, hatte verschiedene Grnde. In oben genannter Reihenfolge kamen die drei Autoren auf die Bhne und wurden nacheinander vom Literator und Professor Doktor Blamberger von der Uni Kln befragt. Wobei befragt im Grunde das falsche Wort ist. Oft hatte man den Eindruck, dass der Sinn dieser von Kehlmann wie Blamberger gestellten Fragen weniger darin bestand, interessante Antworten von ihrem Gegenber zu erhalten als vielmehr darin, die Intelligenz der eigenen Schlussfolgerungen unter Beweis zu stellen. Es war deshalb nur folgerichtig, dass Ismail Kadar auf einen solchen Fragemonolog von Seiten Kehlmanns mit der lakonischen Gegenfrage reagierte: Ja. Was soll ich dazu noch sagen?

Tiefer gehende Einblicke? Fehlanzeige.

Die Gesprche, die sich so entsponnen, waren stellenweise zwar interessant; fr einen Zuschauer, der sich mit den anwesenden Autoren nicht so gut auskannte wie die beiden Moderatoren, aber wenig erhellend. Denn auf die Tatsache, dass die wenigsten im Publikum mit den Arbeiten eines Kadar oder Thirlwell vertraut sein drften, nahmen Kehlmann wie Blamberger keine Rcksicht. Einen wirklichen Eindruck vom Werk der vorgestellten Schriftsteller erhielt man als Zuschauer so nicht. Daran nderten auch die zwischengeschalteten Lesungen aus einzelnen Werken nichts. Im Gegenteil: Schauspielerin Julia Wieninger las die so unterschiedlichen Romane im immer gleichen Stakkato-Ton und trug so nicht eben zur Steigerung des Interesses bei.


Kein durchgesetztes Konzept

Was die ganze Veranstaltung mit der Frage nach dem Neuen in der Welt zu tun haben sollte, blieb bis zum Schluss rtselhaft. Kein einziges Mal bezog sich der Literator auf dieses Thema. Wie viel htte der Abend gewonnen, wenn die drei Autoren, wie im Programm angekndigt, nicht nur mit den Moderatoren, sondern auch miteinander ins Gesprch gekommen wren, gemeinsam diskutiert htten. Dazu wurden sie jedoch berhaupt nicht ermutigt, nie wurde eine Frage in die Runde gestellt. Ganz davon abgesehen htten sich die Organisatoren auch die Frage stellen mssen, ob eine lebendige Diskussion mit zwei nicht deutschsprachigen Autoren berhaupt mglich ist. Zumindest im Fall Thirlwells ist diese Frage eindeutig zu verneinen: Ihm war eine so peinlich schlechte Dolmetscherin zur Verfgung gestellt worden, dass ein schneller Informationsaustausch sicher nicht mglich gewesen wre.

Man muss sich vor Augen halten, dass Kehlmann im Rahmen seines Literator-Daseins in den vergangenen Tagen ein Mammutprogramm zu bewltigen hatte. Die organisatorischen Mngel in der Veranstaltungsplanung sind deshalb weniger ihm als den Verantwortlichen des Internationalen Kollegs Morphomata anzulasten. Bleibt einem nur zu wnschen, dass die Organisatoren der Literator-Dozentur im nchsten Jahr ein bisschen erfahrener sein werden und das Rahmenprogramm ansprechender zu gestalten wissen.

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